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Es handelt sich um einen seit 13 Monaten vermissten Hamelner

Waldarbeiter finden skelettierte Leiche

HAMELN. Mehr als ein Jahr nach dem spurlosen Verschwinden eines 76 Jahre alten Seniors aus Hameln (wir berichteten) ist es traurige Gewissheit: Der Mann ist tot. Das teilte die Polizei am Montag mit. Der Rentner hatte am Vormittag des 23. Oktober 2016 nach einem gemeinsamen Frühstück mit seiner Frau die Wohnung verlassen und war seitdem nicht wieder gesehen worden.

veröffentlicht am 27.11.2017 um 13:04 Uhr
aktualisiert am 27.11.2017 um 15:14 Uhr

Im Klüt wurde die Leiche des Seniors von Waldarbeitern gefunden. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Am Nachmittag wollte das Ehepaar Sohn und Schwiegertochter besuchen – beide hatten am Vortag Geburtstag gehabt. Familie und Polizei ließen seinerzeit nichts unversucht, den Hamelner zu finden. Personensuchhunde, sogenannte Mantrailer, konnten der Spur des Familienvaters aber nur bis zum Saint-Maur-Platz folgen. Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera flog die Weser zwischen Hameln und Rinteln ab. Waldwege wurden von der Polizei abgefahren, Höhlen, Steinbrüche, Hütten und verlassene Häuser abgesucht, in der Innenstadt, im Klütviertel und auf Wanderparkplätzen Plakate aufgehängt. Jäger, Forstwirte und Weserschiffer waren von der ältesten Tochter des Vermissten um Mithilfe gebeten worden. Angehörige beteiligten sich aktiv an den Suchmaßnahmen. Doch alle Aktionen liefen ins Leere.

Am Donnerstag, 13 Monate nach dem Verschwinden des rüstigen Rentners, entdeckten Forstarbeiter eine skelettierte Leiche – sie lag unter einem Gebüsch in einem Waldstück zwischen dem Forsthaus Finkenborn und Halvestorf. Gegen 14 Uhr wählten sie den Notruf. Sofort fuhren Ermittler der Tatort-Gruppe zum Fundort. Sie machten Fotos, sicherten Spuren und befragten die Männer. Der anfängliche Verdacht, es könnte sich bei dem Toten um den vermissten Senior aus Hameln handeln, habe sich in den folgenden Tagen bestätigt, sagte Oberkommissar Jens Petersen. Der Mann sei zunächst anhand seiner Kleidung und der Schmuckstücke, die er trug, identifiziert worden. Sein Zahnarzt habe zudem eine Prothese wiedererkannt. „Hinweise auf ein Fremdverschulden liegen uns bislang nicht vor. Es ist noch nicht entschieden worden, ob die sterblichen Überreste von Rechtsmedizinern untersucht werden“, sagte Petersen im Gespräch mit der Dewezet.

Es war bekannt, dass der rüstige Rentner gern wanderte. Er legte weite Strecken zurück. Bevorzugte Ziele waren das Hohenstein-Felsplateau und der Süntelturm. Entsprechend groß war seinerzeit der Suchradius abgesteckt worden. Die Angehörigen konnten sich das plötzliche Verschwinden nicht erklären. Am Abend zuvor war es spät geworden. Das Ehepaar hatte sich mit guten Freunden zum gemütlichen Raclette-Essen getroffen. Es wurde viel geredet und gelacht. Gegen 8.30 Uhr war der ehemalige Landesdirektor einer großen Versicherung am Sonntagmorgen ins Bad gegangen. Als der 76-Jährige kurze Zeit später das Badezimmer verließ, ging seine Ehefrau hinein. Es war das letzte Mal, dass sie ihren Mann, mit dem sie seit mehr als 52 Jahren glücklich verheiratet war, sah.

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