weather-image
Mitarbeiter und Feuerwehrleute kommen mit Phosphin in Kontakt / Leitstelle löst Großeinsatz aus

Chemiealarm – vier Menschen in Klinik gebracht

GELLDORF. Feuerwehr und Rettungsdienst sind am Mittwochabend zur Industriestraße in Gelldorf gerufen worden. Der Server-Raum der Firma ITT Bornemann war stark verqualmt, