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Heimische Bundes- und Landtagskandidaten von CDU und SPD greifen ins eigene Portemonnaie

Was kostet der Wahlkampf?

LANDKREIS. Die Kandidatur für ein Bundes- oder Landtagsmandat ist für die Bewerber nicht nur anstrengend – sondern unter Umständen auch teuer. Denn in einigen Parteien scheint ein persönlicher Anteil an den Wahlkampfkosten ganz normal zu sein – und das kann dann leicht in die Tausende gehen.

veröffentlicht am 14.09.2017 um 17:29 Uhr

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Autor:

Mira Colic
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LANDKREIS.So wie bei Karsten Becker. Der SPD-Landtagsabgeordneter und Kandidat im Wahlkreis 37 gibt unumwunden zu, dass sein Wahlkampf wohl wieder mehr als 20 000 Euro kosten werde – von denen er die Hälfte selbst trage. Dies habe er bei seiner letzten Kandidatur für die Landtagswahl 2013 auch schon geleistet. „Das geht nur, wenn die Familie voll dahinter steht.“

So offen ist seine Genossin Marja-Liisa Völlers bei dem Thema nicht. Die SPD-Bundestagskandidatin hält sich bei konkreten Summen für ihren Wahlkampf bedeckt. Dass es um einiges mehr als bei Becker sein dürfte, ist angesichts des fast dreimal so großen Wahlbereichs offensichtlich. Damit dürfte auch ihr persönlicher Anteil wohl die 10 000 Euro übersteigen – zumal sie sich als Neuling erst bekanntmachen muss. Ihre Familie unterstütze sie finanziell, erklärt die 32-Jährige.

„Außerdem habe ich mich für den Wahlkampf für sechs Wochen beurlauben lassen, sodass auch der Verdienstausfall berücksichtigt werden muss.“ Letztlich lässt sich Völlers dann doch noch entlocken, dass ihr Wahlkampfbudget eine vergleichbare Größenordnung wie das ihres Wahlkreis-Kontrahenten Maik Beermann habe.

Er gehe von Kosten in Höhe von 60 000 Euro aus, „und sollte das nicht reichen, bin ich mit bis zu 10 000 Euro dabei“, erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete. Bei seiner ersten Kandidatur habe es die Regelung gegeben, dass alles, was über das Budget hinausgeht, vom Kandidaten getragen wird – er dies aber nur im Falle einer erfolgreichen Wahl zahlen müsse, erklärt Beermann. Außerdem sehe er den Griff ins eigene Portemonnaie als Signal an die eigene Partei, um den absoluten Willen unter Beweis zu stellen.

„Und machen wir uns nichts vor, uns geht es wie Kirchen und Gewerkschaften, wir haben eher weniger Mitglieder als mehr“, spielt Beermann auf die Mitgliedsbeiträge an. Und der 35-Jährige gibt auch zu, dass sich das Spendenaufkommen im Gegensatz zu vor vier Jahren deutlich erhöht habe. „Die Menschen honorieren damit meine Arbeit.“

So weit ist Colette Thiemann noch nicht. Die Großenheidornerin tritt erstmals als Kandidatin der CDU für den Landtag an. Zu genauen Kosten könne sie noch keine Angaben machen, weil der Wahlkampf ja noch nicht mal richtig begonnen habe. Sie rechne mit einer Summe im „mittleren fünfstelligen Bereich“.

Finanziert werde diese Summe „neben Zuschüssen durch die Partei vor Ort über Spenden und eigene Mittel des Kandidaten“. Dies beinhalte neben reinen monetären Mitteln auch die indirekte Subvention, beispielsweise über den Sonderurlaub während des Wahlkampfes oder den Einsatz des eigenen Autos mit entsprechenden Spritkosten.

Katja Keul hält die Wahlkampffinanzierung aus eigener Tasche für „verwerflich“. Es sei ein höchst „undemokratisches Verfahren“, wenn der Geldbeutel mitentscheide, wen die Partei als Kandidaten aufstelle. Der Kreisverband Nienburg habe ihr 13 500 Euro zur Verfügung gestellt, in Schaumburg hat der Kreisverband ein Budget von maximal 30 000 Euro für Bundes- sowie Landtagswahl festgelegt.

Sie selbst habe nur minimale Beträge aus eigener Tasche gezahlt, wie etwa 300 Euro für die Flyer oder das Fotoshooting für das Bild auf ihren Wahlplakaten, genauso wie ihre Grüne-Parteikollegin auf Landesebene, Imke Hennemann-Kreikenbohn. Die Bad Nenndorferin schüttelt angesichts der Summen anderer Wahlkämpfer den Kopf, „bei uns ist das nicht üblich, wir sind da sehr basis-demokratisch“.

Auch dem CDU-Bundestagskandidaten Maik Beermann ist das zweischneidige Schwert der Wahlkampffinanzierung bewusst: „Man kann drüber streiten, aber mein Einkommen als Abgeordneter ist nun mal nicht so schlecht, als dass ich das nicht leisten könne.“

Je kleiner die Parteien, desto kleiner fällt auch das Wahlkampfbudget aus. Einen mittleren vierstelligen Bereich stelle ihm die Basis, sagt FDP-Bundestagskandidat Daniel Winter. „Natürlich ist das im Vergleich zu anderen Parteien nicht viel, deswegen setzen wir verstärkt auf einen Online-Wahl kampf.“Er selbst werde mit einer mittleren dreistelligen Summe das Budget aufstocken, „aber das ist nichts gegen das Engagement meiner Eltern, Freunde und Verwandte“.

500 Euro stelle die Partei, sagt der junge Kandidat der Linken für die Bundestagswahl, Torben Franz. Große Sprünge kann man damit nicht machen, „und ich habe auch nicht die finanziellen Mittel, um da mehr zu leisten“. Seine Familie unterstütze ihn jedoch bei einigen Kleinigkeiten. Bei seinem Parteikollegen auf Landesebene, Metin Duygu, sieht es ähnlich aus. Als Student könne er die 500 Euro nicht aus eigener Tasche aufstocken. „Es wäre gerechter, wenn jeder das gleiche Budget hätte, dann wäre der Wahlkampf nicht so verzerrt.“

Nach Rücksprache mit seinem Kreisvorstand wolle auch er keine Zahlen nennen, sagt AfD-Bundestagskandidat Pascal Stüber. Er liege „wahrscheinlich unter der CDU“, aber über dem Budget der Linken. Auf personalisierte Plakate habe er bewusst verzichtet, es werde das übliche Werbematerial wie Flyer, Feuerzeuge und Gummibärchen geben.

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