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Vom Leben auf der Baustelle: Geschäftsleute an der Obertorstraße beklagen Umsatzeinbußen

„Viele Kunden denken, wir hätten geschlossen“

Bückeburg (jp). Ein wenig trostlos wirkte sie mit ihren nicht gerade wenigen leer stehenden Ladenlokalen ja schon länger. Aber mit dem Beginn der umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten Anfang Juni ist in die Obertorstraße zwischen der Kreuzung Scheier Straße und Unterwallweg endgültig (Baustellen-)Tristesse eingezogen. Viele Gebäude sind selbst fußläufig kaum – und wenn überhaupt nur über Schotterpisten und Sandberge – zu erreichen. Allzu viele aktive Läden und Betriebe waren es schon vor Beginn der Baumaßnahmen nicht. Inzwischen harrt nur noch eine Handvoll Geschäfte zwischen Kies, Schotter, Baggern und Planierraupen aus.

veröffentlicht am 28.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 20:21 Uhr

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Ein Döner-Imbiss auf der nördlichen Seite der Obertorstraße hat bis zum Ende der Baumaßnahmen geschlossen. Ein anderes Imbissgeschäft auf der gleichen Straßenseite scheint für immer die Segel gestrichen zu haben: „Zu Vermieten“ steht auf einem A4-formatigen Computerausdruck im Schaufenster, versehen mit dem Hinweis, Ideen seien gefragt und „Startkapital erforderlich!“ Und im ehemaligen Restaurant „Ferrari“ auf der Ecke Obertorstraße/Unterwallweg wurde schon sehr lange keine Pizza mehr serviert.

Wie verkraften die wenigen verbliebenen Geschäftsleute den Beeinträchtigungen durch die Großbaustelle? Auf rund 20 bis 30 Prozent schätzt Sabine Hupe, Inhaberin des Schreibwaren- und Bürobedarfsfachhandels „Paper Maxx“, die Umsatzeinbrüche in ihrem Geschäft. „Viele Kunden kommen gar nicht mehr. Und die, die es bis zu uns schaffen, sind in der Regel über die Situation enorm ungehalten.“ Inzwischen habe sich die Situation durch die Fertigstellung des Bürgersteigs auf ihrer Straßenseite etwas gebessert. „Zu Beginn war es ganz schlimm.“

Aber gibt es zu den Auswirkungen der Großbaustelle überhaupt eine Alternative? Sabine Hupe hätte sich gewünscht, die beiden Bürgersteige nacheinander zu ersetzen, um Fußgänger nicht phasenweise völlig von der Obertorstraße zu verbannen. Als stark verbesserungswürdig erachtet die Paper-Maxx-Geschäftsführerin aber vor allem die Beschilderungen und die öffentlichen Hinweise auf die Verkehrseinschränkungen: „Die sind völlig unzureichend und gerade für Auswärtige, die sich nicht so gut in Bückeburg auskennen, total verwirrend.“

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  • Helga Vogt vor ihrem Friseursalon.

Friseursalon-Inhaberin Helga Vogt versucht es, so positiv wie möglich zu formulieren: „Wir möchten uns bei allen Kunden bedanken, die uns trotz der Einschränkungen die Treue gehalten haben.“ Und das ist gerade für viele ältere Stammkunden der Friseurin alles andere als einfach. „Viele sind auf den Rollator oder das E-Mobil angewiesen und kommen derzeit zu uns nicht durch“, bedauert Helga Vogt. Daher sei es umso bemerkenswerter, wenn einige besonders langjährige und treue Kunden wie beispielsweise der gerade 100 Jahre alt gewordene Hans Schwiering sich dennoch zwischen Kies, Sand, Schotter und Bagger zum Friseursalon Vogt durchkämpfen. „Das sollte man wirklich mal anerkennen.“

Die Friseursalon-Inhaberin möchte das auch als Lebenszeichen aus dem Baustellenchaos verstanden wissen. „Viele Kunden denken nämlich, wir hätten während der Umbaumaßnahme geschlossen. Das ist aber ausdrücklich nicht so.“ Um nicht missverstanden zu werden: „Wir sind nicht gegen die Baumaßnahme als solches, sondern im Gegenteil sehr froh, dass die Straße gemacht wird.“ Bedauerlich sei allein die Reduzierung der zur Verfügung stehenden Parkplätze nach Abschluss der Sanierung.

Parkplatzprobleme sieht Heike Böger-Abresch für ihr Fitness-Studio dank eines vom Unterwallweg aus erreichbaren Parkplatzes auf der rückwärtigen Seite ihres Gebäudes nicht: „Wir haben deshalb glücklicherweise unter der Baustelle nur sehr wenig zu leiden.“ Die massiven Klagen über die Baumaßnahmen, die derzeit weniger aus den Reihen der verbliebenen Geschäftsleute, sondern vor allem von privaten Anwohnern der Obertorstraße zu vernehmen seien, kann die ehemalige FDP-Ratsfrau ohnehin nicht nachvollziehen: „Dass die Straße saniert werden würde, ist seit Jahren bekannt. Und als die Pläne öffentlich ausgelegt wurden, hatte jeder die Möglichkeit, sich darüber zu informieren und sich um seine Interessen zu kümmern.“ Diese Möglichkeit habe jedoch kaum ein Anlieger wahrgenommen. Stattdessen werde jetzt beklagt, dass sich die Zahl der Parkplätze reduziere und dass in Zukunft Laub auf den Bürgersteigen durch die neuen Bäume zu erwarten sei.

In direkter Nachbarschaft der Obertorstraße verspürt man die Großbaustelle derzeit offenkundig noch nicht allzu stark. „Wir merken hier kaum etwas“, so Udo Niemann, Geschäftsführer des Augen-Optikers „Die Brille“. Apotheker Klaus Bellwinkel von der gegenüber liegenden Herder-Apotheke ist etwas vorsichtiger: Derzeit sei es aufgrund der Sommerferien und der urlaubsbedingten Schließung vieler Arztpraxen ohnehin etwas ruhiger. Nach dem Ende der Urlaubssaison rechnet jedoch auch er mit Auswirkungen der Baustelle auf seine Apotheke.

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