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Sanierung des Turms der Meinser Kirche ab Januar 2018

„Wir reden über 6000 Ziegelsteine“

MEINSEN/WARBER. Mit der Sanierung des Turms der Meinser Kirche könnte bereits im Januar des soeben begonnenen Jahres angefangen werden. „Das Einrüsten ist jedoch von der Witterung abhängig“, so Dr.-Ing. Norbert Bergmann während einer Zusammenkunft im örtlichen Gemeindehaus.

veröffentlicht am 02.01.2018 um 10:42 Uhr
aktualisiert am 02.01.2018 um 16:30 Uhr

Der Turm der Meinser Kirche muss saniert werden. Foto: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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Gleichwie werde der Beginn der Maßnahme weithin sichtbar sein und für reichlich Gesprächsstoff sorgen, legte der Vertreter des Planungsbüros Bergmann GmbH (Pfaffenhofen) dar.

„Das Interesse an dem Vorhaben ist nicht nur seitens der Bewohner von Meinsen-Warber und Rusbend, sondern auch darüber hinaus sehr hoch“, erklärte Pastor Ulrich Hinz.

Der Turm des Gotteshauses, das seine Grundsteinlegung am 25. Oktober 1876 erlebte und das am 2. Oktober 1878 eingeweiht wurde, weist erhebliche Schäden auf. „Der hat Probleme“, wie es Experte Bergmann in seiner blumigen Sprache ausdrückte. An etlichen Stellen hat sich weißer Salzbelag gebildet, Teile der Steine lösen sich vom Kern ab und fallen heraus.

Dr.-Ing. Norbert Bergmann vom Pfaffenhofener Planungsbüro Bergmann. Foto: bus
  • Dr.-Ing. Norbert Bergmann vom Pfaffenhofener Planungsbüro Bergmann. Foto: bus
Das Gemäuer des Gotteshauses weist zahlreiche weiße Flecken und Absprengungen auf. Foto: bus
  • Das Gemäuer des Gotteshauses weist zahlreiche weiße Flecken und Absprengungen auf. Foto: bus

Hintergrund ist eine Behandlung der Turmoberfläche, die deren Wasseraufnahmefähigkeit veränderte. „Die Oberfläche ist quasi imprägniert worden“, führte der Ingenieur aus. Die sogenannte Hydrophobierung (abgeleitet vom griechischen „hydrophob“ also „wasserabweisend“) stelle eine in den 1970er- und 1980er-Jahren häufig verwendete Methode dar. „Das war damals landauf, landab eine Modeerscheinung.“

In Meinsen kommen fatalerweise handwerkliche Untugenden hinzu. „Es gab Verarbeitungsfehler, der Turm weist eine schlampige Verfugung auf“, schilderte Bergmann seine Untersuchungsergebnisse. Jetzt kann durch den Mörtel Wasser in die Steine eindringen, das bei Frost zu den Absprengungen führt. „Wir reden über 6000 geschädigte Ziegelsteine“, verdeutlichte der Fachmann die Dimensionen. Zudem müssen die maroden Fugen ausgebessert werden. „Hier geht es um die vorderen drei Zentimeter“, erklärte Bergmann.

Das Büro geht davon aus, dass die Arbeiten im November des Jahres 2018 abgeschlossen werden können. Während der Bauphase könnte die interessierte Bevölkerung im Rahmen eines Tages der offenen Tür über Details der Sanierung in Kenntnis gesetzt werden. Zu den kalkulierten Kosten wollte sich Bergmann eigentlich nicht äußern. „Die können definitiv erst im Anschluss an die genaue Schadenskartierung ermittelt werden.“ Er gehe aber davon aus, „dass die jetzt diskutierten 600 000 Euro reichen“.

Das über rund zwei Dutzend Mitarbeiter verfügende Büro Bergmann genießt in der Landeskirche einen durchaus guten Ruf. Es zeichnete unter anderem federführend für die Herrichtung der Stadtkirchenfassade verantwortlich. Gegenwärtig sind die Pfaffenhofener außer in Süddeutschland bei der Instandsetzung von Wasserkunst und Continental-Hochhaus in Hannover sowie des Kaiserdoms in Königslutter und der Porzellanmanufaktur in Fürstenberg engagiert.

Norbert Bergmann, der das Büro 1989 gründete, plauderte im Anschluss an den offiziellen Teil der Informationsveranstaltung aus dem Nähkästchen der Denkmalpflege. Insbesondere das Thema der Hydrophobierung hatte es dem Experten angetan. „Seinerzeit waren alle der Meinung, das ist etwas, was nicht schlecht sein kann, weil es doch so oft gemacht wird, das war eine regelrechte Welle.“

Heute wisse er, „dass das, was wir jetzt als Arbeit vor uns haben, die Folgen von damals sind“. Bergmann sprach Klartext und nannte auch Klarnamen, etwa den eines großen Chemieunternehmens. „Die haben den Markt in der Hand gehabt und mit ihren Aktivitäten die ganze Natursteinrestaurierung in Deutschland plattgemacht“, lautete sein Fazit. „Vor 30 Jahren wusste ich nichts von diesen Zusammenhängen, weder von den physikalischen noch von den kaufmännischen.“

Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke teilte mit, dass derzeit Terminabsprachen für ein großes Benefizkonzert laufen, dessen Einnahmen bei der Finanzierung der Instandsetzung Verwendung finden sollen.

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