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Mitgliedermangel in Rintelner Gewerkschaft

Verdi Rinteln wird aufgelöst

RINTELN. Die Jahresversammlung des Rintelner Verdi-Ortsvereins findet nur noch alle zwei Jahre statt, und von Mal zu Mal werden die Treffen kleiner. Die Konsequenz nun daraus: Der Ortsverein soll zum Ende der Wahlperiode aufgelöst werden.

veröffentlicht am 29.10.2017 um 14:10 Uhr
aktualisiert am 29.10.2017 um 16:00 Uhr

Zum letzten Mal in dieser Form: Hans-Jürgen Niemeier, Vorsitzender der Verdi-Senioren (r.), mit den Jubilaren der Mitgliedsjahre 50 und aufwärts. Heinrich Menneking und Günter Steding (v. r. neben Niemeier) sind sogar schon seit 60 und 65 Jahren Gewe
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Autor

Werner Hoppe Reporter
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.RINTELN.Dieses Jahr noch mal eine Ehrungsfeier für langjährige Mitglieder, „aber wie es weitergeht, ist offen“. Ein deutlicher Hauch von Wehmut wehte mit, als Hans-Jürgen Niemeier am Freitagabend die alle zwei Jahre stattfindende Versammlung des Ortsvereins Rinteln der Gewerkschaft Verdi mit Ehrung langjähriger Mitglieder eröffnete. Denn nach Stationen im Saal des Waldgasthauses Homberg in Strücken und im Vereinsheim der Vereinigten Turnerschaft Rinteln hatten sich die Verdianer vor dem Hintergrund rückläufiger Teilnehmerzahlen erneut nach einem kleineren Versammlungsraum umschauen müssen. Diesen hatten sie beim Tennisverein Rot-Weiß Rinteln an der Waldkater gefunden.

Unter dem Motto „Klein, aber fein“ erlebte die Gewerkschafter-Familie eine Versammlung „fast so wie früher“. Aber doch nur „fast“, ließ Niemeier anklingen in seiner Begrüßung, und vorab mit einer traurigen Nachricht. Abgesehen davon, dass nicht ein starker Ortsverein die Versammlung ausrichtete, sondern die Verdi-Senioren um ihren Vorsitzenden Niemeier, kündigte dieser an, was viele schon geahnt haben mochten: Der Ortsverein Rinteln werde „am Ende dieser Wahlperiode aufgelöst“, denn leider werde sich kein neuer Vorstand mehr finden lassen. Darum sei es vorgesehen, die Rintelner Mitglieder künftig von Stadthagen aus oder auf Kreisebene zu betreuen.

Trotz des allgemeinen Rückganges hat Verdi mithilfe der engagierten Rintelner Gewerkschafter-Senioren in den vergangenen zwei Jahren seit der letzten Jubilarfeier „erfolgreiche Veranstaltungen“ auf die Beine gestellt, verwies Niemeier auf die Haben-Seite. So hätten die Aktionen in der Innenstadt wie unter anderem die Aufklärungs-Veranstaltung zum Handelsabkommen TTIP das Interesse der Bürgerinnen und Bürger gefunden.

Und es gibt nach wie vor reichlich Ansatzpunkte für die Gewerkschaften, den Hebel anzusetzen im Bemühen um die Verbesserung der Rechte und Lebensumstände der Arbeitnehmer, drückte Bürgermeister Thomas Priemer in seinem Grußwort aus. Selber als Bürgermeister verantwortlich für die Stadt „als drittgrößter Arbeitgeber in Rinteln“, mahnte er: „Mitbestimmung, Betriebsverfassung, sind wichtige Bestandteile des sozialen Lebens geworden.“ In diesem Zusammenhang sei es „wichtig, für Vollzeitbeschäftigung zu kämpfen.“ Zeitarbeit und Minijobs dürften nur Mittel zur Überbrückung sein.

Und so wie früher ist auch heute noch Streik ein Mittel, die Interessen der Arbeitnehmer durchzusetzen, hatte Niemeier zuvor sozusagen die Steilvorlage gegeben für den folgenden erschöpfenden Streifzug der stellvertretenden Vorsitzenden des Verdi-Bezirkes Hannover, Jeannine Geißler. Sie setzte politische, sportliche und andere Ereignisse der Zeitgeschichte in Verbindung mit bedeutenden Daten der Gewerkschaftsgeschichte. Davon nur ein Beispiel: 1976 verabschiedete der Bundestag ein Reformgesetz zum Paragrafen 218, der Straffreiheit bei Schwangerschaftsabbruch beziehungsweise Abtreibung bis in den ersten drei Monaten nach Empfängnis bei ethischer, medizinischer oder sozialer Notlage der Frau gewährt. Im selben Jahr hat der Bundestag auch das Gesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer für Unternehmen mit mehr als 2000 Beschäftigten beschlossen.

Zum Schluss ihre Forderung nach gerechter Verteilung des Reichtums, „was Verdi seit Jahren einfordert. Damit würden wir den Rechtsextremen und Rechtspopulisten ihre Existenzgrundlage entziehen“. Denn ohne Veränderung der politischen Verhältnisse werde es schwer sein, gute Tarifverträge mit guten Löhnen durchzusetzen.

Ob Geißler im Rückblick auf die (Verdi-)Geschichte mit ihren Ausführungen richtig liegt, dürfte vor allem Günter Steding am ehesten nachvollziehen können. Denn mit 65 Mitgliedsjahren war Steding, der zuerst als Mitarbeiter eines Handwerksbetriebes in die ehemalige Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) eingetreten war, der dienstälteste Jubilar des Abends.

Darüber hinaus wurden ausgezeichnet mit Urkunde, Ehrennadel und Präsent: Rudolf Lawrenz und Heinrich Menneking (für je 60 Jahre Mitgliedschaft); Alfred Pawelczyck, Dieter Remmert, Horst Schiemann, Heinrich Beilke, Klaus Krenz, Karl Lange und Lothar Schwarze (je 50 Jahre); Ottfried Bokeloh, Gertrud Dragakakis, Beate Hüneke, Markus Linke und Friedel Söffker (je 40 Jahre). Als Silberjubilare durften sich applaudieren lassen: Friedhelm Büthe, Gerlinde Nickel, Waltraud Aldag, Michael Broermann, Alexander Kaps, Doris Korff und Peter Scholz.

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