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Brückentor: Den Verkehr neu lenken

Zwei Ampeln weniger?

RINTELN. Investoren haben einen ganz eigenen Blick auf Objekte, für die sie sich interessieren. Die Lage an der Weser und zur Fußgängerzone habe ihm gefallen, sagt Norbert Dittel, der einen Kaufvertrag für den Brückentor-Komplex unterschrieben hat (wir berichteten). Als Problem habe er allerdings den Verkehr dort gesehen.

veröffentlicht am 12.10.2017 um 18:07 Uhr

Idee zur Verkehrsoptimierung vorm Brückentorkomplex: Verzichtet man auf die Ampeln an der Fußgängerzone (unser Bild) und am Abzweig zum Parkplatz Wallstraße, würde die gesamte Ampelschaltung an der Kreuzung Pferdemarkt vereinfacht. Foto: jan
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Hans Weimann Reporter
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Eigentlich ist das Revier von Dittel und seiner Terra Nova GmbH, Gesellschaft für Baureifmachung und Bauträger mbH, die Stadt Bremen und deren Umland. Dort haben er und das Unternehmen einen Namen. Dittel hat unter anderem auf einem großen Gelände in Horn ein Polizeirevier, Büros, Praxen und Wohnungen errichtet, in Lilienthal Sozialwohnungen gebaut, in Uphusen ein Wohn- und Gewerbegebiet erschlossen.

Und Dittel war in Bremen Bäderwart des Landesschwimmvereins mit seinen 18 Vereinen, auch weil seine Tochter im Wasserballsport engagiert ist. Dort hat er den Obernkirchener Architekten Wolfgang Hein kennengelernt, der für Bremen ein Bäderkonzept entworfen hat. In Bückeburg im Herderquartier arbeiten Dittel und Hein derzeit schon zusammen. Jetzt der Brückentorkomplex.

Man könnte es sich so vorstellen: Der lag bei dem Obernkirchener Architekten noch in der Mappe für unerledigte Projekte. Denn Hein hat sich schon mehrfach dafür engagiert dem Brückentor neues Leben einzuhauchen. Zuletzt schien es vor zehn Jahren so, als habe man einen Schlüsselmieter gefunden: C & A. Die Modehaus-Managerin Alice Reitz reiste persönlich für die Verhandlungen aus Berlin nach Rinteln. Am Ende scheiterte es an den Details und am Zeitplan.

Diesmal soll es klappen. Politik und Verwaltung wollen es. Was in großen Zügen geplant ist, hat unsere Zeitung bereits vorgestellt: 25 Wohnungen, der Saal im ersten Stock, das Restaurant ganz nach oben, im Erdgeschoss Läden. Und Woolworth bleibt. Es gebe einen laufenden Mietvertrag erklärte Olga Bakanow von der Woolworth-Unternehmenskommunikation in Unna. Über eine Erweiterung und ein neues Konzept für die Filiale sei man mit dem Investor im Gespräch. Und es gibt weitere Interessenten für die Ladenzeile im Erdgeschoss.

Welche Unternehmen das sind, da wollte sich Hein noch nicht festlegen. Er geht davon aus: Werden alle Hürden genommen, könnten etwa Mitte oder spätestens Ende des Jahres 2019 die Bauarbeiter anrücken. Doch es gibt ein Zeitfenster, bis alle Verträge unter Dach und Fach sein sollten. Deadline ist Juni nächsten Jahres. Dann läuft die Option im Kaufvertrag aus. Dittel versicherte in einem Telefongespräch mit der Redaktion, klappe es mit dem Brückentorkomplex, werde dieser kein Durchlaufobjekt, also weiterverkauft, sondern das Brückentor „bleibt im Bestand“.

Größte Hürde ist die künftige Verkehrslenkung am Pferdemarkt. Denn nach Wunsch des Investors sollen Fußgänger das Brückentor von der Fußgängerzone aus besser erreichen können. Ideal wäre eine Fußgängerbrücke. Realisierung unwahrscheinlich: kein Platz, kaum bezahlbar.

Und da es hier um die Landesstraße 435 geht, ist auch die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Geschäftsbereich Hameln, mit im Boot. Behördenleiter Markus Brockmann erklärte in einem Telefongespräch, optimal sei aus seiner Sicht an dem „nicht ganz einfachen Knotenpunkt“ so wenig umzubauen wie möglich. Lkw brauchen Platz für ihre Schleppkurve, Radfahrer müssen einsortiert werden. Idee ist hier, auf zwei Ampeln zu verzichten: die an der Fußgängerzone und am Abzweig zum Parkplatz am Wall. Das würde die gesamte Ampelschaltung an der Kreuzung vereinfachen, mehr Phasen für Fußgänger erlauben.

Für welches Szenario man sich entscheidet, werde die nächste Gesprächsrunde ergeben, so Brockmann. Als Frage bleibt, wer die Umbauten bezahlt: Hein sieht hier „ein Gesamtpaket“ über das man reden werde.

Einfacher zu beantworten ist die Frage, wo sollen die künftigen Hausbewohner parken, die Kunden, die Hotelgäste? Da der Saal verlegt werde, so erläuterte Hein, habe man Platz für eine Tiefgarage auf zwei Ebenen. Zudem liegt das Parkhaus genau gegenüber. Möglich ist eine Erweiterung des Parkhauses um 40 Plätze, bestätigte GVS-Geschäftsführer Jürgen Peterson. Zwar könne die Parkpalette nicht aufgestockt werden, weil man dann auch die Gründung verändern müsste, aber in Richtung Weseranger gebe es noch freie Fläche.

Auch für das Hotel mit den derzeit 23 Zimmern ergeben sich neue Optionen. Die Zimmer sollen einen Balkon erhalten. Der Saal im ersten Stock könnte für Tagungen genutzt werden. Gepachtet ist das Hotel zurzeit von Haifa und Fanin Diab, die auch ein Hotel im Sauerland, in Schmallenberg, betreiben.

Das namensgebende Objekt des Komplexes ist derzeit noch der Torbogen aus Sandstein, einst Hauptelement des ehemaligen Wesertors aus der Festungszeit (1665 bis 1806). Beim Umbau des Brückentorkomplexes in den 80er Jahren war es ins Foyer des Brückentorsaals integriert worden.

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