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Abenteuerliche Tage im Kloster

Wenn der Novizenmeister läutet

EILSEN. 70 Kinder der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde aus Eilsen und Steinbergen haben das Klosterleben kennengelernt: Sie waren zu einer spannenden Freizeit im Kloster Möllenbeck.

veröffentlicht am 15.09.2017 um 13:54 Uhr

Im „Skriptorium“: Es ist doch anders, mit einer Feder ordentlich zu schreiben. Aber die jungen Nonnen lernen schnell. Foto: hil
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Anja Hillmann Reporterin
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Während in vorausgehenden Jahren die beliebten Kinderfreizeiten der Kirchengemeinde Bad Eilsen unter Leitung von Ingmar Everding sich mit unterschiedlichen Themen im CVJM-Haus Bösingfeld abspielten, ging es in diesem Jahr für die Mädchen und Jungen gemeinsam mit Kindern aus Steinbergen und Umgebung in das Kloster nach Möllenbeck. 70 Mädchen und Jungen im Alter zwischen sieben und elf Jahren hatten sich zu dem Klostererlebniswochenende angemeldet.

Die meisten Kids stiegen neugierig und fröhlich aus den Autos, aber einigen war auch anzumerken, dass die hohen und dicken Mauern der Klosteranlage durchaus Respekt einflößend wirken können. Deshalb gab es zunächst im geräumigen Innenhof des Klosters Begrüßungsspiele und anschließend eine Klostererkundung. Nachdem dann im Winterrefektorium gemeinsam gegessen worden war und die erste Gebetszeit, das „Komplet“, beendet war, hatte sich schon eine angenehme Wohlfühlstimmung ausgebreitet.

Selbst die strengen Novizenmeister, die anschließend die Zelleneinteilung übernahmen, wirkten auf die Teilnehmer ganz natürlich. Danach stand die Einkleidung auf dem Programm. Natürlich musste niemand, wie im wahren Klosterleben, von seinen Haaren Abschied nehmen, aber ein Nonnengewand oder eine Mönchskutte anzulegen war auch schon spannend genug.

Immer an der Wand lang – wie die großen gehen auch die kleinen Nonnen und Mönche mit einer Kerze in der Hand auf dem Weg in die Kirche schweigend ganz nah an der Wand. Foto: hil
  • Immer an der Wand lang – wie die großen gehen auch die kleinen Nonnen und Mönche mit einer Kerze in der Hand auf dem Weg in die Kirche schweigend ganz nah an der Wand. Foto: hil

Bevor die vielen kleinen Schwestern und Brüder sich zum gemeinsamen Abendgebet in die Kapelle begaben, gab es noch große Aufregung im Kloster. Das Licht fiel aus und die Feuerglocke läutete. Alle Kinder liefen in den Kreuzgang, um sich dort zu versammeln. An sechs Stationen erlebten die Kinder dann eine Klosterbrandschutzübung erleben. So musste Feuer gelöscht, Wasser transportiert und Kranke versorgt werden. Besonders spannend war der Nebelraum, in dem die Kinder den Weg finden mussten. Anschließend war Nachtruhe angesagt.

In einem Kloster gibt

es keine Langschläfer

Im einem Kloster gibt es keine Langschläfer, denn die „Laudes“, das Morgengebet, wird bei Sonnenaufgang gebetet. Zwar läutete der Novizenmeister nicht schon um 6 Uhr aber doch kurz vor 7 Uhr die Kleinen aus ihrem Schlaf, damit sich alle pünktlich zur vollen Stunde in der Kapelle einfinden konnten. Einige der Kinder hatten gleich in ihren Kutten geschlafen, um morgens auch pünktlich beim Gebet zu sein.

Klosterleben ist durch einen strengen Tagesablauf geprägt, dessen Mittelpunkt die Tagesgebete im Drei-Stunden-Takt darstellen. Überraschenderweise war es für die Kinder nicht langweilig, sondern wirklich spannend, gemeinsam zu beten, zu knien, wieder aufzustehen und gemeinsam Lieder wie „Laudate Omnes Gentes“ zu singen. Der Lieblingssong wurde nach kürzester Zeit das fröhliche „Laudato si“.

Nun war das Klosterwochenende aber nicht nur von Laudes, Prim, Terz und Vesper geprägt, sondern von vielen aufregenden Aktionen, die das Klosterleben wiederspiegelten. Sticken und Weben, das Schreiben mit Feder und Tinte, Rosenkränze knoten, Freskenmalerei und die Kräuterkunde im Klostergarten waren nur einige der spannenden Workshops, die am Samstagnachmittag angeboten wurden. Am Abend ging es nach einer Kerzenprozession durch den Kreuzgang in die große Kirche. Dort wurde zum Schrecken aller festgestellt, dass freche Diebe den Klosterschatz entwendet hatten. Aber dank der Mithilfe von Bettlern, die in Möllenbeck verstreut am Wegesrand saßen, fanden die jungen Nonnen und Mönche ihren Schatz im Möllenbecker Findlingsgarten wieder.

Was nun das Beste an der Freizeit war, die gemeinsamen Gebete, die Gesänge, die Workshops, das klösterliche Essen mit Brennnesselsuppe und selbst gebackenem Kräuterbrot oder der Ablasshandel am Sonntag – da gehen die Meinungen bei den kleinen Schwestern und Brüdern sicher auseinander. Doch der Initiator und Gruppenleiter des Wochenendes, Ingmar Everding, und sein 20 köpfiges Team waren am Sonntagnachmittag zwar erschöpft, aber zufrieden. „Wir hatten eine tolle Zeit! Dank der super Mitarbeit aller Helfer von den Teamern über die Küchenmeisterinnen bis hin zum Reinigungsteam haben alle großartig zusammen gearbeitet – und nur so kann es funktionieren“, so Ingmar Everding.

Die Steinberger und Bad Eilser Kinder haben an diesem Wochenende viel über das klösterliche Leben gelernt – vor allem aber, dass man in einem Kloster trotz (oder wegen) Regeln, Gebet und Gesang auch jede Menge Spaß haben kann.

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