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Mann soll sich in Rintelner Heim jahrelang an Jungen vergangen haben

UPDATE: Sexueller Missbrauch in Rintelner Heim?

Rinteln/Bückeburg. Schwere Vorwürfe gegen einen früheren Erzieher des Jugendhofs Hirschkuppe: Über Jahre soll der Mann, der heute im Kreis Detmold lebt, ihm anvertraute Jungen sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft geht von vier Opfern aus. Ab Mittwoch, 14. Februar, muss sich der heute 46-Jährige vor dem Landgericht in Bückeburg verantworten. Zur Last gelegt werden ihm 15 Fälle.

veröffentlicht am 30.01.2018 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 30.01.2018 um 18:50 Uhr

Symbolfoto: dpa

Autor:

Stefan Lyrath

Zum Teil soll der Erzieher die Kinder und Jugendlichen gezwungen haben, ihn oral zu befriedigen, wie es in einer Pressemitteilung des Landgerichtes heißt. Zu den Übergriffen soll es entweder in der Einrichtung selbst, auf Freizeiten oder im Auto des Mannes gekommen sein. Als Tatzeitraum nennt die Bückeburger Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift Mai 1999 bis November 2009. Die Jungen waren damals zwischen zwölf und 14 Jahren alt. „Mein Mandant bestreitet die Vorwürfe komplett“, erklärt Verteidiger Ralf Jordan. „Das Ziel der Verteidigung ist ein Freispruch.“

Der Prozess kann sich lange hinziehen. Richter Norbert Kütemeyer, Vorsitzender der 1. Großen Jugendkammer, hat zunächst elf Sitzungstage anberaumt, an denen 24 Zeugen vernommen werden sollen. Zum Schutz der mutmaßlichen Opfer dürfte das Gericht über weite Strecken unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandeln. Nach dem bisherigen Zeitplan soll das Urteil am 23. März verkündet werden. Beweisanträge, die erst während der Hauptverhandlung gestellt werden, könnten diesen Zeitplan ins Wanken bringen.

Im Fall eines Schuldspruchs drohen dem Angeklagten mehrere Jahre Haft. „Für den am schwersten wiegenden Vorwurf sieht das Gesetz einen Strafrahmen von mindestens zwei bis 15 Jahren vor“, so Dr. Thorsten Garbe, Sprecher des Landgerichts, auf Anfrage. „Die Verhängung einer Sicherungsverwahrung wäre im Bereich des Möglichen.“

Ende 2010 hatte dasselbe Gericht einen Rintelner Feuerwehrmann und Jugendbetreuer, der als „Pornomann“ bekannt geworden war, wegen sexuellen Missbrauchs von fünf Jungen in zusammen 13 Fällen zu elf Jahren Haft verurteilt. Außerdem war in dem Fall Sicherungsverwahrung angeordnet worden.

Der Erzieher, gegen den jetzt verhandelt wird, ist zurzeit noch auf freiem Fuß. Beruflich hat der 46-Jährige heute keinen Kontakt mehr zu Jugendlichen. Vorausgegangen, so Sprecher Garbe, seien der Anklage „beharrliche polizeiliche Ermittlungen“. Eine erste Anzeige gab es demnach bereits im Herbst 2012. Die darin enthaltenen Vorwürfe waren indes schon verjährt. Allerdings war die Anzeige der Ausgangspunkt für weitere Ermittlungen der Polizei, die schließlich zu der jetzt erhobenen Anklage führten.

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