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Vergnügen nach Zeugniskonferenzen

Zur Belohnung ins Theater

BÜCKEBURG. Nach den Zeugniskonferenzen am Gymnasium Adolfinum hat dessen Theater-AG ernste Themen unterhaltsam aufgetischt.

veröffentlicht am 20.06.2017 um 14:41 Uhr
aktualisiert am 20.06.2017 um 16:00 Uhr

Nicki Balouchian als Eva, Miriam Barbi als innere Stimme. Foto: vhs

Autor:

Volkmar Heuer-Strathmann
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BÜCKEBURG. Kopfnoten, Fachnoten, Zeugnisbemerkungen – das waren die Stichworte des Nachmittags. Konferenzen standen am Adolfinum vor Kurzem auf dem Programm. Wer wie die Schulleitung danach noch das Glück hatte, einen Platz im Theaterraum zu bekommen, durfte erleben, wie geschickt die Theater-AG der Sekundarstufe I unter der Leitung von Gisela Tischler mit ernsten Themen umgeht und welche Begabungen dort Entfaltung finden.

In „Paul IV und die Schröders“, angelehnt an das erfolgreiche Kinderbuch von Andreas Steinhöfel, glänzte Memet Bastürk in der Titelrolle. Als Paul Walser lässt er sich vom Gerede und Getratsche nicht irremachen. Er hat nicht die Angst des Kleinbürgerkindes vor unkonventionellen Menschen. Und Memet spricht und spielt mit viel Herz. Als Erasmus Schröder wusste Leo Pape zu gefallen. Cool wie er auftritt, trägt er den kühnen Namen des Erneuerers zu Recht. Für Geschichtslehrer Köster (kantig und streng: Tim Teschner) sind solche Typen wie Paul und die Schröderkids nur Querköpfe. Eine schwerkranke Mutter, kein Thema. Hauptsache „Rom“, Hauptsache Ruhe! Der Mensch lernt ja angeblich im Schlaf …

Die größte Heiterkeit weckten die Kinder, als es an die Enttarnung der Erwachsenen ging. Verfehlungen, Gehässigkeiten, kleine Sünden, große Probleme – pointensicher und anspielungsstark wurde aufgespielt. Dabei kamen auch chorische Sprechpartien gut zur Geltung, etwa in der Aufreihung einer Garnitur tratschender Mütter zur Eröffnung.

„Bitterschokolade“ nach dem Bestseller von Mirjam Pressler stand danach in der Mensa als zweites Stück auf dem Programm. Die Regieidee, der inneren Stimme der Protagonistin Eva weiteren Raum zu geben als im Skript, erwies sich als Kunstgriff. Besonders intensiv wurde das Spiel rund um das Thema „Essstörung“, wenn Nicki Balouchian als Eva ihrem Inneren als Bühnenfigur unmittelbar gegenüberstand. Oder eben neben sich. Miriam Barbi wurde mit besonderem Applaus bedacht, so variantenreich war ihr Auftritt – ob gelähmt oder beflügelt, gedämpft oder euphorisch. Eva lernt, sich selbst mit Sympathie zu sehen. Kalorientabellen verlieren an Bedeutung, blöde Sprüche verlieren an Gewalt. Genuss und Gelassenheit gewinnen an Bedeutung. Mitschüler, Eltern und der Sportlehrer lernen auch ihre Lektion in Lebensbejahung.

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