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Academia soll weiterentwickelt werden

Was junge Erwachsene in Rinteln halten kann

RINTELN. Seit Oktober studieren rund 50 junge Leute in Rinteln, an der neu gegründeten Academia. Was kann der Zustrom junger Menschen für die Stadt bedeuten? Was hält junge Erwachsene in einer Kleinstadt? Es ist eine essenzielle Frage, der sich Rinteln nun verstärkt stellen will.

veröffentlicht am 02.01.2018 um 16:24 Uhr
aktualisiert am 02.01.2018 um 18:20 Uhr

Was hält junge Menschen in einer Kleinstadt wie Rinteln? Es ist eine Frage, die auch die Weserstadt immer stärker in den Fokus rückt. Bildung ist einer der wichtigen Bausteine. Symbolfoto: Pixabay
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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RINTELN. „Lassen Sie es krachen!“ Mit diesen Worten hatte Bürgermeister Thomas Priemer die 45 jungen Menschen begrüßt, die im Oktober ihr Studium an der Academia begonnen hatten. Verbunden mit dem Hinweis, dass die Studenten der ersten Rintelner Universität, die 1810 geschlossen wurde, das Stadtleben „aufgewirbelt“ hätten. Was also kann die Academia für die Kleinstadt Rinteln bringen?

Viele Bausteine seien es, die junge Menschen bewegten, in einer Kleinstadt wohnen zu bleiben, sagt Demografiebeauftragte Linda Mundhenke. „Die Academia ist ein Baustein davon.“

„Dreh- und Angelpunkt“ in der Frage, warum junge Leute vor Ort bleiben, sei die Berufsorientierung, sprich: Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es? Und, mindestens ebenso wichtig: welche Fortbildungsmöglichkeiten? Nach dem Motto „lebenslanges Lernen“ werden die Möglichkeiten zur Umschulung oder Fortbildung auch im höheren Alter immer wichtiger. Kaum jemand bleibt mehr 30 Jahre lang in derselben Firma – oder in demselben Beruf.

Auch hier komme die Academia ins Spiel, sagt Mundhenke, denn die Mitarbeiter der Stadt könnten sich hierüber fortbilden. Sowieso dürfe man die Stadt selber, den „Konzern Rinteln“ mit seinen rund 270 Arbeitsplätzen, als Arbeitgeber nicht vergessen.

Mundhenke sieht Rinteln mittlerweile gut aufgestellt: „Wir haben ein großes Spektrum an Ausbildungsgängen und viele hoch qualifizierte Studiengänge.“ Wichtig sei diesbezüglich auch die Lage einer Kleinstadt. Von Rinteln aus seien die Hochschulen in Hannover, Bielefeld oder Lemgo gut zu erreichen, ebenso die Hochschule Weserbergland, an der man berufsbegleitend studieren könne. Für Mundhenke ist klar, was das heißt: „Niemand muss unbedingt wegziehen. Rinteln bietet berufliche Perspektiven.“

Ein weiterer wichtiger Baustein in der Entscheidung, zu bleiben oder wegzuziehen: Transparenz. Weiß ein Jugendlicher, was es vor Ort für Ausbildungsmöglichkeiten gibt? Auch hier sieht Mundhenke Rinteln gut aufgestellt: Online gibt es das „Ausbildungsportal“ der Stadt, außerdem den „Tag der Ausbildung“, ebenso informieren die Schulen und das Jobcenter. Perspektiven vor Ort sollen verstärkt schon während der Schulzeit aufgezeigt werden. Hier spiele beispielsweise künftig auch die Stadtjugendpflege eine stärkere Rolle.

„Wir müssen diese Stellen besser miteinander verknüpfen“, so Mundhenke. Durch ein starkes Netzwerk sollen die Informationen leichter zugänglich machen.

Wie notwendig es ist, dass sich eine Kleinstadt über ihre Attraktivität für junge Leute Gedanken macht, zeigt allein die Einwohnerstatistik: Die 15- bis 24-Jährigen sind mit rund 11 Prozent der Bevölkerung die am geringsten vertretene Altersgruppe in Rinteln. „Nur bei ihnen ist der Wandersaldo negativ“, sagt Mundhenke – mehr Menschen ziehen also weg als in die Stadt. Die Demografiebeauftragte spricht von der „üblichen Bildungswanderung“: In diesem Alter sieht man sich nach Ausbildungs- oder Studienplatz um. Die große Frage ist: Kommen die Jungen wieder? Die Antwort darauf ist essenziell für eine Kleinstadt, allein vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.

Die Academia soll daher weiterentwickelt werden, perspektivisch sollen mehr Studiengänge angeboten werden. Daher hat die Stadt eine Studie in Auftrag gegeben, in der Bildungsbedarfe der Unternehmen abgefragt werden: Welche Qualifikationen, welche Mitarbeiter, wünschen sie sich? Klar ist, dass eine Kleinstadt nicht alles anbieten kann. „Wir wollen die Lücken schließen“, sagt Mundhenke. Denkbar sei auch, über die Academia Lehrgänge und Fortbildungen für Berufstätige anzubieten, beispielsweise für Führungskräfte.

Schließlich ist diese Entwicklung nicht nur wichtig für Einwohner, sondern auch für Menschen aus der Region, die in die Stadt hineinpendeln. Man dürfe nicht „in Stadtgrenzen denken“, so Mundhenke: Die Stadt habe „Strahlkraft“ für die Region.

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