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Angebote im Museum für Dorfkultur

Wo bleiben die Schulen?

EXTEN. Die Heimatstube hat in den letzten Jahren als touristisches Ziel in Exten Konkurrenz bekommen – von den Eisenhämmern, die mehr in den Fokus gerückt sind. Dabei sei auch die Heimatstube immer einen Besuch wert, betont Marie-Luise Bünte, die bei einem Rundgang die neuen Projekte im Museum vorstellt.

veröffentlicht am 19.06.2017 um 16:35 Uhr
aktualisiert am 19.06.2017 um 18:20 Uhr

Marie-Luise Bünte stellt bei einem Rundgang durchs Museum die neuen Projekte vor, hier das Mitmachbuch. Foto: wm
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Hans Weimann Reporter
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Konkret wünscht sie sich, dass im neuen Schuljahr die Rintelner Schulen mehr dieses Angebot nutzen und einen Museumsbesuch in den Unterricht integrieren sollten. Horst Vöge, Vorsitzender des Vereins für Heimatpflege und Kultur, fragt sich, im Auetal sei das möglich, warum in Rinteln nicht? Man habe bereits Schulen mehrfach angeschrieben, leider ohne Resonanz.

Immerhin hat es die Heimatstube in das Ferienspaß-Programm der Stadt geschafft. Termin ist Mittwoch, 5. Juli, es soll ein „Tag im Museum“ werden von 10.30 bis 16 Uhr mit einem Mittagsimbiss. Bünte hofft, dass viele junge Leute mitmachen.

Vielleicht hat sich noch nicht herumgesprochen, dass die „Heimatstube“ keineswegs mehr das ist, was man mit „Stube“ assoziieren könnte, unaufgeräumt und verstaubt. Die „Heimatstube“ ist heute ein „modernes“ Museum, das auch für Kinder und Jugendliche Angebote hat, die Dorfgeschichte, ländliches Leben erlebbar machen.

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Bünte zeigt zwei Beispiele für Mitmachaktionen: So kann man Klassenfotos ihren Entstehungsjahren von 1923 bis 2011 zuordnen. Fotos, die Spiegelbild des jeweiligen Zeitgeistes sind. Wer nicht aus Exten kommt und Personen auf den Fotos nicht kennt, hat nur die Kleidung der Schülerinnen und Schüler, ihre Frisuren, das Mobiliar im Hintergrund als Anhaltspunkt. Der Autor tippte bei elf Fotos neun Mal daneben.

Dann gibt es ein pfiffig gestaltetes Mitmach- und Nachdenkbuch, gewissermaßen ein Museums- und Dorf-Quiz, mit dem man durch die Räume gehen, Fragen beantworten und Entdeckungen machen kann. Nicht zuletzt deshalb hat das Museum den Förderpreis Museumspädagogik der VGH- Stiftung erhalten.

Es waren Studenten der Universität Oldenburg unter Regie der Dozentin Carolin Krämer, einer gebürtigen Extenerin, die geholfen hatten, das Museum umzugestalten. An jeder Station gibt es Schubladen die man aufziehen und weitere Entdeckungen machen kann, Urkunden lesen, Fotos betrachten, Exponate bestaunen. Ein Rundgang führt vor Augen, was und wer im Dorf das gesellschaftliche wie berufliche Leben geprägt hat: Korbmacher, Landwirte, Schneider, Bäcker, die Schützengilde. Manche Vereine sind inzwischen verschwunden, wie der „Unterhaltungsclub Gemütlichkeit“, dessen Prinzenkostüme in einer Vitrine ausgestellt sind. Auch die Poststation, der Spiegel von Schneidermeister Bünte, die Lachsgabeln, die daran erinnern, dass früher in der Exter so viele Lachse schwammen, dass in Haushalten oft zweimal in der Woche Fisch auf den Teller kam, haben im Museum ihren Platz gefunden. Die neueste Abteilung, zeigt Bünte, ist die Bibliothek mit Zeitungen aus dem Jahr 1859, Broschüren und Bücher.

Aufgeräumt ist inzwischen auch das Dorfarchiv. Es gibt keine Leitzordner mehr, sondern Kästen, in denen Fotos und Dokumente verwahrt und registriert sind mit computergestützter Suchfunktion.

Das Archiv, wünscht sich Bünte, sollte fortgeschrieben werden. Deshalb bittet sie alle Vereinsvorstände im Ort, ihr nach jeder Jahresversammlung das Protokoll als Kopie zur Verfügung zu stellen.

Und die Konkurrenz um Besucher zwischen Museum und Eisenhämmern? Das, sagt Vöge, müsse man differenziert betrachten. Besucher der Eisenhämmer interessierten sich gezielt für Technik und Industriegeschichte. Nicht alle seien deshalb dazu zu motivieren, sich danach auch noch das Museum anzuschauen.

Das Museum für Dorfkultur am Anger hat jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Führungen für Gruppen kann man problemlos auch zu anderen Terminen am Telefon absprechen unter 0 57 51/24 01 oder direkt bei Marie-Luise Bünte 0 57 51/4 42 88.

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