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Lokaler Musikveranstalter

„Viele können gar nicht glauben, dass wir Stars nach Rinteln holen!“

KRANKENHAGEN. Wie lebt es sich als lokaler Musikveranstalter? Wenn man neben großen Profis überleben muss - und gleichzeitig die Stars in die Kleinstadt holen möchte? „Carambolage Music Hall“ über Karriere in der Kleinstadt, Open-Air-Partys und Pläne für den Brückentorsaal.

veröffentlicht am 18.01.2018 um 18:28 Uhr

Das Team hinter Musikveranstalter „Carambolage Music Hall“: Thorsten und Anja Riesenberg sowie Azubi Niklas Grönke (M.). Foto: pr
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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KRANKENHAGEN. Als lokaler Musikveranstalter hat man es manchmal gar nicht so leicht. Wenn man schon musikalische Größen wie „Manfred Mann‘s Earth Band“ ins kleine Rinteln holt, dann könnten viele Menschen das überhaupt nicht glauben, erzählt Anja Riesenberg von „Carambolage Music Hall“ mit Sitz in Krankenhagen. Stattdessen hielte der eine oder andere die Ankündigungsposter für Werbung für Coverbands. „Da müssen wir manchmal etwas Überzeugungsarbeit leisten“, so Riesenberg schmunzelnd.

Ansonsten ist es immer ein großes Abwägen für einen lokalen Veranstalter, welche Events sich lohnen, was man macht und was nicht. Welcher Künstler zieht genügend Menschen an, damit der Veranstalter die Kosten wieder herausholt und im Idealfall Plus in der Kasse macht?

„Wir sind hier auf dem Lande, da musst du erst einmal tausend Leute zusammenkriegen!“, sagt Thorsten Riesenberg, der Kopf hinter Carambolage Music Hall.

Er habe daher beispielsweise „größten Respekt“ vor denjenigen, die Open-Air-Veranstaltungen organisierten – denn man weiß einfach nicht, wie das Wetter wird, und ob man nicht hinterher auf den Ausgaben sitzen bleibt.

Außerdem liege Rinteln genau zwischen Hannover und Bielefeld – viele Großveranstaltungen würden dort stattfinden. Eine Kleinstadt dazwischen muss sich schon etwas ausdenken. Außerdem gibt es sogenannten Gebietsschutz: Ein Künstler darf innerhalb eines gewissen Umkreises nicht zweimal hintereinander auftreten, damit sich die Veranstaltungen nicht gegenseitig Konkurrenz machen.

Carambolage Music Hall gibt es seit bald 30 Jahren, im Jahr 2014 feierte Riesenberg 25-jähriges Jubiläum seiner Firma. Früher vor allem als Veranstaltungstechniker tätig, organisieren die Riesenbergs heutzutage selber Veranstaltungen. Gerade lokale Veranstalter müssen sich verändern, mit der Zeit gehen.

„Die kleinen Zeltfeste gibt es kaum mehr“, erzählt Anja Riesenberg. Live-Veranstaltungen seien nun das neue Standbein. Die Veränderungen bringen auch Überraschungen mit sich: „In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal im Altenheim aufgelegt, das hätte ich nie gedacht“, erzählt Thorsten Riesenberg lachend. Aber es sei die Generation, die mit Beatmusik aufgewachsen sei und dementsprechend musikalische Ansprüche habe.

Zu Beginn hatte Riesenberg sein Geschäft in der Innenstadt neben Fleischerei Lehmeyer. Als die Einnahmen aus dem Stammgeschäft plötzlich wegbrachen, folgte der Umzug nach Krankenhagen – und die Ausweitung auf andere Standbeine. „Hätte ich das nicht gemacht, würde es uns heute wahrscheinlich nicht mehr geben“, erzählt Thorsten Riesenberg.

Auch in Rinteln gibt es Veränderungen. Die Pläne rund um den Brückentorkomplex betrachten die Riesenbergs mit etwas Sorge. Sie hoffen, dass in Rinteln weiterhin ein großer Veranstaltungssaal zur Verfügung stehen wird. Bislang können sie Veranstaltungen bis Januar 2019 durchplanen – ab dann gibt es (vorerst) keine Planungen für den Saal. Denn dann könnten die Umbauarbeiten am Brückentorkomplex bereits im vollen Gang sein.

Riesenbergs wissen bereits, was sie sich für einen neuen Saal wünschen würden: ein paar Sitzplätze mehr. Aktuell habe der Saal 500 Sitzplätze. „So 200 mehr würden ihm guttun“, sagt Thorsten Riesenberg. Denn für viele Künstler seien 500 Sitzplätze genau zu wenig, um zu kommen.

Aktuell bietet Carambolage zwei Großveranstaltungen jährlich im Brückentorsaal an, ein Großkonzert sowie die Mallorca-Party. „Gern würden wir noch etwas Kulturelles dazunehmen“, so Riesenberg. Die Planungen hierfür laufen. Natürlich – konstant auf der Suche nach etwas Neuem.

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