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Mit dem Gästeführer unterwegs

Wenn Bückeburgs Nachtwächter für Ruhe sorgen

BÜCKEBURG. Zu „Erlebnisführungen“ durch Straßen und Gassen der ehemaligen Residenz lädt die Stadt Bückeburg regelmäßig ein. Die Gästeführer Dietmar Ostermeier und Wolfram Hesseling glänzen dabei mit Anekdoten und historischem Wissen.

veröffentlicht am 17.07.2017 um 16:16 Uhr

Horn, Laterne und Hellebarde gehören zur Standardausstattung. Eine spezielle Kleidung gab es nicht. „Ein Nachtwächter trug das, was er gerade hatte“, sagt Dietmar Ostermeier. Foto: tla

Autor:

Tanja Langejürgen
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BÜCKEBURG. „Ich ging durch die Gassen und guckte in die Fenster, ob auch alle Feuerstellen aus sind“, erzählt der Mann mit Horn, Laterne und Hellebarde den wissensdurstigen Umstehenden aus seiner unrühmlichen Geschichte. „Schon ein Funke konnte großen Schaden anrichten. Ein Nachtwächter darf sich keine Fehler erlauben, das sage ich Euch!“ Dietmar Ostermeier ist Gästeführer und seit 2009 zudem als Nachtwächter in Bückeburg und Rinteln unterwegs. Am Donnerstag nahm er seine Besuchergruppe mit auf einen Rundgang durch die Bückeburger Innenstadt und Schlossgarten mit Anekdoten sowie Klatsch & Tratsch aus der damaligen Zeit.

„Auch in der Liebesallee musste ich für Ruhe sorgen.“ Als Nachtwächter war er nicht immer beliebt und angesehen. Der Beruf galt als undankbar, unehrenhaft, und irgendwie wollte das zudem keiner freiwillig machen. Seine Kinder durften nicht zur Schule gehen. Somit stand schon fast fest, was aus ihnen später werden sollte: Nachtwächter. Horn, Laterne und Hellebarde gehören zur Standardausstattung. Eine spezielle Kleidung gab es nicht. „Ein Nachtwächter trug das, was er gerade hatte“, erzählt Ostermeier.

„Aber warum haben Nachtwächter eigentlich einen Hut auf“, fragt Dietmar Ostermeier in die Runde. „Nun ja, wegen der Notdürfte, die aus dem Fenster entleert wurden“, verrät er. Außerdem berichtet er über die Pest. Wer sich in der Verwaltung damals unbeliebt machte, wurde zum Pesthelfer ernannt. „In den Gassen traf der Nachtwächter schon auf so manch lichtscheue Gestalt. Ich musste oft Streit schlichten.“ An der Hofreitschule angekommen, erwähnt Ostermeier, dass die Bauern wohl mit ihren Stuten zum Decken vorbeikamen.

„Wir können euch als Gästeführer und Nachtwächter genug erzählen, weil es viele alte Dokumente aus dieser Zeit hier gibt. Es ist eine Erlebnisführung“, so Ostermeier, der aus Scheie kommt. Somit kann er seinen Besuchern gleichzeitig neben den Anekdoten und Pointen einen geschichtlichen Hintergrund bieten. „Bei der Stadtkirche denken viele Touristen anfangs, es sei eine katholische Kirche“, berichtet er.

Dietmar Ostermeier absolvierte eine Ausbildung zum Gästeführer und teilt sich die „Nachtschichten“ mit Wolf dem Nachtwächter alias Wolfram Hesseling.

Öffentliche Führungen mit einem der beiden Nachtwächter Dietmar Ostermeier oder Wolfram Hesseling finden immer am ersten Donnerstag im Monat statt. Treffpunkt ist um 20 Uhr am Marktbrunnen. Der nächste Rundgang ist am Donnerstag, 3. August.

Weitere Informationen gibt es online unter nachtwaechter-bueckeburg.de oder impressionen-bueckeburg.de oder auf der Homepage der Stadt Bückeburg unter Veranstaltungen.

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