weather-image
Vor Gericht: Bewährung für Bückeburger

Vergewaltiger mit fast drei Promille

BÜCKEBURG. Am Silvesterabend hat ein Bückeburger (52) seine Ex-Freundin vergewaltigt. Verhängt hat das Amtsgericht Bückeburg nun eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, zehn Monaten und zwei Wochen, die Vollstreckung aber zur Bewährung ausgesetzt.

veröffentlicht am 17.08.2017 um 13:55 Uhr
aktualisiert am 17.08.2017 um 17:20 Uhr

270_0900_57983_bJustitiaf1_1203.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Das Paar war zwölf Jahre zusammen gewesen. Über die Hintergründe der Tat ist wenig bekannt. In einem Prozess, der sich außerdem um einen Fall von Trunkenheit im Straßenverkehr drehte, verhandelte das Bückeburger Schöffengericht über weite Strecken unter Ausschluss der Öffentlichkeit, weil intime Details der Beziehung zur Sprache kamen.

Außerdem muss der Bückeburger seiner Ex 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Weitere 5000 Euro gehen an eine gemeinnützige Einrichtung. Vor dem Urteil hatte sich der 52-Jährige beim Opfer entschuldigt. Die Frau nahm die Entschuldigung an. Für Richter Dr. Dirk von Behren klangen die Worte des Mannes aufrichtig. „Wir haben hier auch schon taktische Entschuldigungen gehört“, erinnerte er. Zugunsten des bislang unbescholtenen Bückeburgers wirkte sich zudem dessen volles Geständnis aus. „Dadurch hat mein Mandant der Geschädigten erspart, im Detail aussagen zu müssen“, erklärte Verteidiger Alexander Ulbrich.

Normalerweise wäre der Angeklagte für beide Taten zusammen ins Gefängnis gekommen, weil allein auf die Vergewaltigung zwei Jahre Haft stehen. Freiheitsstrafen von mehr als zwei Jahren dürfen nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden. In diesem Fall verschob sich der Strafrahmen jedoch nach unten, weil das Gericht von verminderter Schuldfähigkeit ausgeht. Grund: Zur Tatzeit hatte der Bückeburger etwa 2,9 Promille Alkohol im Blut.

Es sollte ein harmonischer Abend werden. Das frühere Paar hatte beschlossen, 2016 gemeinsam Silvester zu feiern. Als die Frau gegen 19 Uhr die Wohnung ihres Ex betrat, war dieser jedoch bereits stark angetrunken. Sie wollte wieder gehen, worauf der 52-Jährige gewalttätig wurde, die Frau schubste, festhielt und mit einem Finger kurz in das Opfer eindrang. Juristisch gilt auch dies als Vergewaltigung.

„Der Angeklagte hatte Alkohol getrunken, wurde damals auf der Arbeit gemobbt und war allein. Silvester ist immer eine schwierige Zeit“, zeigte Richter von Behren Verständnis für die „psychische Ausnahmesituation“ des Mannes – aber nur bis zu einer bestimmten Grenze. An der Tat selbst gibt es nichts zu beschönigen. „Der Angeklagte ist ein großer, starker Kerl, die Frau klein und zierlich“, stellte von Behren fest. „Sie hatte keine Chance, sich zu wehren.“ Zeitweise saß der Mann sogar auf ihr.

Staatsanwalt André Lüth geht davon aus, dass die Vergewaltigung „ein einmaliger Ausrutscher“ war. „Da muss sich in den letzten Jahren etwas aufgestaut haben“, vermutet er in seinem Plädoyer. „Wahrscheinlich ist es dann unter dem Einfluss des Alkohols zu einer Kurzschlussreaktion gekommen.“

Später setzte sich der Bückeburger noch betrunken hinters Steuer und wurde erwischt. „Sie sind Gewohnheitstrinker, sonst könnten Sie bei diesen Promillezahlen nicht mehr gerade stehen“, machte Lüth dem Angeklagten klar. Richter von Behren meinte: „Sie haben da ein ziemliches Problem, an dem Sie arbeiten sollten.“ ly

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare