weather-image
12°
Ist eine Sanierung notwendig?

Was wäre, wenn das Wehr nicht wär’?

WESERBERGLAND. 400 000 Euro, mindestens, sind für die Sanierung des Unteren Wehres veranschlagt, damit für die nächsten 80 Jahre wieder Ruhe herrscht. Dass die Notwendigkeit zu reparieren seit mehreren hundert Jahren regelmäßig wiederkehrt, zeigt ein Blick in die Hamelner Vergangenheit.

veröffentlicht am 12.10.2017 um 18:17 Uhr

Das Weserwehr wird zurzeit saniert – aber warum eigentlich? Foto: Dana
Birte Hansen

Autor

Birte Hansen Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

So steht im Buch „Geschichte der Stadt Hameln“: „Sorgen bereiteten damals wieder – wie schon so oft – die umfangreichen und kostspieligen Instandhaltungsarbeiten an den Wehren oder, wie sie in Hameln hießen ,Schlagden’.“ Damals, das war 1893. Schon 20 Jahre davor hatten die Kosten für Ausbesserungen 24 000 Mark betragen. Angesichts der hohen Summen, die seit dem Bau um 1300 – damals noch aus Holz und Steinen – und jetzt wieder für die Wehre ausgegeben werden müssen, blubbert die Frage hoch: Brauchen wir sie denn noch? Und wenn ja, wofür? Jedenfalls nicht mehr, um Schiffe zu stoppen und ihnen Geld für Waren abzuknöpfen. Und auch nicht mehr, um Wassergräben in der Stadt mit Weserwasser zu befüllen, ebenfalls nicht mehr, um Mühlen anzutreiben.

Trotzdem ist Michael Rabbes Antwort eindeutig: „Ja.“ Der Sachbereichsleiter „Bau und Unterhaltung“ beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in Hannoversch Münden führt aus: Die Wehre seien unter anderem einst gebaut worden, um die Weser überhaupt schiffbar zu machen, da durch zahlreiche Untiefen die Schiffbarkeit des Flusses damals nicht sicher gestellt werden konnte. Heute, über 700 Jahre nach ihrem Bau, hätte ein Rückbau der Wehre oder ein gewollter, weil günstiger, schrittweiser Verfall ohne Reparaturen laut Rabbe verheerende Folgen für die an die Flüsse angrenzenden Städte. „Ohne die durch das Wehr angestaute Flusswasser würde der Grundwasserstand unter den angrenzenden Orten erheblich absinken. Das Absinken des Grundwasserspiegels würde wiederum erhebliche Setzungsschäden an Gebäuden und Anlagen verursachen.“ Tatsächlich habe man mal vor etwa 70 Jahren darüber nachgedacht – und habe die Überlegung wieder verworfen. Die Wehre seien notwendig zur Erhaltung der heutigen Infrastruktur.

Auch für die Stadtwerke Hameln wäre ein Leben ohne Wehr nicht das gleiche. Etwa vier Millionen Kilowattstunden pro Jahr produziert die Turbine an der Pfortmühle, die seit 1912 besteht. Das entspricht einem Drittel der gesamten Strommenge, die die Stadtwerke aus Wasserkraft gewinnen. Ohne Wehr keine Höhendifferenz, kein Turbinenantrieb, keine Stromgewinnung, weniger Geld.

Lediglich Fische hätten es wirklich leichter ohne Wehr: Ohne die vom Menschen geschaffene für sie unüberwindbare Klippe wäre auch die für 680 000 Euro gebaute Fischtreppe, auch Mäanderfischpass genannt, am Unteren Wehr obsolet.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare