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Wehrbeauftragter berichtet zu Heeresflieger

Weiter Probleme mit dem Fähigkeitstransfer

BÜCKEBURG/BERLIN. Das Personal der Hubschrauberverbände des Heeres war und ist durch den Fähigkeitstransfer Hubschrauber zwischen Heer und Luftwaffe zahlreichen Problemen ausgesetzt. Das hat der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels, in seinem Jahresbericht 2016 festgestellt, den er jüngst in Berlin vorgelegt hat.

veröffentlicht am 16.02.2017 um 15:00 Uhr
aktualisiert am 16.02.2017 um 18:20 Uhr

Mit dem neuen Mittleren Transporthubschrauber NH90, hier ein Foto vom Tag der Bundeswehr in Bückeburg im Juni 2016, erreichte die Bundeswehr im vergangenen Jahr nur eine Einsatzfähigkeit von 31 Prozent. Fotos: Archiv/dpa
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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BÜCKEBURG/BERLIN. Das Personal der Hubschrauberverbände des Heeres war und ist durch den Fähigkeitstransfer Hubschrauber zwischen Heer und Luftwaffe zahlreichen Problemen ausgesetzt. Das hat der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels, in seinem Jahresbericht 2016 festgestellt den er jüngst in Berlin vorgelegt hat. Im Rahmen der Transformation der Bundeswehr war beschlossen worden, dass der Mittlere Transporthubschrauber CH-53 vom Heer zur Luftwaffe transferiert wird. CH-53-Standorte des Heeres wurden geschlossen, auch am Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum Bückeburg wird nicht mehr auf der CH-53 im Realflugbetrieb ausgebildet. Nur die Simulatoren sind noch in Bückeburg verblieben.

Wie bereits in den letzten Jahresberichten geschildert, sei zunächst das sogenannte Querschnittspersonal betroffen gewesen, das in der Regel nicht von der Luftwaffe übernommen wurde und damit für andere Aufgaben an andere Heeresstandorte versetzt werden musste, schreibt Bartels in seinem Jahresbericht. Aber auch das fliegerische Personal habe sich der Situation gegenüber gesehen, dass nicht für jeden Piloten ein Platz in der neuen Struktur vorhanden ist. Dies sei für einen Teil der Piloten mit einer Entpflichtung verbunden gewesen, also der Herauslösung aus der fliegerischen Verwendung: „Was viele verständlicherweise schwer getroffen hat“, wie der Wehrbeauftragte feststellt.

Von ursprünglich 900 Dienstposten werden nach Angaben des Wehrbeauftragten am Ende nur noch 450 zur Verfügung stehen: „Mit dem für den 31. Dezember 2016 angekündigten Abschluss der Neugliederung der Heeresfliegertruppe sollte nun endlich jeder Luftfahrzeugführer Klarheit darüber haben, ob er auf den neuen Waffensystemen NH90, Tiger und EC-135 einen der noch verbleibenden Dienstposten erhalten konnte und damit weiter fliegen darf.“

Hans-Peter Bartels
  • Hans-Peter Bartels

Der Blick auf die betroffenen Soldatinnen und Soldaten des Heeres dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die Luftwaffe die Auswirkungen des Fähigkeitstransfers noch heute zu spüren bekommt. So sei mit der im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr getroffenen Entscheidung, die CH-53 zur Luftwaffe zu übertragen, für das Heer die Notwendigkeit entfallen, die Regeneration von Personal auf den bestehenden Dienstposten der Bordtechnik-Feldwebel im Bereich CH-53 aufrechtzuerhalten. Bei der Luftwaffe fehlten allerdings zu diesem Zeitpunkt die Soll-Organisationsgrundlagen der neuen Struktur. In diesem Übergangszeitraum gab es keine Richtschnur, wie viel Personal in Zukunft benötigt würde: „Die in diesem Zeitraum nicht erfolgte Personaleinsteuerung zeigt sich nun in zunehmenden Vakanzen.“

Damit stehe auch die Luftwaffe vor der für die gesamte Bundeswehr geltenden Herausforderung, geeignetes Personal zu finden, dieses auszubilden und einsatzbereit zu halten. Vor dem Hintergrund eines langfristigen Mangels von circa 35 Prozent allein bei den Bordtechnikern stelle dies keine einfache Aufgabe dar. Dabei sei zu berücksichtigen, dass die CH-53-Verbände seit Mitte der 1990er-Jahre stetig reduziert worden sind – zuletzt auf ein einziges Geschwader, ohne dass die Einsatzverpflichtungen weniger geworden wären.

Die materielle Lage bei den Hubschraubern der Luftwaffe verschärft die Personalsituation. So fehle insbesondere die für die Ausbildung des Personals nötigen Hubschrauber. Im Berichtsjahr standen zeitweise 22 Hubschrauber CH-53, das entspricht einem Drittel des Gesamtbestandes, wesentlich länger als vorgesehen bei einer Vertragsfirma zur Wartung und Instandsetzung. Diese habe ihrerseits Personalengpässe gehabt, so Bartels.

Bei den Hubschraubern seien im Berichtsjahr Verbesserungen hinsichtlich der Einsatzbereitschaft bei einzelnen Typen zu verzeichnen, stellt der Wehrbeauftragte zu den Problemen der Bundeswehr bei der Einsatzbereitschaft und der Einführung neuer Hubschraubertypen fest. Bei den leichten Mehrzweckhubschraubern Bo 105 – er wurde am 31. Dezember 2016 aus der Nutzung genommen, ohne dass es bisher ein Nachfolgermodell für die Fliegerische Grundausbildung angehender Hubschrauberpiloten gibt – und Bell UH-1 lag die durchschnittliche Einsatzbereitschaft knapp über 70 Prozent, stellt der Wehrbeauftragte fest.

Dies könne jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass in wesentlichen Bereichen nur eine sehr eingeschränkte Einsatzbereitschaft besteht: Im Berichtsjahr seien im Mittel nach Angaben der Bundeswehr der Kampfhubschrauber Tiger zu 44 Prozent, die Transporthubschrauber NH90 (48 sind inzwischen ausgeliefert) und CH-53 waren zu 31 beziehungsweise 43 Prozent einsatzbereit. Hinweise während eines Truppenbesuches ließen darüber hinaus darauf schließen, dass Deutschland scheinbar nur mühsam in der Lage ist, bei einer Gesamtzahl von derzeit circa 60 Hubschraubern des Typs CH-53, fünf Hubschrauber durchhaltefähig im Einsatz zu belassen.

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