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Schaumburgern Anschlüsse gesperrt

Und dann ist der Strom weg

LANDKREIS. Mehr als 331 000 Menschen ist im vergangenen Jahr in Deutschland der Strom abgestellt worden. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur soll es im Jahr 2015 6,3 Millionen sogenannter Sperrandrohungen gegeben haben – diese ergeht, sobald ein Kunde Forderungen von 100 Euro nicht beglichen hat.

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Autor:

Mira Colic
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LANDKREIS. Im Landkreis Schaumburg saßen 2016 Hunderte Menschen im Dunkeln oder in einer kalten Wohnung, weil ihnen der Strom abgestellt worden ist.
Genaue Zahlen gibt es aufgrund der verschiedenen Stromanbieter und deren unterschiedlicher Handhabung ihrer Kundendaten nicht. 2015 haben die Stadtwerke Schaumburg-Lippe als Netzbetreiber 26 Stromanschlüsse in Obernkirchen (3800 Stromkunden) gesperrt. Im Folgejahr waren es nur zwölf. „Die Reduzierung der Anzahl liegt aber nicht an einer womöglich besseren Zahlungsmoral unserer Kunden, sondern an dem Umstand, dass sich der Prozess der Sperrbeauftragung an den neuen Netzbetreiber (Westfalen Weser Netz, d. Red.) erst etablieren musste“, erklärt Andreas Becker.

Grundsätzlich dürfen Stromanbieter ihren Kunden, so hat es der Gesetzgeber festgelegt, ab einer Summe von 100 Euro mit der Sperrung drohen. Der durchschnittliche Forderungsbetrag lag laut Becker 2015 bei rund 500 Euro und im Folgejahr bei etwa 900 Euro. Wie lange die Tilgung der Schulden dauert, sei absolut unterschiedlich. „Es gab 2015 sechs Fälle, in denen nach zwei Tagen der Rückstand ausgeglichen war und die Anlage wieder in Betrieb genommen wurde, aber auch zwei Fälle, die heute noch außer Betrieb sind. Dazwischen gibt es alle Varianten.“

Nach Aussage von Becker würden Forderungsbeträge unter 300 Euro lediglich monatlich gemahnt und es werde keine Sperrankündigung erstellt. Bei höheren Minusgraden im Winter erfolge in der Regel keine Sperrung.

Jobcenter muss jeden

Fall einzeln prüfen

Auch bei Eon gibt es nach eigenen Aussagen im Dezember und Januar keine Sperrungen. Genaue Zahlen will der Konzern jedoch nicht nennen. Allerdings weist Unternehmenssprecher Maximilian Heiler darauf hin, dass Eon im März 2016 bundesweit ein Zahlhilfe-Programm initiiert hat, das in Kooperation mit den Jobcentern und Wohlfahrtsverbänden läuft. Privatkunden mit großen Geldsorgen können damit in kleinen Schritten ihre Energieschulden begleichen – und damit Sperrungen vermeiden.

Auch Sylvia Brassat, Bereichsleiterin im hiesigen Jobcenter, kennt die Problematik, gebe es doch immer wieder Kunden, die Schulden bei ihren Stromanbietern haben: „Wir müssen jedes Mal eine Einzelfallbewertung vornehmen, also schauen, ob die Raten nicht bezahlt wurden oder die Schulden aufgrund einer Nachzahlung zustande gekommen sind.“ Grundsätzlich würden Stromschulden jedoch nur als Darlehen gewährt, „denn Strom ist von der Regelleistung zu bezahlen“.

In Extremfällen könnten Kunden auch eine Abtretungserklärung unterzeichnen, sodass die Zahlungen direkt an den Stromanbieter überwiesen werden. „Grundsätzlich wollen wir den Menschen die Verantwortung nicht abnehmen, aber in einigen Situationen, in denen auch kleine Kinder betroffen sind, müssen wir uns schon einschalten“, so Brassat. Sie kenne auch Fälle, in denen die Stromanbieter sogenannte Cash-Zähler einbauten, in die Münzen eingeworfen werden müssen.

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