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SZ/LZ-Sommerabenteuer macht Station bei der Neschen AG – Unternehmen mit 100 Millionen Euro Umsatz

Vom fürstlichen Laboratorium zum Millionen-Konzern

Bückeburg (bus). Jede Menge Einblicke in Theorie und Praxis eines Bückeburger Unternehmens, in dem etwa 450 Mitarbeiter auf circa 30 000 Quadratmeter Produktionsfläche rund 100 Millionen Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaften, hat 20 Lesern der Schaumburger Zeitung und der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung gestern ein Besuch der Firma Neschen beschert. Die Teilnehmer des SZ/LZ-Sommerabenteuers erhielten von Marketing- und Kommunikationsleiter Frank Seemann einen umfangreichen Überblick über zahlreiche Details aus Vergangenheit und Gegenwart des Folienspezialisten. Die Informationspalette reichte von der anno 1889 durch Georg König als „Fabrik pharmaceutischer Kautschuk- und Guttapercha-Präparate – Laboratorium der fürstlichen Hofapotheke“ vollzogenen Gründung bis zum Großraumcontainer, in dem heute die Produkte der AG in alle Welt transportiert werden.

veröffentlicht am 23.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 21:21 Uhr

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Die „Fabrik“ produzierte anfangs überwiegend medizinische Artikel, vor allen Dingen selbstklebendes Heftpflaster. 1904 standen 25 Mitarbeiter in Lohn und Brot. 1935 wurde das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt und die Produktion auf ein Kautschuk-Klebeband ausgeweitet. 1946 trat der spätere Namensgeber Hans Neschen in die Firma ein. In den Folgejahren machte die „Bückeburger Buchhaut“ – insbesondere in Bibliotheken und Leihbüchereien – von sich reden.

Mit der Herstellung von Pflastern hatte es 1957 endgültig ein Ende. In den 1960er Jahren entstanden die ersten Auslandsvertretungen in Paris, Wien und Tokio. Ab 1972 begann Neschen mit der Auslieferung von Kaschiermaschinen und führte die Kaltkaschierung im Foto- und Druckbereich ein. 1997 erfolgte die Umwandlung der Hans Neschen GmbH & Co. KG in die Neschen AG, der Börsengang ging zwei Jahre darauf über die Bühne. Ihre größte Expansion erfuhr die Aktiengesellschaft kurz nach der Jahrtausendwende mit der Eröffnung der Produktionsstandorte Elkridge und Sun Prairie in den USA und der Übernahme der Marke „Seal“.

Heute vertreibt die international ausgerichtete Firma Produkte in den Geschäftsbereichen „Graphics“, „Documents“ und „Technical Coating“. Wobei die Palette „Graphics“ (rund 80 Prozent des Umsatzes) von Schutz- und Aufziehfolien, über Display-Systeme für Messen bis zu digital bedruckbaren Medien, die für Architektur, Dekoration und Werbung Verwendung finden, reicht. „Documents“ (etwa 15 Prozent vom Umsatz) umfasst selbstklebende Folien und Papiere für den Schutz und die Reparatur von Büchern. Im „Technical Coating“-Segment (circa fünf Prozent Umsatzanteil) werden spezielle Beschichtungen für Großkunden gefertigt, etwa Oberflächenbeschichtungen im Automobilbau oder Operationsfolien, die Infektionen vorbeugen sollen. Neschen verfügt über elf auf neun Länder verteilte Gesellschaften und mehr als 200 Handelspartner.

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Seemanns praktische Informationstour führte im Anschluss an den etwa dreiviertelstündigen theoretischen Teil zunächst zum weithin bekannten „Neschen-Auge“ – den Ausführungen des Marketingexperten zufolge das größte Fotomosaik der Welt – und hernach in die von riesengroßen Maschinen dominierten Produktionshallen. Zudem öffnete Seemann den Gästen Türen zum Lager, zu der an eine Brauerei erinnernden Tankfarm, zur Abteilung „Forschung, Entwicklung und Anwendung“, zum Testlabor, zur Konfektionierungshalle, wo die anfangs bis zu zwei Meter breiten Folien auf bis zu zwei Zentimeter schmale Einheiten „umgerollt“ werden, und schließlich zur Versandabteilung.

Seemann stellte dem Besichtigungsprojekt des Sommerabenteuers ein durch und durch positives Zeugnis aus. „Wir sind, trotz vieler Altlasten, die wir aufzuarbeiten haben, sehr erfolgreich mit dem was wir tun“, sagte der Gastgeber. Ihm sei der menschliche Aspekt sehr wichtig. „Wir sind nur deshalb so gut, weil wir alle zusammenarbeiten.“ Das Miteinander sei ausgezeichnet. „Das hilft uns sehr, auch gegen wesentlich größere Mitbewerber bestehen zu können.“

Mit einem Blick auf die Neschen-Aktie – das Papier hatte seinen Wert in den zurückliegenden Tagen fast verdoppelt – sprach Seemann von einem „speziellen Thema“. Eine Orientierung ausschließlich an deren Kurs sei wenig vorteilhaft. Dass es um die AG nicht allzu schlecht bestellt ist, mag eine großzügige Geste untermauern: Zum Abschied gab es für alle Gäste eine Rolle spezieller Schutzfolie als Geschenk.

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