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Ausprobiert: Eine Nacht auf dem Wilhelmstein im Steinhuder Meer / Ab Sonnenuntergang ist absolute Ruhe

Zum Schlafen auf die Insel

Eine Überfahrt auf die Inselfestung Wilhelmstein im Steinhuder Meer ist eine Reise wert. Vor allem, wenn man Abgeschiedenheit und Ruhe liebt.

veröffentlicht am 11.08.2017 um 17:53 Uhr

Wer segeln kann und sich ein Boot organisiert, kann auch selbst zum Wilhelmstein übersetzen. Foto: Meding

Autor:

Conrad Meding
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Militärische Bedeutung hatte die Inselfestung im Steinhuder Meer nur während einer kurzen Belagerung durch die Hessen 1787. Weil Graf Wilhelm aber Schlafstätten für bis zu 250 Soldaten hat anlegen lassen, kann man auf Wilhelmstein übernachten. Davon profitieren jetzt Kurzurlauber: Die alten Unterkünfte sind zu Touristenzimmern umgebaut, und sogar zu ziemlich bequemen. Wir haben es ausprobiert.

Unten Kanonen, oben Ausblick

Eigentlich setzen Wilhelmstein-Besucher mit den romantischen Auswandererbooten über oder, wenn es schneller gehen soll, mit einem Fahrgastschiff von Mardorf oder Steinhude aus. Wir hatten die Wochenendnacht Freunden zum 50. Geburtstag geschenkt, und weil die Segler sind und in Mardorf ein Boot haben, konnten wir individueller anreisen.

Gemütlich: Die Soldaten dürften um einiges weniger bequem geschlafen haben. Foto: Meding
  • Gemütlich: Die Soldaten dürften um einiges weniger bequem geschlafen haben. Foto: Meding
Foto: Meding
  • Foto: Meding
Blick von oben: In den Kasematten sind die Gästezimmer eingerichtet. Foto: Meding
  • Blick von oben: In den Kasematten sind die Gästezimmer eingerichtet. Foto: Meding
Ein kleines Idyll in der Ferne: die Insel Wilhelmstein. Foto: Meding
  • Ein kleines Idyll in der Ferne: die Insel Wilhelmstein. Foto: Meding
Wuchtig: Die Festung von 1767 kann von den Besuchern besichtigt werden. Foto: Meding
  • Wuchtig: Die Festung von 1767 kann von den Besuchern besichtigt werden. Foto: Meding
Gemütlich: Die Soldaten dürften um einiges weniger bequem geschlafen haben. Foto: Meding
Foto: Meding
Blick von oben: In den Kasematten sind die Gästezimmer eingerichtet. Foto: Meding
Ein kleines Idyll in der Ferne: die Insel Wilhelmstein. Foto: Meding
Wuchtig: Die Festung von 1767 kann von den Besuchern besichtigt werden. Foto: Meding

Hin- und Rückfahrt dauerten jeweils eine Stunde: Bei der Hinfahrt war es stürmisch, ein Boot war gekentert und der Rettungsversuch nahm Zeit in Anspruch. Bei der Rückfahrt war Flaute, aber der Seglerstolz verbot es, den Elektromotor anzuwerfen.

Der 1767 künstlich aufgeschüttete Wilhelmstein gilt gemeinhin als Spinnerei eines militaristisch ambitionierten Kleinfürsten. Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe meinte es aber durchaus ernst mit der Verteidigung seiner Grafschaft, und die militärhistorische Ausstellung im (wegen Feuchtigkeit inzwischen ziemlich muffigen) Kellergeschoss zeugt davon, wie sehr der Graf auf der Höhe der Zeit war. Mehr Frischluft gibt es auf der Aussichtsplattform, von der aus man bei gutem Wetter eine tolle Ringsumsicht auf den Binnensee hat.

Was aber macht man nachts auf dieser Insel? Partyzonen wie auf spanischen Ferieninseln gibt es naturgemäß nicht, die Besucher der insgesamt sechs Doppelzimmer sind unter sich. Auch für ausführliche Spaziergänge bietet das Eiland mit seinen 12 500 Quadratmetern Fläche kaum Raum: Wer gemütlich spaziert, hat nach einer halben Stunde eigentlich alles gesehen. Dafür leiht die freundliche Inselgastronomie den Gästen auf Vorbestellung einen Gasgrill aus, vor den umgebauten Gästehäusern lässt sich die Zeit bei gegrillten Würstchen, mitgebrachten Salaten und Doppelkopfpartien gut verbringen, während die Sonne untergeht, die Segler das Steinhuder Meer räumen und irgendwann nur noch Möwen zu hören sind. Apropos Gästehäuser. Der Unterbringungsstandard der Soldaten zu Zeiten des Grafen dürfte wesentlich schlechter gewesen sein.

Die Bäder sind tipptopp

Die Verwaltung von Schloss Bückeburg hat in den vergangenen Jahren ziemlich investiert, die Gästezimmer sind in einem guten, rustikal-modernen Zustand, die Matratzen bequem, die Bäder tipptopp. Mit der Kommunikation zwischen Festland und Insel klappt nicht immer alles, die Verteilung der Gäste kann durchaus etwas chaotisch zugehen, aber das Inselpersonal gibt sich zuvorkommend und herzlich Mühe, alle Organisationspannen auszugleichen. Wer nicht selbst kochen will, kann sich von der Inselgastronomie verpflegen lassen, die im Zweifelsfall auch für Selbstversorger Brötchen aufbackt.

Wer zusätzlich Kultur genießen möchte, muss sich vorab über die Termine informieren: Mehrfach in der Saison gibt es sowohl Krimi-Dinershows als auch Konzerte auf der Insel. Die Besucher kommen abends mit einem Ausflugsschiff und fahren anschließend wieder. Kombinierbar ist der Aufenthalt auch mit einer standesamtlichen Trauung: Die Festung besitzt ein zugelassenes Hochzeitszimmer. Für große Hochzeitsgesellschaften aber reicht der Übernachtungsplatz in den Gästehäusern nicht – da müsste man wohl auf Zelte ausweichen. Das echte Gefühl, auf einer historischen Festung in alten Soldatenunterkünften zu schlafen, geht den Gästen dann aber verloren.

Information

Übernachten

Die Übernachtung im Doppelzimmer kostet 99 Euro, zu buchen über Schloss Bückeburg, Telefon 05722/955828. Die Wochenenden sind bis Saisonende im Oktober ausgebucht, unter der Woche gibt es noch freie Zimmer. Das Übersetzen mit den urigen Auswandererbooten kostet ab Steinhude 7 Euro für beide Strecken, für Kinder 4 Euro.

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