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200 Liter Gefahrgut-Fass ausgelaufen und durch Rintelner Nordstadt verteilt

Großeinsatz für die Ortsfeuerwehren Rinteln und Todenmann. Ein Kleintransporter verlor am Montagabend gegen 18 Uhr fast 200 Liter eines flüssigen Gefahrguts. Ersten Informationen nach soll es sich um flüssiges Polyurethan handeln, das in Verbindung zu Wasser einen Hartschaum bildet. Der Transporter hielt ausgerechnet über einem Gullideckel.

veröffentlicht am 22.06.2020 um 19:21 Uhr
aktualisiert am 22.06.2020 um 20:04 Uhr

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Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
RINTELN. Ein plötzlicher Wolkenbruch hätte gestern Abend für echte Probleme gesorgt. Denn erst in Verbindung mit Wasser entfaltet Polyurethan seine volle Wirkung und wird zum hochwirksamen Bauschaum.

Unbemerkt vom Fahrzeugführer stürzte am Montagabend gegen 18 Uhr ein 230-Liter-Fass Polyurethan in einem Kleintranspoter um. Das Fass schlug leck, fast 200 Liter des Inhalts wurden während der Fahrt durch die Rintelner Nordstadt verteilt. Deutlich sichtbar zog sich die Spur über die Nordumgehung, den Kreis bis zum Toom-Baumarkt. Dort hielt der Fahrer an, bemerkte das umgestürzte Fass und alarmierte sofort die Feuerwehr.Doch wie es der Zufall wollte, hielt der Mann ausgerechnet über einem Gullideckel. Die Flüssigkeit gelangte direkt in die Kanalisation.

Wie der Mann im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte, nutzt er das Polyurethan, um Steinteppiche herzustellen. „Es darf nicht mit Wasser in Berührung kommen, sonst schäumt es auf“, betonte er. Die Feuerwehr riegelte den Bereich großräumig ab.

Bis zum Eintreffen der Feuerwehr war bereits so viel Bauschaum in die Kanalisation gelangt, dass Ortsbrandmeister Thomas Blaue ein Umsetzen des Fahrzeugs nicht mehr für sinnvoll hielt. Die Abwasserbetriebe Rinteln wurden alarmiert. Sie sollen den entstandenen Schaden an der Kanalisation überprüfen. Ein Ergebnis stand gestern Abend bis Redaktionsschluss noch nicht endgültig fest. Vor Ort wurde jedoch befürchtet, dass ein Teil der Kanalisation durch das aufgeschäumte Polyurethan komplett verstopft wurde.

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In einer ersten Maßnahme wurde das Gefahrgut mit Sand gebunden. Der im Baumarkt erhältliche Spielsand stellte sich aber zunächst als unwirksam heraus. Die Feuerwehr nutzte stattdessen als Notlösung eigene Bindemittel. Auch zahlreiche Straßen wurden bei der Fahrt durch die Nordstadt mit dem Polyurethan verunreinigt. Die sonst übliche Straßenreinigung sei in diesem Fall kontraproduktiv, erklärte Ortsbrandmeister Thomas Blaue. Sie werde schließlich mit Wasser durchgeführt.

Im Einsatz waren die Ortsfeuerwehren Rinteln und Todenmann mit etwa 40 Einsatzkräften.

Nach Angaben des Verursachers braucht das Polyurethan zwischen 12 und 24 Stunden, um vollständig auszuhärten. Ortsbrandmeister Blaue schlug daher vor, das Fahrzeug so lange auf dem Toom-Parkplatz stehen zu lassen und entsprechend zu sichern. Erst wenn das Kunstharz ausgehärtet ist, sollte der Transporter dann gefahrlos entfernt werden. Der Bauhof Rinteln überprüfte gestern Abend auch die Auswirkungen auf die Straße. Großflächige Straßensperrungen waren zumindest bis Redaktionsschluss nicht notwendig. Nach Einschätzung von Ortsbrandmeister Blaue bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung.




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