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365 Lehrstellen noch nicht besetzt

Trend zur späten Entscheidung

LANDKREIS. Während landesweit 45 Prozent der Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben sind, konnten Schaumburger Betriebe etwas mehr Nachwuchs gewinnen. Im seit Oktober laufenden Berufsberatungsjahr standen nach Zahlen der Arbeitsagentur Hameln 900 offene Ausbildungsplätze 1200 Bewerbern im Landkreis gegenüber.

veröffentlicht am 17.07.2017 um 17:40 Uhr

Die Altenpflege zählt zu den Ausbildungssektoren, um die sich junge Menschen nicht reißen. foto: dpa

Autor:

Gerrit Brandtmann
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LANDKREIS. Im Juni verbuchte die Agentur noch 365 freie Stellen und 463 Bewerber. Damit sei über 40 Prozent der gemeldeten Plätze noch nicht entschieden – „ein eindeutiger Trend zur späten Besetzung“, sagt Sprecherin Christina Rasokat. Es handele sich dabei aber nur um eine Momentaufnahme, denn gerade jetzt werden viele Stellen vergeben. „Die Zeiten, in denen junge Menschen händeringend nach Ausbildungsplätzen suchten, haben sich zum Teil umgekehrt“, meint Fritz Pape von der Kreishandwerkerschaft. In den klassischen Handwerksberufen, wie Bäcker, Fleischer, Dachdecker, Maurer oder im Heizungsbau gebe es aktuell noch Kapazitäten.

„Größte Dynamik“ herrscht nach Einschätzung Rasokats auf dem Ausbildungsmarkt. So entschieden sich viele bereits akzeptierte Bewerber letztendlich doch für einen weiteren Schulbesuch. „Fachhochschulreife, Abitur und Studium sind immer noch der Renner und werden der dualen Ausbildung vorgezogen“ so die Sprecherin.

Trotz des Bewerberüberschusses sei es für Branchen, wie Gastronomie, Pflege, Einzelhandel und Friseurhandwerk schwer, Nachwuchs zu gewinnen. Generell entsprechen Arbeitszeiten, schwere körperliche Arbeit und Lohnhöhe oft nicht den Berufswünschen junger Menschen. Umgekehrt bemängeln die Betriebe die Eignung ihrer Aspiranten – „insbesondere Kompetenzen wie Fleiß, Pünktlichkeit und Lerninteresse sowie die Grundqualifikationen Rechen- und Deutschkenntnisse“, listet Rasokat auf. Um auch in Konkurrenz zu Städten wie Hannover oder Minden attraktiv zu bleiben, empfiehlt die Arbeitsagentur den Betrieben, mehr in das Image der Ausbildung zu investieren und Anreize zu schaffen, beispielsweise eine Co-Finanzierung des Führerscheins oder des Handy-Vertrags als Dank für gute Leistungen. Pape sieht die Handwerkerschaft in dieser Hinsicht auf dem richtigen Weg: „Unsere Bemühungen um gute Beratung und Werbung, etwa auf der Schaumburger Regionalschau oder dem Zeltlager der Kreisjugendfeuerwehr, machen sich anscheinend bezahlt.“

Als häufige Gründe für den Abbruch der Lehre nennt die Arbeitsagentur Lücken in Theorie und Praxis, Prüfungsangst oder Sprachprobleme. Um die berufliche Bruchlandung zu vermeiden, werden dort ausbildungsbegleitende Hilfen mit Extra-Unterricht und fachspezifischer Förderung angeboten. Unter 25-Jährige mit schwacher Alltags- oder Sozialkompetenz können mit dem Programm der Assistierten Ausbildung individuelle Begleitung über die gesamte Ausbildungsdauer bekommen, um Konflikte oder Probleme mit Schulden oder Sucht zu vermeiden.

Nach Einschätzung der Kreishandwerkerschaft hat sich die Lage bei den Abbrechern aber nicht verschärft. „Die Quote lag in den letzten Jahren unverändert zwischen sechs und acht Prozent“, so Pape. Technische Anforderungen an die Ausbildung seien dagegen gestiegen, weil elektronische Systeme und Energiesparverordnungen oft auch den handwerklichen Arbeitsalltag bestimmen und sich in den Ausbildungsrichtlinien wieder spiegeln.

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