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Warum die Stadt das Veteranentreffen nicht als Werbung nutzt

VW-Oldies als Marketing-Strategie?

HESSISCH OLDENDORF. Nach dem VW-Veteranentreffen 2017 überschlägt sich die nationale und internationale Automobil-Presse. Vom „Mekka für Volkswagen-Fans“ bis zum „automobilen Freilichtmuseum“ ist die Rede. Alle vier Jahre wird das Städtchen durch das Event weltbekannt. Einige sehen darin eine Chance, mit VW-Oldies als Marketing-Strategie zu werben. Die Stadt hingegen will auf den Zug nicht aufspringen.

veröffentlicht am 17.07.2017 um 18:18 Uhr
aktualisiert am 17.07.2017 um 19:15 Uhr

Eine dauerhafte Werbung mit der Marke VW, wie hier mit dem Volkswagen-Logo am Kreisel während des diesjährigen Veteranentreffens, wird es in Hessisch Oldendorf nicht geben. Foto: dana
Johanna Lindermann

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„Der beschauliche Ort in Niedersachsen wird alle vier Jahre zum Mekka für Fans luftgekühlter Volkswagen aus aller Welt“ und „Auch 2017 wurde Hessisch Oldendorf zu einem automobilen Freilichtmuseum, wie es seinesgleichen in der Welt sucht“, lobt das Volkswagen-Classic-Magazin. „Ein kleines Städtchen im Ausnahmezustand!“, schreibt die Website eurotransport.de. Von einem friedlichen Rekordtreffen spricht die nationale und internationale Presse nach dem 7. VW-Veteranentreffen, das vom 23. bis 25. Juni in Hessisch Oldendorf stattfand.

Ein paar Wochen lang ist die Baxmann-Stadt auf der ganzen Welt berühmt. Auch in den Tagen um das Treffen ist die Kernstadt passend ausgestattet: Kleine VW-Spielzeug-Autos schmücken die Schaufenster der Geschäfte in der Innenstadt und ein großes Schild mit dem VW-Logo mitten im Kreisel am Münchhausenring zeigt allen Besuchern sofort an: In dieser Stadt ist VW drin.

Doch jetzt, knapp drei Wochen nach dem Treffen, ist von alledem nichts mehr zu sehen. Auch generell gilt: Abgesehen von wenigen Wochen alle vier Jahre deutet in der Stadt nichts darauf hin, wie berühmt sie alle vier Jahre wird. Doch warum nutzt Hessisch Oldendorf das VW-Veteranentreffen nicht viel stärker als Marketing-Strategie?

Die Stadt hat eine einfache Antwort auf diese Frage: Beim VW-Veteranentreffen handele es sich um „ein Event, das alle vier Jahre von privat organisiert wird“, erklärt Bürgermeister Harald Krüger. Abgesehen davon würden keine Ereignisse um VW in der Stadt stattfinden, weshalb sich eine Marketing-Strategie nicht lohnen würde. Auch die beiden Museen – das Bullimuseum und das Museum der Familie Grundmann – seien privat. „Da lässt sich einfach nicht mehr draus machen“, so Krüger.

Auch ein häufigeres Treffen – etwa alle zwei statt alle vier Jahre – wäre weder machbar noch sinnvoll, sagt Traugott Grundmann vom Organisationsteam des Veteranentreffens. „Von der Arbeit wäre das gar nicht zu schaffen. Außerdem würde das Treffen an Charme verlieren, wenn es öfter stattfinden würde, und viele internationale Besucher würden sich die ständigen Anreisen nicht leisten können, und wir möchten sie nicht belasten.“ Darüber hinaus würde ein Zwei-Jahres-Takt bedeuten, das VW-Treffen kommerziell zu machen – „und das wollen wir nicht“, sagt Grundmann klar. Viele VW-Fans aus allen Ländern würden das Treffen unterstützen, eben weil es nicht kommerziell sei.

Was Grundmann jedoch gerne sehen würde, wären regelmäßige Führungen in seinem VW-Museum. Allerdings machen hier Brandschutzbestimmungen einen Strich durch die Rechnung. „Da das Museum nicht öffentlich ist, ist die Anzahl der Führungen zeitlich begrenzt. Wenn wir mehr Führungen anbieten würden, wäre es öffentlich und wir müssten Auflagen erfüllen, zum Beispiel höhere Brandschutzmaßnahmen“, sagt Grundmann. Mehr als 25 Führungen im Jahr würden dem Museum daher nicht genehmigt.

Eine stärkere Vermarktung des Publikumsmagneten VW wird es in Hessisch Oldendorf daher wohl auch in Zukunft nicht geben.

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