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Dr. Ulf Güber vertritt Auffassung der Waffenbehörde / Eigentümerin wild lebender Schafe bekannt?

Wild lebende Schafe: Stadt verweigert Schießerlaubnis

SCHAUMBURG. Ulrich Kipp und Anette Sievert vom Rintelner Ordnungsamt wollen nicht, dass Tiere sterben müssen, nur weil anscheinend niemand bereit ist, sie einzufangen. Beide möchten die Schafe, die im Wald rund um die Schaumburg leben, am Leben lassen. Der Amtsleiter und seine zuständige Sachbearbeiterin bieten dem Ansinnen des Forstamts Oldendorf, die vor mehr als einem Jahr ausgebüxte und nun wild lebende Herde abschießen zu lassen, Paroli (wir berichteten). Sie verweigern die Schießerlaubnis. Kipp: „Schafe sind Haustiere, kein Wild, auch wenn diese nicht gekennzeichnet sind.“

veröffentlicht am 19.03.2017 um 18:15 Uhr

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Jan Oldehus Reporter zur Autorenseite
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Entgegen wahrscheinlich landläufiger Meinung kann das Forstamt nicht mir nichts, dir nichts auf Tiere schießen oder schießen lassen, selbst wenn diese, wie im Fall der Schaumburger Schafherde, im Wald der Landesforsten leben. „Wir können eine Schießerlaubnis erteilen, etwa, wenn es um Schädlingsbekämpfung geht“, nennt Kipp ein Beispiel. Selbst für Salutschüsse müsse vorher beim Ordnungsamt eine Schießerlaubnis eingeholt werden. Und sogar der Schuss aus einem Betäubungsgewehr muss bei der Waffenbehörde beantragt werden. „Es gelten da strenge Voraussetzungen“, sagt der Ordnungsamtsleiter im Gespräch mit unserer Zeitung. „Vor allem muss der Antragsteller ein Bedürfnis nachweisen.“

Dass die Schafherde eine potenzielle Gefahr für Autofahrer darstellt, wie es Forstamtsleiter Christian Weigel gegenüber unserer Zeitung geäußert hat, wollen Sievert und Kipp nicht als Abschussgrund gelten lassen. Sievert: „Wildtiere laufen auch auf die Straße.“ Und speziell in dieser kurvigen Waldgegend müssten Autofahrer sowieso besonders umsichtig mit ihrem Fahrzeug unterwegs sein.

Dass die Schafe sich an jungen Pflanzen schadlos halten, auch das ist für Rintelns Waffenbehörde kein Grund, eine Abschussgenehmigung zu erteilen. Sievert: „Auch Wild knabbert Setzlinge und junge Bäume an.“ Kurzum: Die Stadt Rinteln sieht keine Veranlassung, in Sachen Schafherde aktiv zu werden. Ob das Forstamt den Klageweg beschreiten wird, bleibt abzuwarten – ob eine Person als Eigentümerin der Schafe zur Rechenschaft gezogen werden kann, wohl auch. Wie Weigel sagt, „ist bekannt, wem die gehören“. Kipp und Sievert vertreten – wie berichtet – auch in dieser Hinsicht eine andere Auffassung.

Die Rinde an diesem jungen Obstbaum weist deutliche „Verbissspuren“ auf.
  • Die Rinde an diesem jungen Obstbaum weist deutliche „Verbissspuren“ auf.

Mit dem „Fall“ der wild lebenden Schafe vertraut ist auch Dr. Ulf Güber vom Veterinäramt des Landkreises Schaumburg. Im Februar 2016 habe sich die Stadt Rinteln wegen der fraglichen Schießerlaubnis an ihn gewandt. Er, Güber, habe sich daraufhin bei der Rintelner Polizei gemeldet. Er sagt, die Halterin der Tiere sei „bekannt“. Deren Adresse sei von der Polizei ermittelt worden. Die Polizei, so Güber, habe mit der Halterin telefoniert. Diese habe die Halterschaft zugegeben. Die Frau habe dann „ihren Sohn geschickt, um die Tiere einzufangen“. Die Anschrift der Person sei der Stadt Rinteln mitgeteilt worden. Auf die Frage, ob die mutmaßliche Halterin das Eigentum an den Schafen aufgegeben hat, sagt Güber: „Das kann ich nicht bestätigen.“

Güber erklärt in einem Telefongespräch mit unserer Zeitung, er sei verwundert über die Absicht des Forstamts, die Schafe mit Gewehrschüssen töten lassen zu wollen. „Es passiert zigmal im Jahr, dass irgendwo Schafe entlaufen. Die können doch nicht einfach abgeschossen werden. Es liegt doch nichts vor, was akut ist.“ Zu einem Verkehrsunfall mit einem der Tiere sei es seines Wissens nie gekommen.

Güber ist Sachverständiger bei Sondereinsatztrainings der Polizei. Er unterweist die Beamtinnen und Beamten darin, wie sie notfalls ein Wildtier durch einen Todesschuss erlösen können, wenn dies durch den Aufprall auf ein Auto so schwer verletzt wurde, dass es – auf sich allein gestellt – keine Überlebenschance im Wald mehr hätte.

Für den Veterinärmediziner kommt der Abschuss der Schaumburger Schafe jedenfalls nicht in Betracht.

Fortsetzung folgt

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