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Fußball: VfL Bückeburg überwintert als Tabellenfünfter in der Landesliga / Coach Heiko Thürnau sieht viel Steigerungspotenzial

Vom großen Favoriten zum kleinen Verfolger

Eiskalt vor dem Tor: Alexander Bremer (links) schoss in der Hinrunde 16 Treffer für den VfL. Foto: seb

Autor:

Jörg Bressem

Ein Oberligaabsteiger kann die Menschen nur schwer befriedigen. Wo er auch hinkommt, schlagen ihm mannshohe Erwartungen entgegen, manchmal zu hohe. Weil der VfL Bückeburg in der letzten Saison noch in niedersächsischen Metropolen wie Osnabrück, Oldenburg und Göttingen gastierte, werden ihm in Dörfern wie Wetschen, Koldingen oder Steimbke übermenschliche Kräfte zugeschrieben. „Die habe ich mir aber stärker vorgestellt“, ist dort bisweilen über den VfL Bückeburg zu vernehmen, der an diesem Urteil allerdings nicht unschuldig ist. Denn er dümpelt nach seinem Oberligaabstieg auf dem fünften Tabellenplatz vor sich hin und er hat die Meisterschaft bereits jetzt an den elf Punkten besseren TuS Sulingen abgetreten. Der VfL Bückeburg hat damit ein weiteres Jahr in der Landesliga fest gebucht.

Dass der Übergang des Traineramtes auf Heiko Thürnau nicht reibungslos verläuft, war zu erwarten. Dass der VfL Bückeburg aber derartige Probleme haben wird, sich gegen die stärkeren Kontrahenten in der Landesliga zu behaupten, dass er sechs Spiele verliert, überrascht schon ein wenig. Nur am fünften Spieltag schien es so, als wenn der damalige Tabellenzweite VfL Bückeburg um die Meisterschaft mitspielen würde, doch seitdem ging es tendenziell talwärts, auch spielerisch. „Wir sind den Ansprüchen noch nicht gerecht geworden“, bestätigt Thürnau, den vor allem einige schwache Auftritte im Jahnstadion nerven. Wer sich die bisherigen Ergebnisse des VfL Bückeburg in aller Ruhe anschaut, kommt zu dem Schluss, dass der aktuelle fünfte Platz völlig in Ordnung geht. Heiko Thürnaus Truppe konnte sich nur gegen Mannschaften aus unteren Tabellenregionen überzeugend durchsetzen, gegen den TSV Wetschen, den FC Lehrte, den Koldinger SV oder den TSV Krähenwinkel-Kaltenweide. Große Probleme gab es gegen potentere Gegner wie den Tabellenvierten OSV Hannover, den Dritten SV Ramlingen-Ehlershausen und natürlich gegen den TuS Sulingen, bei dem sich der VfL Bückeburg inklusive Pokal schon zwei Abfuhren abholte.

Das alles wäre vielleicht noch im Rahmen gewesen, wenn es nicht zwischendurch auch noch Überraschungspleiten vor eigenem Publikum gegeben hätte. Es begann mit dem peinlichen 2:3-Auftakt gegen die SpVgg. Bad Pyrmont, es ging weiter mit der unerklärlichen 2:3-Niederlage gegen den Tabellenzwölften MTV Almstedt und es endete mit dem 1:2 gegen den FC Eldagsen. Mit dem Auswärtspunkt beim starken Tabellenzweiten SV Bavenstedt gelang mit Kampf und Einsatz zumindest ein versöhnlicher Jahresabschluss.

Thürnau kündigt für die Rückrunde einen veränderten VfL Bückeburg an. Er will die Schwachpunkte angehen, die vielen Gegentore aus Kontern und die vielen Ballverluste minimieren. „Manchmal verlieren wir innerhalb weniger Minuten unsere Grundordnung“, hat er beobachtet. Auf diesem Wege kassierte Bückeburg zum Beispiel gegen den OSV Hannover zwei schnelle Gegentore. Das vielleicht überzeugendste Spiel im zweiten Halbjahr 2016 machte der VfL Bückeburg im Pokal beim Nachbarn VfR Evesen. Hinten stabil und auf die Aufgabe fixiert, vorne schnell und konstruktiv. Ein Detail der bisherigen Bilanz macht Hoffnung. Der VfL Bückeburg schoss 36 Tore, stellt damit hinter Sulingen die zweitbeste Offensive der Staffel.

Die wichtigste Stütze ist – eigentlich wie immer – der unverwüstliche Alexander Bremer, der mit seinen 16 Treffern, der mit Abstand erfolgreichste Torschütze der Landesliga ist. Die gute Angriffsleistung des VfL Bückeburg täuscht somit ein wenig, denn hinter dem schlitzohrigen „Bubi“ Bremer wird es dünn. Benjamin Hartmann traf viermal, Lennard Heine dreimal. Beide spielten in der letzten Saison noch in der Bezirksliga, beide sind noch dabei, ihre volle Leistungskraft messbar zu machen.

Das größte fußballerische Problem ist in dieser Saison aber nicht mehr zu beheben, weil es an dieser Stelle an qualifiziertem Personal mangelt. So wie dem deutschen Fußball seit Gerd Müller ein Mittelstürmer fehlt, so mangelt es dem VfL Bückeburg seit dem Weggang von Burak Buruk an einem Regisseur im Mittelfeld, einem Passgeber, einer kreativen Kraft. Wenn von den Sechsern wenig kommt, dann klafft in der Mitte des Bückeburger Aufbauspiels im wahrsten Wortsinn eine Lücke, dann sind unbevölkerte Rasenflächen zu sehen, die dann mit langen Bällen überbrückt werden. Auch Thürnau gefällt das nicht. „Kurzfristig ist das aber nicht zu beheben“, sagt er. Der Coach ist aber für die nächsten Wochen optimistisch. Trotz der nicht mehr realisierbaren Meisterschaft hat der VfL Bückeburg nämlich noch ein Ziel. „Wir wollen erster Verfolger werden“, sagt Thürnau.

Prognose: Kehren die Verletzten in die Stammformation zurück und kann Trainer Heiko Thürnau mal endlich aus dem Vollen schöpfen, dann wird sich der VfL Bückeburg tabellarisch noch verbessern. In der Meisterfrage spielt der VfL aber keine Rolle mehr. Deshalb kann der Oberliga-Absteiger die Rückrunde schon als Vorbereitung für die nächste Saison ansehen.

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