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So haben Rintelner geantwortet:

Was den Rintelnern beim Sterben wichtig ist

RINTELN. Was ist den Menschen wichtig, wenn sie sterben? Wie wollen sie sterben? Nach einer großen Umfrage vor zehn Jahren wollte dies der Hospizverein Rinteln nun wieder wissen. Gefragt wurden Menschen auf der diesjährigen Pflege- und Gesundheitsmesse im Brückentorsaal sowie auf dem Adventszauber, wo der Hospizverein eine Aktion im Mehrgenerationenhäuschen angeboten hatte. Die SZ/LZ hat sich die Ergebnisse angesehen.

veröffentlicht am 20.12.2017 um 15:47 Uhr
aktualisiert am 21.12.2017 um 10:24 Uhr

Was ist den Menschen beim Sterben wichtig? Das fragte der Rintelner Hospizverein unter anderem im Mehrgenerationenhäuschen auf dem Adventszauber. Hier zu sehen sind die ehrenamtliche Mitarbeiterin Elke Sanasi (l.) und die Vereinsvorsitzende Ingeborg
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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Demnach wünschen sich Menschen oft (18 Prozent) einen „schnellen, plötzlichen Tod“ – der würde statistisch allerdings nur drei Prozent aller Menschen ereilen, so der Hospizverein.

Mit großem Abstand (25 Prozent) wünschen sich die meisten Menschen „so wenig Schmerzen wie möglich“. In den vergangenen Jahren habe sich das Bewusstsein für einen schmerzfreien Tod verbessert, erläutert Ingeborg Schumer auf Nachfrage. Schumer ist Vorsitzende des Rintelner Hospizvereins. Auch das Verständnis für verschiedene Schmerztherapien habe sich verbessert, und Ärzte hätten mehr Erfahrungen gesammelt.

Insgesamt neun Antwortmöglichkeiten bot der Hospizverein bei seiner Umfrage. Beliebt waren auch die Antworten „in vertrauter Umgebung sein“ und „Nähe von Angehörigen und Freunden“. Die Umfrageteilnehmer – insgesamt waren es 298 Menschen – hatten die Aufgabe, jene drei Antworten auszuwählen, die für sie persönlich am wichtigsten waren, und diese in Form von Nüssen in entsprechenden Säulen anzugeben. Dieses Säulenkonstrukt ist inzwischen so beliebt, dass es auch an andere Hospizvereine verliehen wird.

Was ist den Menschen beim Sterben wichtig? Neun Antwortmöglichkeiten gab es bei der Umfrage des Hospizvereins; geantwortet werden konnte mithilfe von Nüssen. Foto: CM
  • Was ist den Menschen beim Sterben wichtig? Neun Antwortmöglichkeiten gab es bei der Umfrage des Hospizvereins; geantwortet werden konnte mithilfe von Nüssen. Foto: CM

Im Vergleich zu der Umfrage von vor zehn Jahren stellte der Rintelner Verein fest, dass der Verteilung der Antworten im Großen und Ganzen gleich geblieben waren. Menschen möchten schmerzfrei sterben, in der Nähe ihrer Liebsten, und möchten Zeit haben für bewusstes Abschiednehmen. Auch eine bundesweite Umfrage, die in derselben Art gestaltet war, kam zu ähnlichen Ergebnissen.

„Genau diese Punkte werden von der Hospizbewegung unterstützt“, freut sich Ingeborg Schumer für den Hospizverein. Der Verein besteht seit inzwischen 17 Jahren. 25 Mitglieder sind derzeit ehrenamtlich in der Sterbe- und Trauerbegleitung tätig. Die Mitglieder würden durch die Umfrageergebnisse motiviert, „weiterhin für unsere Bevölkerung mit unseren Angeboten zur Verfügung zu stehen.“

„Der Mensch steht bei uns komplett im Vordergrund“, so Schumer. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter seien gut auf die Themen vorbereitet und nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil.

So bietet der Rintelner Hospizverein beispielsweise auch Trauerbegleitung für Kinder an oder setzt sich mit unterschiedlichen Kulturen in der Sterbebegleitung auseinander. Erklärhefte bietet der Verein unter anderem auch in russischer und arabischer Sprache an.

Auch Fragen rund um Sterben, Tod, Trauer oder Formalitäten wie Patientenverfügungen können vom Hospizverein beantwortet werden. Oft hätten gerade die Jüngeren, etwa Kinder älterer Menschen, Angst sich mit Tod und damit beispielsweise mit Patientenverfügungen auseinanderzusetzen, so Schumer. Das belaste die älteren Menschen.

Dass es in den letzten Jahren eine große Entwicklung im Umgang mit dem Tod gegeben habe, das kann Schumer nicht bestätigen.

Noch immer gebe es viele, die das Thema komplett ausklammerten, auch wenn es mittlerweile mehr Öffentlichkeit bekommt. Wer sich jedoch mit dem Thema Tod beschäftige, der lebe ein leichteres Leben, so Schumer. „Wir sind alles andere als Trauerklöße“, sagt die Krankenhägerin lächelnd.

Gleichzeitig hofft Schumer, dass die Netzwerke von Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie dem Hospizverein enger werden, um Menschen noch besser betreuen zu können.


Kontakt: Der Rintelner Hospizverein ist Ansprechpartner für Schwerkranke und ihre Angehörigen und alle, die sich mit den Themen Sterben, Tod und Trauer beschäftigen. Zu erreichen ist der Verein unter (0178) 165 7501.

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