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Immer weniger Bürger beteiligen sich

Volkstrauertag: Interessiert das noch jemanden?

RINTELN. Zum Volkstrauertag will der Begriff „Feiertag“ nicht recht passen. Es wird der Opfer von Krieg, Gewalt, Terror und Naturkatastrophen gedacht, ebenso wie der Verluste in der eigenen Familie. Aber: Warum kommen dann immer weniger Bürger zu den Gedenkfeiern? Einen Spurensuche zum Volkstrauertag am 19. November.

veröffentlicht am 13.11.2017 um 17:39 Uhr
aktualisiert am 14.11.2017 um 15:18 Uhr

Die zentrale Gedenkfeier findet jedes Jahr in gleicher Weise an der Paschenburg statt. Nur wenige Bürger kommen dazu. Foto: Archiv
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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RINTELN. Nebelschwaden hängen in den Bäumen, die ihre Blätter bereits spätherbstlich verloren haben, früh wird es dunkel: Das ist meist die Atmosphäre zum Volkstrauertag, der am kommenden Sonntag, 19. November, stattfindet. Begangen wird er an mehreren Stellen in Rinteln sowie in den Ortsteilen. Zentral im Landkreis feiert der hiesige Kreisverband des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge an der Paschenburg.

Doch immer wieder liest und hört man, dass das Interesse der Bevölkerung an diesem Tag stetig abnimmt. Jenseits der offiziellen Vertreter – also Politiker, Polizei, Feuerwehr, Vereine – kommen weniger Menschen.

Das kann für Rinteln auch Franz Josef Stöckl bestätigen, 1. Vorsitzender der Vereinigten Chöre, die jedes Jahr bei der zentralen Gedenkfeier singen. „Die Beteiligung ist über die Jahre zurückgegangen“, bestätigt Stöckl auf Nachfrage. Zum einen durch die Vereine; viele von ihnen seien „entweder nur durch den Vorsitzenden oder gar nicht vertreten“, so Stöckl. Wer hingegen regelmäßig teilnimmt, sind Feuerwehren, Schützenvereine, das THW, Chöre und das Jugendblasorchester oder die Kreisjugendmusikschule.

Doch nicht nur die Vereine, auch das Interesse der Bürger „hat nachgelassen“, so Stöckl. Nur wenige von ihnen verirren sich heutzutage noch zur Gedenkveranstaltung an der Paschenburg.

Das bestätigt auch Dieter Horn, Ortsbürgermeister von Ahe-Engern-Kohlenstädt: Regelmäßig besuche er an diesem Tag die Kirche in Steinbergen sowie anschließend das Ehrenmal. Doch die Beteiligung der Bevölkerung sei „mau“. „Wären die Vereine nicht da, wäre es ganz schön traurig“, sagt Horn. Auch jetzt sei die Kirche nicht voll besetzt. Für viele Menschen sei Krieg vielleicht nicht mehr so nah, so Horn.

Franz Josef Stöckl vermutet einen anderen Grund: die Information. „Vielleicht wissen viele nicht, wann die einzelnen Feiern überhaupt stattfinden?“ Seien diese schlichtweg zu wenig bekannt?

Tatsächlich gibt es allein auf Rintelner Gebiet viele verschiedene Möglichkeiten, den Tag zu begehen. Eine Gedenkveranstaltung gibt es zum Beispiel am Ehrenmal an der Weserpromenade. Im Blumenwall wird ein Kranz am Stürmenden Jäger niedergelegt, so wie an jedem Kriegsdenkmal in den Ortsteilen. Die Orte sind so zahlreich, dass die Stadt keine systematische Liste führt. Die Niederlegungen und Feierlichkeiten organisieren die Ortschaften unter sich. Wie jedes Jahr hat die Stadt Rinteln auch jetzt wieder eine Pressemitteilung veröffentlicht, durch die sie die Bürger zur Teilnahme am Volkstrauertag ermuntern möchte. Als „Aufruf“ ist die Pressemitteilung überschrieben.

