weather-image
Veterinäramt bezieht Stellung

Zahnlos bei Hundeangriffen?

LANDKREIS. Mehr als 150 Kommentare gingen innerhalb kürzester Zeit ein: Der Fall einer Buchholzerin, die bei einem Angriff zweier großer Hunde auf ihren Zwergpinscher schwer verletzt wurde, bewegt offenbar die Gemüter. Der Hund überlebte den grausigen Vorfall nicht (wir berichteten). Mehrere Leser berichten von eigenen Erlebnissen mit aggressiven Hunden, unter anderem in Rinteln und dem Auetal. Einhellige Meinung im Gespräch mit der Redaktion: Veterinär- und das Ordnungsamt tun zu wenig, wenn Hunde gewalttätig werden. Wir haben den Leiter des Schaumburger Veterinäramts dazu befragt.

veröffentlicht am 11.08.2017 um 16:55 Uhr
aktualisiert am 11.08.2017 um 18:10 Uhr

Ein belgischer Schäferhund fletscht die Zähne. FOto: dpa
DSC_8809

Autor

Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Gleich zu Anfang stellt Wilhelm Brase klar, dass das Veterinäramt natürlich nur tätig werden könne, wenn es über Vorfälle auch informiert werde. „Dann sind wir auch verpflichtet, zu handeln“, betont der Tierarzt. Anders sehe es aus bei Aussagen wie etwa „Der Hund soll schon mal“, oder „Man weiß doch, dass der Hund...“. Damit könne er wenig anfangen. „Wir brauchen belastbare Informationen“, so Brase. Wenn Menschen verletzt worden seien, „dann glauben Sie mir, dass der Hund noch heute beauflagt wird“, so Brase. Das heißt: Leinen- und Maulkorbpflicht.

Danach werde der Hund beurteilt. „Entweder er ist gefährlich, oder eben nicht.“ Auch wenn der Hund nicht als gefährlich eingestuft wurde, kann das Veterinäramt gegenüber dem Ordnungsamt empfehlen, eine Leinen- oder Maulkorbpflicht durchzusetzen.

Dennoch deckt sich die Arbeit des Veterinäramts nicht mit der Erwartungshaltung vieler Bürger. Mehrere Leser beklagen im Gespräch mit der Redaktion, sie hätten sich nach Beißangriffen auf ihre Hunde alleingelassen gefühlt, und wären vom Veterinäramt enttäuscht. Brase sagt: „Die Erwartungshaltung der Menschen ist: ,Der Hund muss weg‘“. So einfach sei das aber oft nicht. Aggressive Vierbeiner könnten nur in äußersten Ausnahmefällen eingeschläfert werden. Eine Ausgangssperre dürfe man ebenfalls nicht verhängen – „ein Hund muss ausgeführt werden.“

Grundsätzlich halte er das niedersächsische Hundegesetz für gut, betont Brase. Klar, manchmal machten die behördlichen Fristen das Arbeiten etwas schwerfällig – aber grundsätzlich gebe das Gesetz den Tierärzten des Veterinäramts auch genügend Ermessensspielraum, um individuellen Fällen gerecht zu werden. „Wir machen diesen Job gerne und gut“, reagiert Brase auf die Kritik. Allerdings müsste eben bedacht werden, dass auch die Hundehalter Rechte haben. „Ich habe selber zwei Hunde, und würde auch nicht wollen, dass andere Bewohner darüber entscheiden dürfen, ob die wegmüssen.“

Bei der Beurteilung der Gefährlichkeit von Hunden gebe sich das Veterinäramt große Mühe – mehr als vom Gesetz teilweise verlangt. „Ich schnappe mir dann auch mal selber den Hund und gehe mit ihm eine Runde“, erklärt Brase. Und das Veterinäramt schreibe die Zeugen an und bitte um Stellungnahmen. „Aber fragen Sie lieber nicht, wie da der Rücklauf ist.“ In den meisten Fällen nämlich bescheiden.

Auch sehe er es kritisch, wenn mit anonymen Anrufen andere Hundehalter angeschwärzt werden. „Wir verraten den Namen natürlich nicht“, versichert Brase, „aber ich will schon wissen, mit wem ich spreche.“

Mein Standpunkt
DSC_8809
Von Jakob Gokl

Selten bekommen wir so viele Zuschriften in so kurzer Zeit. Einigen werden wir im Einzelfall nachgehen. Es scheint sich abzuzeichnen, dass die Krux ähnlich wie bei strafrechtlichen Verurteilungen darin besteht, dass die Erwartungen der Öffentlichkeit sich nicht mit dem decken, was die Behörden liefern können. Grundsätzlich habe ich aber Vertrauen in unsere Institutionen –und in das heimische Veterinäramt. Sie machen sich ihre Entscheidungen nicht leicht.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare