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Einsatz mit Herzblut und viel Energie

Was bringt Menschen dazu, sich in der Feuerwehr zu engagieren?

MÖLLENBECK. Einen immerhin kleinen Eindruck davon, was das Besondere am Leben eines Mitglieds der freiwilligen Feuerwehr sein könnte, bekommt man auf der Jahresversammlung bei den Berichten über die Ereignisse des vergangenen Jahres. Da ist die Rede von Spannung, Anstrengung, Siegen und Niederlagen, aber auch tollen Partys und vielen Begegnungen im Wettkampfbereich.

veröffentlicht am 29.01.2018 um 17:38 Uhr
aktualisiert am 29.01.2018 um 18:20 Uhr

Starke weibliche Truppe (v. li.): Lucie Klemme, Leonie Hadler, Britta Meyer und Theresa Weiß erhielten das niedersächsische Leistungsabzeichen in Bronze. Lucie Klemme und Leonie Hadler machten mit der Teilübernahme für über 16-Jährige den ersten Schr
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Claudia Masthoff Reporterin
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MÖLLENBECK. Was man auf den ersten Blick beim Besuch der Jahresversammlung der Möllenbecker Feuerwehr erfährt, entspricht ganz den Erwartungen. Da wird von den 20 Einsätzen berichtet, die man im vergangenen Jahr zu bestreiten hatte. Man erfährt, dass viele Lehrgänge absolviert worden sind und dass der Ausbildungsstand der Truppe sich auf einem guten Niveau befinde. Es wird deutlich gemacht, dass die Zusammenarbeit mit der Rintelner und der Todenmanner Feuerwehr im Brandabschnitt Rinteln-Mitte sich sehr gut entwickelt hat. Die immer wieder herausragenden Ergebnisse, die Möllenbecks Wettkampftruppen erzielen, Stadtmeister, Bezirks- und Landesmeistertitel, werden dokumentiert. Es gibt jede Menge Glückwünsche: für junge Leute, die aus der Jugendfeuerwehr in die „aktive“ überwechseln, für Beförderte, für Jubilare (10-, 25- und 40-jährige Zugehörigkeit), für die Feuerwehrleute des Jahres, die durch besonders rege Teilnahme an den Diensten aufgefallen sind, und nicht zuletzt für alle Wettkämpfer, die für ihre herausragenden Leistungen mit dem Leistungsabzeichen in Silber oder Bronze belohnt worden sind. Die Wiederwahl aller bisherigen Funktionsträger geht reibungslos über die Bühne.

Ein zweiter, tiefer reichender Blick offenbart jedoch noch etwas anderes, nämlich das wirkliche Ausmaß von Zeit, Herzblut und Energie, das Ehrenamtliche hier in „ihre“ Feuerwehr stecken. Selten hatte man es so deutlich vor Augen, wie viele unterschiedliche Spezialisten eine gut funktionierende Löschtruppe benötigt. Den Gerätewart, in Möllenbeck ein Vater-Sohn-Gespann (Dieter und Alexander Ehlers), den Atemschutzgerätewart (Nils Begemann), den Sicherheitsbeauftragten (Tobias Greimeier), Leiter und Leiterinnen im Bereich der Kinder- und Jugendfeuerwehr (Corinna Schulz, Daniela Eberwein und Marco Baschin), einen Leiter der CTIF Wettkampftruppen (Andreas Schlicht) und nicht zuletzt einen Kapellmeister für den Musikzug (Detlef Tünnermann).

Jeder Einzelne dieser besonders Engagierten hat spezielle Ausbildungen absolviert, lernt ständig dazu, um auf seinem Fachgebiet auf dem Laufenden zu bleiben, und bringt viele Stunden neben dem „normalen“ Feuerwehrdienst ein, um sein Amt zu erfüllen. Dieses gewisse „Mehr“ an persönlichem Einsatz bringen auch spezialisierte Mannschaftskameraden wie Atemschutzgeräteträger oder ABC-Erkunder auf, die zum einen besondere Übungen absolvieren müssen und zum anderen auch häufig über den Brandabschnitt Rinteln-Mitte hinaus angefordert werden.

Zusammen schon über 100 Jahre in der Feuerwehr (v. li.): Stefanie Cezann (25 Jahre), Heike Räder (25 Jahre), Friedrich Bartram (40 Jahre) und Jörn Buchholz (25 Jahre). Foto: cm
  • Zusammen schon über 100 Jahre in der Feuerwehr (v. li.): Stefanie Cezann (25 Jahre), Heike Räder (25 Jahre), Friedrich Bartram (40 Jahre) und Jörn Buchholz (25 Jahre). Foto: cm

Noch gar nicht erwähnt sind hier diejenigen, bei denen es geradezu den Anschein hat, als sei die Feuerwehr wichtiger Teil des Lebensinhalts geworden: Ortsbrandmeister Markus Dinter, sein Stellvertreter Kai-Uwe Herchenröder und ganz besonders auch der vielseitige 1. Gruppenführer Tim Schinz.

Was hält diese Menschen bei der Stange? Einen kleinen Eindruck davon, was das Besondere am Leben eines Mitglieds der freiwilligen Feuerwehr sein könnte, bekommt man bei den Berichten über die Ereignisse des vergangenen Jahres. Da ist die Rede von Spannung, Anstrengung, Siegen und Niederlagen, tollen Partys und vielen Begegnungen im Wettkampfbereich. Es wird von kreativen eigenen Ideen berichtet. In diesem Zusammenhang sei der selbst entwickelte Geschicklichkeits-Parcours für Schutzanzugträger in der Turnhalle erwähnt. Man schaut staunend auf Einsätze zurück, die normalerweise gar nicht hatten klappen können, und dann doch funktionierten. „Innerhalb von zwei Stunden an einem Mittwochmorgen für einen zwei- bis dreitägigen Hochwassereinsatz in Alfeld zu mobilisieren, das war eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit“, meinte Ortsbrandmeister Markus Dinter rückblickend. „Doch wir haben es geschafft. Pünktlich um 11 Uhr standen wir am Treffpunkt in Steinbergen.“ Froh sei man bei jedem Problem gewesen, das man habe lösen können, bei jeder Gefahr, die man abwandte und auch in Situationen, wie in Alfeld, wo man sehr viel herzliche, positive Rückmeldung aus der Bevölkerung erhalten habe, so Dinter.

Doch auch Trauer und Betroffenheit gehören zum Feuerwehralltag dazu. Etwa, wenn trotz intensiver Bemühungen eine orientierungslose Person nicht rechtzeitig gefunden werden kann oder wenn bei einem Unfall der betroffene Mensch nur noch tot geborgen wird. Sehr viel Mitgefühl und Anteilnahme wurde auch sichtbar, als die Sprache auf zwei Feuerwehrkameraden kam, die jüngst bei Einsätzen im Sturm in NRW und in Tübingen ihr Leben gelassen haben.

Könnte man also sagen, dass sich Mitglieder einer freiwilligen Feuerwehr durch alles, was sie erleben, lebendiger fühlen? Dass sie Raum finden, die eigenen Talente zu erproben? Dass sie durch Erfolgserlebnisse ermutigt werden und dass die Gemeinschaft sie auch durch Trauer, Niederlagen und Zweifel zu tragen vermag? Eines scheint jedenfalls klar zu sein: Über Langeweile braucht man sich bei der Feuerwehr wohl nie zu beklagen!

In die Einsatzabteilung übernommen und zum Feuerwehrmann befördert wurden Yves Thomas, Hendrik Schildmann und Luis Bartram, der auch das Leistungsabzeichen in Silber erhielt.

Zum Oberfeuerwehrmann befördert wurde Kai Brömmer, zur Hauptfeuerwehrfrau befördert wurde Britta Meyer.

Seit zehn Jahren im Musikzug ist Rüdiger Peglow.

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