Damit dürfte der Volkstrauertag wohl der einzige Feiertag sein, zu dem Bürger aufgerufen werden müssen.

Doch anscheinend ist dieses Aufmerksammachen nötig. Eine der häufigsten Kombination, die beim Suchen des Tages über Online-Suchmaschinen auftauchen, ist „Volkstrauertag Bedeutung“ oder „Volkstrauertag Tanzverbot“.

Dass der Tag nichts mit der Heimeligkeit von Weihnachten oder der Frühlingsstimmung von Ostern gemein hat, liegt auf der Hand. Zum einen gilt der Volkstrauertag nicht als gesetzlicher, sondern als sogenannter „stiller Tag“. Zum anderen ist da die meist trübe Novemberstimmung. Und ganz offensichtlich ist natürlich die Thematik, die zum Wort „Feiertag“ nicht passen will. Gedacht wird der Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft, Flucht, Folter, der Toten von Terroranschlägen und Naturkatastrophen, genauso wie der Toten, die man in der eigenen Familie oder im Bekanntenkreis zu beklagen hat.

Doch allein durch zahlreiche Nachrichten über Terror und Naturkatastrophen ist der Volkstrauertag eigentlich – leider – so aktuell wie lange nicht. Auch bei der jüngeren Bevölkerung sollte er nicht in Vergessenheit geraten: „Gerade junge Leute sind im Krieg umgekommen“, sagt Dieter Horn. Das könne man an den Denkmälern deutlich ablesen. Er wünsche sich, dass dieser Tag wieder mehr Zuspruch aus der Bevölkerung erfahre.

WO WIRD IN RINTELN DER VOLKSTRAUERTAG BEGANGEN?

Diezentrale Gedenkfeier findet auf dem Ehrenfriedhof an der Paschenburg von 15 bis 16.30 Uhr statt. Organisator ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Die Dorfgemeinschaft Strücken beginnt ihre Gedenkfeier am Ehrenmal um 12 Uhr.

In Todenmann beginnt die Feier auf dem Friedhof um 11.30 Uhr. Danach legen die Todenmanner Vereine einen Kranz am Ehrenmal nieder.

Der Gottesdienst in der Kirche in Steinbergen beginnt um 10 Uhr und steht unter der Überschrift des Psalmverses „Dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen“. Im Anschluss beginnt die Gedenkfeier am Mahn- und Ehrenmal auf dem Friedhof.

Die Gedenkfeier in Exten beginnt um 11 Uhr am Ehrenmal an der Kirche. Sie wird untermalt durch den Posaunenchor Exten, begleitet von Fackelträgern der Freiwilligen Feuerwehr Exten.

Die Erlöserkirche Krankenhagen feiert um 10 Uhr einen Gottesdienst in der Friedhofskapelle, den Pfarrverwalter i.A. Roggenkamp hält. Es wirken der Ortsrat und der Gesangverein mit.

Der Gottesdienst in Möllenbeck beginnt in der Friedhofskapelle um 9.30 Uhr.

In Bösingfeld beginnt die Gedenkfeier um 10.55 Uhr auf dem Rathausplatz. Von dort aus erfolgt der gemeinsame Abmarsch zum Ehrenmal.

Für die Ortsteile Kükenbruch, Laßbruch und Silixen findet ein zentraler Gottesdienst in der Friedhofskapelle in Laßbruch statt, anschließend, etwa um 11.15 Uhr, werden Kränze am Ehrenmal auf den Friedhöfen Kükenbruch, Laßbruch und Silixen niedergelegt.

In Eisbergen beginnt um 10 Uhr der Gottesdienst in der evangelischen Kirche. Anschließend erfolgt die Kranzniederlegung am Ehrenmal auf dem Kriegsgräberfriedhof unter Mitwirkung des Posaunenchores, der Schützenvereine und der Feuerwehr. red

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