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Rektor Manfred Koech nimmt Abschied

"Wünsche der Hauptschule nicht, dass sie bestehen bleibt"

Stadthagen (ssr). Der ganz persönliche Abschiedswunsch klingt keineswegs verbittert, sondern vielmehr ganz entschieden auf ein anderes Schulsystem hin ausgerichtet. "Ich wünsche der Hauptschule nicht, dass sie bestehen bleibt", legt sich Manfred Koech (62, Bild) kompromisslos fest. Das sagt kein anderer als ein scheidender Hauptschulrektor: Der Pädagoge verlässt in diesen Ferientagen nach zwei Jahren Dienstzeit als Leiter der Haupt- und Realschule Am Schlosspark sein Büro und geht in den Ruhestand.

veröffentlicht am 11.08.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:26 Uhr

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"Unbegreiflich" sei es ihm, sagt Koech kopfschüttelnd, "dass die Kinder überall um uns herum in Europa und anderswo acht oder zehn Jahre lang gemeinsam zur Schule gehen - nur in unserem dreigegliederten System läuft es anders - und das liegt an ideologischen Scheuklappen." Bereits nach der vierten Klasse weitreichende Entscheidungenüber die Schullaufbahn zu treffen, sei dem Entwicklungsstand von Zehnjährigen einfach nicht angemessen, ist der Pädagoge überzeugt. Einen "Ausleserest" stelle die Schülerschaft der Hauptschule dar, meint Koech. Zwar werde stets auf die Durchlässigkeit des Schulsystems verwiesen, aber: "Wer behauptet, dass es Hauptschüler in der Praxis in ernst zu nehmender Zahl in die Realschule oder gar bis zum Abitur schaffen können, streut den Betroffenen schlicht Sand in die Augen." Es habe keinen Zweck, darum herum zu reden, "dass die Hauptschüler es doch genau spüren, dass sie sich am unteren Rand der Gesellschaft bewegen". Auf Grund der schwierigen Perspektiven sei ihre Motivation "äußerst schlecht". 26 Jahre lang war Koech zuvor Leiter von Orientierungsstufen (OSt) gewesen, von 1996 bis zu ihrer Auflösung an der Stadthäger OSt Hinter der Burg. Ein "überzeugter und begeisterter" OSt-Lehrer sei er über zwei Jahrzehnte lang gewesen, bekennt Koech. "Richtig gelitten" hätten er und viele seiner Kollegen unter der Abschaffung dieser Schulform, erinnert sich der gebürtige Königsberger. Denn die OSt sei "ein Kompromiss gewesen, der ganz gut funktioniert hat".

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