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Nur noch klassische Musik

Weihnachtszauber diesmal komplett GEMA-frei

BÜCKEBURG. Eine maßlose Gebührensteigerung der GEMA lässt den Veranstaltern des Weihnachtszaubers keine andere Wahl: Der Weihnachtszauber 2017 wird komplett GEMA-freie Zone sein, es wird ausschließlich GEMA-freie klassische Musik gespielt.

veröffentlicht am 12.10.2017 um 16:57 Uhr

Die heimische Band Filou will in diesem Jahr auf dem Weihnachtszauber mit weihnachtlicher Swingmusik – natürlich komplett GEMA-frei – unterhalten. Foto: JP
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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Wenn am 30. November der 16. Weihnachtszauber auf Schloss Bückeburg seine Tore öffnet, dann wird die Besucher wie gewohnt ein exorbitant prächtig geschmücktes und beleuchtetes Schlossareal sowie ein ausgefeiltes Rahmenprogramm an allen elf Veranstaltungstagen erwarten – mit einem kleinen, aber sicherlich nicht ganz unwesentlichen, akustischen Unterschied: Musikalisch wird sich der Weihnachtszauber, der in diesem Jahr unter dem Motto „Sternstunden – alles was glänzt“ steht, ganz klassisch präsentieren und im besten Sinne weihnachtlich-nostalgisch.

Das geschieht allerdings nicht ganz freiwillig: Vielmehr lässt eine plötzliche Gebührensteigerung seitens der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte – kurz GEMA – den Veranstaltern keine andere Wahl, als diesmal komplett auf moderne (und somit GEMA-pflichtige) Melodien und Rhythmen zu verzichten.

Das, was die GEMA da auf einmal an Forderungen in den Raum stellt, mutet in der Tat abenteuerlich an. Zahlte die Landpartie Schloss Bückeburg GmbH & Co. KG, Veranstalterin von Landpartie und Weihnachtszauber, bislang stets eine vierstellige Pauschale, so verlangt die GEMA in diesem Jahr auf einmal mehr als das 15-fache – von jetzt auf gleich eine sechsstellige Summe!

Ob Lichtershow auf dem Schlossplatz oder Wassershow im Schlosspark – alles wird in diesem Jahr musikalisch GEMA-frei ablaufen. Foto: JP
  • Ob Lichtershow auf dem Schlossplatz oder Wassershow im Schlosspark – alles wird in diesem Jahr musikalisch GEMA-frei ablaufen. Foto: JP

Wie konnte es zu einer derartig drastischen Gebührensteigerung kommen, ohne dass am Konzept des Weihnachtszaubers grundsätzlich etwas geändert wurde? Laut Veranstalterin Mechthild Wilke hat die Zuständigkeit für die Veranstaltung von der GEMA-Geschäftsstelle in Hamburg nach Berlin gewechselt, und dort sei man zu einer anderen Bewertung als bisher gekommen. Konkret habe man nun an den Weihnachtszauber den Maßstab einer reinen Musikveranstaltung gelegt, „so, als seien wir ein Helene-Fischer-Konzert“, sagt Wilke. Ihre Argumentation, dass es sich vielmehr um eine weihnachtliche Verkaufsveranstaltung handelt, bei der die Musik nur im Rahmenprogramm und das auch nur in einigen ausgewählten Bereichen eingesetzt wird, sei sowohl bei dem zuständigen Sachbearbeiter als auch bei der GEMA-Schlichtungsstelle auf taube Ohren gestoßen.

Ein solcher Betrag sei unmöglich zu akzeptieren, stellte Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe klar. Generell sei die GEMA eine sehr gute Sache, betonte er. „Ich bin absolut dafür, dass Künstler für ihre Arbeit angemessen bezahlt werden. Das kann aber kein Grund dafür sein, uns gegenüber in absolute Maßlosigkeit zu verfallen.“ Die Konsequenz: „Wir begrüßen unsere Besucher in diesem Jahr zum ersten GEMA-freien Weihnachtszauber.“ Dies umfasst tatsächlich das gesamte Rahmenprogramm, angefangen von der Revue im Nostalgiezelt über die Musikuntermalung der Wassershow im Schlosspark bis hin zur beliebten Lichtershow auf dem Schlossplatz. Auch die diversen beteiligten Künstler haben sich bereits darauf eingestellt: „Weihnachtliche Swing-Musik“ lautet beispielsweise das Programm der heimischen Band Filou – natürlich auch komplett GEMA-frei, was laut Mechthild Wilke der Veranstaltung an sich sehr guttut: „Wir gehen eben auch musikalisch ,back to the roots‘ und werden wieder ganz klassisch weihnachtlich.“

Für die GEMA heißt das hingegen: Statt einer sechsstelligen Gebühr sieht die Gesellschaft in diesem Jahr vom Weihnachtszauber keinen Cent. Die vierstellige Summe, die bisher an die GEMA gezahlt wurde, wollen Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe und Mechthild Wilke stattdessen den am Weihnachtszauber beteiligten Künstlern direkt zu Gute kommen lassen.

Von der GEMA selbst lag trotz Nachfrage bis zuletzt zu dem Vorgang keine Stellungnahme vor.

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