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Rintelnerin (63) beim Komparsen-Casting

Vom Traum, einmal ein Star zu sein

RINTELN. Für einen Kinofilm wird zwischen September und November unter anderem in Rinteln gedreht. Dazu fand jetzt ein Casting von Komparsen statt. Mit dabei: Elisabeth Kampmeier, 63 Jahre. Wir haben sie beim Casting begleitet.

veröffentlicht am 14.09.2017 um 16:51 Uhr
aktualisiert am 14.09.2017 um 20:50 Uhr

Hannah Jünger (r.) und ihre Kollegin Roxana Schuhster reichen Elisabeth Kampmeier (M.) die Formulare fürs TV-Casting. Foto: leo
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Autor

Leonhard Behmann Reporter
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RINTELN. Elisabeth Kampmeier traut sich heute etwas, was sie noch nie zuvor in ihrem Leben gewagt hat: Sie bewirbt sich als Schauspielerin, genauer gesagt, als Komparsin in dem Kinofilm „Glück ist was für Weicheier“. Kampmeier ist nicht die einzige, die an diesem Tag deshalb in die Cafeteria des Rintelner Hallenbads gekommen ist.

An einem Tisch vor ihr sitzen zwei junge Frauen. Eine von ihnen ist die zweite Regieassistentin Hannah Jünger. Sie stellt der 63-Jährigen viele Fragen. Zunächst will Jünger herausfinden, in welcher Szene Kampmeier mitspielen will, dann geht es darum, ob sie überhaupt an den Drehtagen Zeit hat. Elisabeth Kampmeier möchte gern in der Szene dabei sein, die im Hallenbad spielt. „Kein Problem“, meint die zweite Regieassistentin, blickt sich kurz um – und verrät: „Die Produktionsfirma aus München, die den Kinofilm drehen wird, ist ins Hallenbad gekommen, weil hier später auch Szenen gedreht werden.“ Dieser Drehort sei ein wichtiger. Schließlich mimt der Spielvater der Hauptdarstellerin den Bademeister. „Hier hält sich das zwölfjährige Mädchen besonders oft auf“, erzählt Jünger.

Bei dem Dreh im Schwimmbad müssten sich die Statisten im Hintergrund aufhalten. „Es soll ja später im Film alles realistisch aussehen“, sagt Jünger, während Kampmeier gerade ein Formular ausfüllen muss. Kurz darauf macht die Assistentin noch ein Foto von der Seniorin, für die „Kartei“.

In Großstädten, so Jünger, würde es für solche Castings Agenturen geben. „Hier in Rinteln, wo es solche Casting-Firmen nicht gibt, müssen wir das Casten selbst erledigen.“

Kampmeier ist gekommen, weil sie neugierig ist, wie so ein Komparsen-Casting abläuft. Da dürfte sie nicht die Einzige gewesen sein. Aber warum will die Seniorin in dem Kinofilm mitspielen? „Das Thema des Films passt zu meiner Einstellung.“ Man sei doch schließlich verpflichtet, unterdrückten oder schlechter gestellten Menschen zu helfen, meint sie.

Interessierte aller Altersklassen sind zu dem Casting gekommen. Die Filmemacher hatten im Vorfeld verlauten lassen, dass sie nicht nach einem bestimmten Typen suchten. Jeder könne sich bewerben.

Unter der Leitung der Regisseurin Anca Miruna Lazarescu (ausgezeichnet mit den Gopo Awards und Young Hope Award) soll von Ende September bis Anfang November gedreht werden. Im Hallenbad und im Gymnasium Ernestinum werde in der zweiten Herbstferienwoche gearbeitet, erzählt der erste Regieassistent, Hellmut Fulss.

Schauplätze sind Herford, Bad Salzuflen und Rinteln. Der Kinofilm „Glück ist was für Weicheier“ handelt von einem Mädchen, dass in der Schule gemobbt wird. „Die Zwölfjährige versucht, ihrer schwer erkrankten Schwester zu mehr Glück zu verhelfen und ihr das Leben auf eine sehr skurrile Art und Weise lebenswerter zu machen“, verrät Fulss. „Das ist ein spannender Film, der über die ganz eigene Welt von Jugendlichen erzählt.“

Ob Elisabeth Kampmeier als Komparsin im Film mitspielen wird, weiß sie noch nicht. Wenn alles klappt, wird sie angerufen. Reich werden die Komparsen nicht. Es geht wohl eher um den Spaß am Mitmachen.

„Wir haben uns überlegt, den Statisten jeweils eine Freikarte für den Start des Kinofilms im nächsten Jahr zu schenken“, sagt Produktionsleiterin Anne Lessnick. „Das übliche Honorar können wir nicht zahlen, da wir einen Low-Budget-Film machen.“

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