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Warum der Besuch des Beoga-Konzerts für unsere Autorin zu „hundert Fragezeichen“ führt

Weltklasse auf dem Dorf

STRÜCKEN. „Was soll man hier bloß in den Vordergrund stellen?“, lautet die kaum lösbare Frage, die beim Schreiben über das letzte Konzert auf dem Strückener Wirkhof auftaucht. Soll die Gruppe Beoga selbst im Mittelpunkt stehen? Wäre es wichtig, darüber zu schreiben, wie wunderbar die fünfköpfige Band mit musikalischen Elementen aus zahlreichen anderen Musikrichtungen spielte?

veröffentlicht am 12.10.2017 um 13:26 Uhr

Viele irische Musiker sind Multi-Instrumentalisten. Sean Og Graham, einer der beiden Knopfakkordeon-Spieler bei Beoga, ist auch ein Könner an der Gitarre. Foto: cm
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Autor

Claudia Masthoff Reporterin
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Sollte man darauf eingehen, wie viel Spaß es machte, dieser Musik mit ihren immer wieder überraschend wechselnden Rhythmen zuzuhören? Wie genial das musikalische Miteinander bei Beoga funktionierte? (Falls irgendwann einmal das rasante Synchronspielen zweier Knopfakkordeonisten olympische Disziplin werden sollte, saßen da mit Damian Mckee und Sean Og Graham ganz klar zwei Kandidaten für die Goldmedaille auf der Bühne.) Muss darüber berichtet werden, dass mit Eamon Murray ein absoluter Virtuose an der Bodhran (Handtrommel) den Rhythmus vorgab? Dass offensichtlich viele musikalische Fäden beim zurückhaltend agierenden Pianisten und Keyboarder Liam Bradley zusammenliefen? Muss betont werden, dass Geigerin und Sängerin Niamh Dunne mit ihrer weichen Stimme, ihrem Können am Instrument, ihrer Schönheit und ihrer Bühnenpräsenz die „Boy-Group“- Charaktere der Mitspieler prima ergänzte? Oder sollte man erwähnen, dass Beoga als Begleiter des bekannten Sängers und Songwriters Ed Sheeran schon vor mehr als 100 000 Leuten aufgetreten ist? Dass man sie zu den erfolgreichsten und innovativsten Musikern des New Irish Folk zählt?

Oder müsste hier stattdessen auf das Wunder eingegangen werden, dass es einem einzelnen Paar, nämlich Karin und Günter Schmidt, gelingt, solche viel gefragten Musiker für einen Auftritt in der Scheune eines kleinen Seminarhauses im Dörfchen Strücken zu gewinnen? Und wie das bei Wundern so ist, kommt man bei seinen Erklärungsversuchen leicht in Schwierigkeiten. „Es hat sich in der Musikszene herumgesprochen, dass Auftritte hier Spaß machen“, meint Organisatorin Karin Schmidt bescheiden. Ob dieser Satz als Erklärung für ihren Erfolg wirklich ausreicht? Mit Blick auf die vielen hochklassig besetzten Veranstaltungen, die in den vergangenen Jahren auf der rustikalen Scheunenbühne stattgefunden haben, kommen da Zweifel auf. Wenn so ein, „vernünftig“ betrachtet, eher unrealistisches Vorhaben gelingt, kann man wohl davon ausgehen, dass eine ganze Portion „Es-sollte-einfach-so-sein“-Magie im Spiel gewesen ist.

Das Schöne: Der Zauber des Ortes, der mit seinem wilden Garten, den Teichen, mit dem gastfreundlichen Haus inklusive Sauna und Schwimmbad, so viele gute Künstler anzieht, kommt zu hundert Prozent den Rintelner Musikfreunden zu Gute. Wo, wenn nicht hier, ergibt sich die Möglichkeit, ganz entspannte, weil überaus gastfreundlich aufgenommene, Weltklassemusiker in beinahe familiärem Rahmen zu erleben. Kein Zuhörer sitzt weiter als 15 Meter von der Bühne entfernt. Es gibt Raum für Begegnungen, Fragen und Gespräche. Die Dankbarkeit über diesen direkten Kontakt scheint dabei durchaus beidseitig zu sein. Das Publikum genießt es, Musiker ohne die innere wie äußere Distanz, die das große Showbusiness oft mit sich bringt, erleben zu können. Und am vergangenen Montag, ließ sich zudem beobachten, dass auch irische Vollblutmusiker, die den Jubel von 100 000 Festivalbesuchern kennengelernt haben, immer noch die leuchtenden Augen und das begeisterte Lob einzelner Menschen zu schätzen wissen.

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