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Umfassende Angebote, damit die Mitarbeiter Job und Familie unter einen Hut bekommen

Wie BHW den Eltern unter die Arme greift

Freude beim Besuch im Kindergarten. Cerstin Läger (li.) ist auf Stippvisite bei ihrer Tochter Cristin. Während die Mutter arbeitet, spielt die Vierjährige im sogenannten BHW-Kindergarten.

veröffentlicht am 24.08.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:42 Uhr

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Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

Fotos: Wal

Hameln. Der Fortbestand der Bevölkerung will gesichert und das Wirtschaftswachstum angekurbelt werden – so klingen abstrakte Ziele von Volkswirten und Politikern. Konkret sieht das dann so aus: Vier Stunden Schlaf, weil die dreijährige Tochter schlecht träumt, 6 Uhr aufstehen, Frühstück fertig machen und sich selbst für die Arbeit, das Telefon klingelt – die Tagesmutter ist dran: „Ich bin krank und kann heut’ nicht!“ Jetzt zeigt sich, ob die viel beschworene „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ im eigenen Leben Realität oder nichts weiter als Wunschdenken ist …

Maren-Solveig Flemming (47) kennt solche Notfälle gut. Als dreifache Mutter hat sie, statistisch betrachtet, weit mehr als andere zur Sicherung der Bevölkerung beigetragen und wollte in jedem Fall auch weiterarbeiten. Ihr Arbeitgeber – die Postbank als Eigentümer des Baufinanzierers BHW – macht ihr das vergleichsweise leicht. So zum Beispiel mit der „Notfallbetreuung“, die in oben beschriebenen und ähnlichen Fällen greift. „Ich habe diesen Service etliche Male in Anspruch genommen“, erzählt Flemming, unter anderem, als in Hameln Bombenalarm war. Zehn Mal pro Jahr pro Kind können die Eltern unter den BHWisten den Dienst nutzen, ohne dafür zahlen zu müssen, erzählt die Mitarbeiterin der Personalabteilung. Bei Bedarf wird beim Kooperationspartner, der Familienservice GmbH in Hannover Hilfe bestellt. Ein Mitarbeiter (bei BHW ist es eine Frau und immer dieselbe) kommt so schnell es geht in die Lubahnstraße 2, nimmt die Kinder im eigens für die Betreuung großzügig gebauten und mit Spielzeug ausgerüsteten Raum in Empfang – und Mama kann an ihren Schreibtisch gehen. „Klappt super“, ist Flemmings Fazit und stößt damit ihre Kollegin Cerstin Läger (42) überhaupt erst auf dieses Angebot. „Wusst’ ich gar nicht, dass es das gibt“, sagt die zweifache Mutter, die im Kreditbereich arbeitet. Doch auch Läger erlebt ihren Arbeitgeber als familienfreundlich.

Damals, als sie nach der Geburt ihres Sohnes Frederic (11) wieder einsteigen wollte, gab’s drei Mal wöchentlich, einen Monat lang „Nachhilfe“, in der ihr Wissen über den Finanzmarkt und interne Abläufe auf den neuesten Stand gebracht wurde. Dieses Auffrischen des Know-hows wird heute allerdings nicht angeboten, die neue Software muss sich die Mutter bei ihrem zweiten Wiedereinstieg nebenbei beibringen lassen. „Ohne das Verständnis von Kollegen würde das alles gar nicht gehen“, weiß Läger. Es braucht Kollegen, die hilfsbereit sind, die nicht stöhnen, wenn das Kind gleich in den ersten drei Wochen nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz mit 40 Fieber flach liegt und man nach Hause muss, und die nicht murren, wenn der Griffel pünktlich nach fünf Stunden Arbeit um 13 Uhr fallen gelassen wird.

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  • Sie erleben die Vereinbarkeit von „Familie und Beruf“: Maren-Solveig Flemming (v. li.), Cerstin Läger und Christiane Krukemeier.

Teilzeitarbeit, wie Cerstin Läger sie nutzt, mit Recht auf Vormittagsbeschäftigung wird allen Mitarbeitern gewährt, die Kinder unter 16 Jahren haben; die Teilzeitquote liegt bei 26 Prozent. Überdies können Eltern unmittelbar im Anschluss an die Elternzeit noch ein weiteres Jahr unbezahlten Urlaub nehmen. Das Recht auf Wiedereinstellung nach der Geburt eines Kindes haben die BHW-Mitarbeiter sogar bis zu dessen Schulpflicht. Und wer möglichst schnell wieder einsteigen will, findet im sogenannten BHW-Kindergarten, der nur wenige Meter vom Arbeitsplatz entfernt liegt, in schönster Lage, auch einen Platz für den unter drei Jahre alten Nachwuchs.

Cristin (4) freut sich riesig, als ihre Mama Cerstin Läger plötzlich am Vormittag zu ungewohnter Zeit auftaucht, um zu zeigen, wo ihre Tochter ist, während sie selbst am Computer sitzt. Zusammen mit anderen Kindern, deren Eltern nicht beim Baufinanzierer arbeiten, turnt Cristin fröhlich über das Gelände. Wurden einst 75 BHW-Kinder betreut, sind es heute nur noch 23, erzählt Christiane Krukemeier. Sie leitet den Kindergarten in DRK-Trägerschaft, in dem der Baufinanzierer Plätze für „seine“ Kinder reserviert hat. Der demografische Wandel, der auch BHW erwischt, schlägt dort durch: Die Kinder der älteren Mitarbeiter sind groß, junge Nachwuchskräfte werden nicht mehr in dem Maße übernommen wie früher, der BHW-Nachwuchs geht zurück.

„Viele Betriebe konzentrieren sich nur auf die Ein- bis Dreijährigen“, weiß Maren-Solveig Flemming von anderen familienfreundlichen Unternehmen. Doch während der Schulzeit wird die Situation für berufstätige Eltern eigentlich noch problematischer und bedarf noch besserer Organisation, denn: Wer hat schon so viel Urlaub wie Schüler Ferien haben?. Auch dafür bietet der Familienservice Unterstützung an: Ferienbetreuung für alle BHW-Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren, allerdings für die Eltern kostenpflichtig. Für „eine Woche in den Oster-, zwei Wochen in den Sommer- und eine Woche in den Herbstferien“, werden thematische Projektwochen ausgearbeitet, erzählt Solveig-Maren Flemming, „eine tolle Sache“.

Die beiden Mütter wissen um die Vorteile, die sie genießen – kleinere Betriebe könnten die umfassenden Angebote nicht stricken. Aber, ist Flemming überzeugt, etwas wie den Familienservice in Hannover können auch Mittelständler in Anspruch nehmen. Eines jedenfalls macht ihre eigene Erfahrung deutlich: Wenn unterm Strich rauskommt, „dass das ganze Geld für Tagesmutter und Au-pair drauf geht“, was bei ihr anfangs der Fall war, muss an dem gesellschaftlichen Vorhaben „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ wohl noch gefeilt werden …

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