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Kosten für die Krippe Hinüberstraße fast im Budget

Trotz reichlicher Mehrarbeiten

BÜCKEBURG. Der Zeitplan ist ins Rutschen geraten, die Kosten für die neue Krippe an der Hinüberstraße aber bewegen sich fast im kalkulierten Rahmen: plus 6,5 Prozent mehr. Und dass, obwohl zusätzliche energetische Maßnahmen für Dach und Fassade vorgezogen und noch nicht in den veranschlagten 5,97 Millionen enthalten waren.

veröffentlicht am 27.10.2017 um 15:11 Uhr
aktualisiert am 27.10.2017 um 16:10 Uhr

Im Treppenhaus erinnert ein großes Wandrelief an die frühere Nutzung als Berufsschule. Foto: rc
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Der Zeitplan für die Fertigstellung zumindest des ersten Bauabschnitts der Krippe/Kindertagesstätte an der Hinüberstraße ist ins Rutschen geraten: Die fünf Krippengruppen werden erst am 1. Februar 2018 anstatt am 1. Dezember eröffnet.

Erfreulich ist dagegen, dass die kalkulierten Gesamtkosten für den ersten und zweiten Bauabschnitt wohl nur geringfügig überschritten werden: von kalkuliert 5,97 Millionen Euro auf derzeit 6,268 Millionen Euro. „Ein Plus von 6,5 Prozent bisher“, wie Stadtkämmerer Reiner Wilharm mit spitzer Feder errechnet hat. Die nur leichte Kostensteigerung ist insofern auch beachtlich, da Baumaßnahmen wie die komplette energetische Sanierung des Dachs und der Fassade oder aber der Bau einer Photovoltaikanlage (für 40 000 Euro, die sich in zwölf Jahren amortisiert haben sollen) erst während der laufenden Bauarbeiten beschlossen wurden. Sie waren in der ursprünglich kalkulierten Bausumme noch nicht enthalten, wie der Stadtkämmerer als auch Baubereichsleiter Jörg Klostermann unisono feststellten.

Ursprünglich sollte die energetische Sanierung erst in einem dritten Bauabschnitt nach der Fertigstellung des Gebäudes in zwei oder drei Jahren erfolgen. Während der laufenden Arbeiten entschieden sich Rat und Verwaltung aber anders. Klostermann: „Wir sparen uns damit, dass wir ein zweites Mal eine weitere Baustelle einrichten müssen: mit entsprechenden höheren Kosten und Störungen im Betrieb der Einrichtung.“ Wenn, dann sollte man alles jetzt fertigmachen.

Zwei Unwägbarkeiten gibt es jetzt noch, die den Bau verteuern können. Zum einen ist wie berichtet für den zweiten Bauabschnitt nach einem europaweit ausgeschriebenen Vergabeverfahren ein neues Architekturbüro zum Zuge gekommen. Wilharm: Hier gelte es abzuwarten, was das neue Büro zu den Baukosten des zweiten Abschnitts sagt und kalkuliert.

Zum anderen ist wie ebenfalls berichtet, noch die Frage offen, ob sich die Politik für den Bau einer reinen Ausgabeküche oder aber einer Vollküche im Kellergeschoss des zweiten Bauabschnitts entscheidet. Sollte für eine Vollküche gestimmt werden, würde sich der Bau um 373 000 Euro verteuern, wie das neue Planungsbüro bereits in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses vorgerechnet hat. Bis Ende November ist der Rat gefordert, in dieser Frage eine Entscheidung zu treffen. Ansonsten wird es schwierig, den zweiten Bauabschnitt mit seinen weiteren zwei Krippengruppen und zwei Kindergartengruppen wie geplant Anfang Dezember 2018 in Betrieb zu nehmen.

Eine leichte Kostensteigerung ist übrigens auch dadurch entstanden, dass während der laufenden Bauarbeiten entschieden wurde, im zweiten Bauabschnitt nicht eine reine Kindertagesstätte mit vier Gruppen einzurichten, sondern – wegen der ungebrochenen Nachfrage der Eltern nach Krippenplätzen – zwei der Gruppen in Krippengruppen umzuwandeln.

Da an Krippengruppen höhere Anforderungen als an Kindergartengruppen gestellt werden, seien für diese Entscheidung weitere, höhere Kosten anzusetzen gewesen, so der Baubereichsleiter. Auch Fluchtwege hätten anders und damit teurer konzipiert werden müssen. Zudem seien die Anforderungen an die Außenspielbereiche bei Krippenkindern höher als bei Kindergartenkindern.

Die Netto-Haushaltsbelastung für die Stadt beträgt nach Angaben des Stadtkämmerers 5,023 Millionen Euro. Denn nach der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen für den weiteren Ausbau der Tagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren (RAT), erhält die Stadt einen Zuschuss in Höhe von 720 000 Euro für den ersten Abschnitt und weiteren 360 000 Euro für den zweiten Abschnitt seitens des Landes Niedersachsen. In den Bruttokosten von derzeit 6,268 Millionen Euro sind übrigens die Kosten für den Erwerb der ehemaligen Berufsschule nicht enthalten. Sie beliefen sich nach Informationen unserer Zeitung auf knapp über eine Million Euro.

Wie Stadtkämmerer Wilharm sagte, müsse mit den insgesamt 155 neu geschaffenen Plätzen der derzeit absehbare Bedarf „hoffentlich gedeckt sein. Man wisse aber – im Gegensatz zu den bereits geborenen Kindergartenkindern – nie, was im Krippenbereich noch an Neugeborenen hinzukomme und wie die Entscheidungen der Eltern fallen, ihr Kind in eine Krippe zu schicken.

Wilharm trat auch Kritik Einzelner entgegen, die geäußert hatten, dass der Neubau von zwei Einrichtungen statt des Erwerbs und Umbaus einer Alt-Immobilie für die Stadt günstiger gewesen wäre. „Da wären wir sicherlich bei sieben Millionen Euro gelandet – ohne den Erwerb einer zweiten Grundfläche.“ Der Kämmerer: „Wir haben alles richtig gemacht.“

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