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Großfeuer in der Altstadt - auf der Anklagebank sitzt ein einschlägig vorbestrafter Mann

Brandstiftung aus verschmähter Liebe?

HESSISCH OLDENDORF. Vor dem Schöffengericht in Hameln hat der Prozess um eine besonders schwere Brandstiftung in der Altstadt von Hessisch Oldendorf begonnen. Auf der Anklagebank sitzt ein 30 Jahre alter Mann. Er ist nach Informationen unserer Zeitung einschlägig vorbestraft - wegen mehrerer Brandstiftungen.

veröffentlicht am 27.02.2019 um 11:22 Uhr
aktualisiert am 27.02.2019 um 15:37 Uhr

Feuer in der Altstadt von Hessisch Oldendorf. In der Tatnacht (am frühen Morgen des 16. September 2018) schlugen Flammen aus Dach, Türen und Fenstern. Das Wohn- und Geschäftshaus an der Langen Straße brannte aus. Schnell war klar: Der Brand wurde vor
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Daniel W. soll am frühen Morgen des 16. September 2018 rückfällig geworden sein. War das Motiv verschmähte Liebe oder pure Verzweiflung? Das ist die Frage, um die sich alles dreht. Das unter anderem für Brand- und Tötungsdelikte zuständige 1. Fachkommissariat des Zentralen Kriminaldienstes in Hameln ging seinerzeit von einem „Racheakt“ aus - die Staatsanwaltschaft Hannover leitete wohl auch deshalb gegen den Hessisch Oldendorfer ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung ein. In der Anklageschrift, die jetzt vor Gericht von einer Staatsanwältin verlesen wurden, war allerdings nichts mehr von einem versuchten Tötungsdelikt zu hören. Das lässt den Schluss zu, dass Daniel W. letztlich nicht mit der dafür erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden konnte, dass er in jener Nacht einen Tötungsvorsatz hatte oder den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen hat. Der Tatverdächtige soll kurz vor Ausbruch des Feuers eine 16-Jährige bedroht und wenig später in der Nähe des Hauses, in dem seine Angebetete wohnt, auf einem Innenhof einen Haufen Sperrmüll mit Spiritus bespritzt und angezündet haben. Matratzen, Spanplatten, Kleidung und Hausrat brannten kurz darauf lichterloh - und das zu nachtschlafender Zeit. Die Flammen breiteten sich rasend schnell aus, züngelten an einer Fassade empor und zerstörten ein Wohn- und Geschäftshaus an der Langen Straße (wir berichteten). Giftiger Qualm zog in ein bewohntes Nachbargebäude. Der Brand löste einen Großeinsatz der Feuerwehr und der Rettungsdienste aus. Daniel W. wurde noch vor Eintreffen der Polizei vorläufig festgenommen - von einem Wachmann, denn: Der Angeklagte war den Sicherheitsdienst-Mitarbeiten schon Stunden vor dem Brand aufgefallen, weil er ruhe- und rastlos hin- und herlief. Die Security-Männer waren um 1.21 Uhr durch einen Knall auf das Feuer aufmerksam geworden. Als kurz darauf ein Mädchen auf die Straße lief und rief, jemand wolle sie schlagen, tauchte Daniel W. plötzlich erneut auf. Weil er direkt auf die Jugendliche zustürmte, verhinderten die Wachleute ein Zusammentreffen. Der Verdächtige wurde zu Boden gebracht, gefesselt und wenig später der Polizei übergeben.

Daniel W. hat bei der Polizei ausgesagt, er habe das Feuer gelegt, weil er sich in den Flammen umbringen wollte. Gegenüber dem jungen Mädchen, das die Avancen des deutlich älteren Mannes nicht erwiderte, soll er Drohungen ausgestoßen haben - auch in der Tatnacht.

Daniel W. wurde vernommen und in ein Gefängnis gebracht - ein Richter hatte zuvor einen Untersuchungshaftbefehl verkündet. Fünf Monate nach der schweren Brandstiftung muss das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Ulrich Schöpe nun Beweise und Indizien, Zeugenaussagen und Gutachten bewerten, um am Ende ein gerechtes Strafmaß zu finden. Schon jetzt steht fest: Daniel W. drohen maximal vier Jahre Haft, denn die Strafgewalt des Amtsgerichts lässt die Verhängung einer längeren Freiheitsstrafe nicht zu. Am ersten Prozesstag wurde nur die Anklageschrift verlesen. Auch für den 4. März sei lediglich ein Kurztermin angesetzt worden, sagt Strafverteidiger Roman von Alvensleben. Interessant dürfte es am 20. März werden. An diesem Tag wird der vom Gericht bestellte psychiatrische Gutachter gehört. Es gehe dann auch um die Frage, ob die Steuerungsfähigkeit seines Mandanten in der Tatnacht eingeschränkt war oder nicht, sagt von Alvensleben.




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