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Joumaah (CDU) gegen Watermann (SPD)

Wahlkrimi in Bad Pyrmont: Kampf um jede Stimme

BAD PYRMONT. Nirgendwo war ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Landtagswahl beim letzten Mal so knapp wie im Wahlkreis Bad Pyrmont. 215 Stimmen trennten die Kandidaten, die nun wieder gegeneinander antreten. Führt das zu einem Wahlkampf bis aufs Messer? Auf jeden Fall ist es spannend in Bad Pyrmont.

veröffentlicht am 13.10.2017 um 11:24 Uhr
aktualisiert am 13.10.2017 um 12:50 Uhr

Bei der letzten Wahl trennten Petra Joumaah (CDU) gegen Ulrich Watermann (SPD) nur 215 Stimmen. Wie knapp wird es diesmal? Foto: jl

Autor:

Michael Evers
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Beim bevorstehenden Wahlkrimi in Niedersachsen gibt es zwei Landtagskandidaten, für die ein Kopf-an-Kopf-Rennen längst Routine ist. Nur 215 Stimmen trennten im Wahlkreis Bad Pyrmont mit seinen 59 075 Wahlberechtigten die siegreiche Abgeordnete Petra Joumaah (CDU) von Konkurrent Ulrich Watermann (SPD), der über einen Listenplatz dennoch in den Landtag einzog. Nirgendwo in Niedersachsen gab es einen hauchdünneren Abstand zwischen zwei Bewerbern. Erneut treten beide nun gegeneinander an und liefern sich einen Wahlkampf um jede Stimme – an der Haustür, bei den Pendlern am Bahnsteig, in der Fußgängerzone oder beim Besuch von Firmen.

„Auf gute Nachbarschaft“ steht auf Handzetteln, die Watermann (59) vormittags mit Helfern in einem Wohnviertel von Bad Münder verteilt. „Leckere Gemüsesuppe essen und klönen“ lautet die Einladung des Wahlkämpfers zur lockeren Diskussion an einem SPD-Stand auf einem Parkplatz. Frühmorgens am selben Tag bereits hatte Watermann Berufstätige an der S-Bahnstation Emmerthal auf dem Weg zur Arbeit Richtung Hannover im Visier. Da viele pendeln, trifft man hier die Menschen am besten.

Zeitgleich ist Petra Joumaah (62) in der Innenstadt von Bad Pyrmont auf der Suche nach dem direkten Gespräch mit potenziellen Wählern – ein paar Dutzend Menschen mehr oder weniger, die sie für sich überzeugt, können schon den Ausschlag geben. Anschließend fährt auch sie nach Emmerthal. Beim Besuch des Mineralsalze-Herstellers Dr. Paul Lohmann erhält die Abgeordnete gewichtige Unterstützung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die als Niedersächsin im Landtagswahlkampf Präsenz zeigt. „Wir brauchen Facharbeiter“, ist Joumaahs Botschaft in der Firma, die für ihr weiteres Wachstum auf Fachkräfte angewiesen ist.

Aber gibt das nicht einen Wahlkampf bis aufs Messer, wenn beim letzten Mal so wenige Stimmen über Erfolg oder Misserfolg entschieden haben, droht nicht ein Showdown der Konkurrenten, wenn sie sich irgendwo über den Weg laufen? Beide bestreiten das und betonen den gegenseitigen Respekt. Ziel sei es, die Interessen der ländlich geprägten Weserbergland-Region in der rund 50 Kilometer entfernten Landeshauptstadt zu vertreten. „Mit Petra Joumaah habe ich ein gutes Verhältnis, wir stehen für die Region“, sagt Gegenspieler Watermann. „Wir stehen vor der Situation, dass wir uns als Region durchsetzen müssen, das ist kein Wahlkampf gegen die Person.“ Vielmehr gehe es darum, die eigenen Leute zu mobilisieren, damit sie zur Wahl gehen. „Ich kämpfe sehr aktiv dafür, dass ich gewinne.“ Rückenwind gebe ihm das Ergebnis der Bundestagswahl, bei der der SPD-Kandidat den Wahlkreis gewann.

Von einem persönlichen Gegeneinander will auch Joumaah nichts wissen, es gehe um den Wahlkreis. Dessen Probleme sind, wie die CDU-Frau sie beschreibt, typisch für viele der niedersächsischen Landstriche abseits der Großstädte. „Die ärztliche Versorgung ist ein Problem, die Praxisinhaber finden keine Nachfolger mehr“, meint Joumaah. Und der Pflegenotstand mit dem Mangel an Personal betreffe die Gesundheitsregion mit Kur- und anderen Kliniken besonders. Auch das Angebot bei der Kinderbetreuung und kulturellen Aktivitäten müsse stimmen, damit sich junge Familien in der Region ansiedeln. Wer den Wahlkreis 36 in den kommenden vier Jahren vertritt, entscheidet sich am Sonntag.

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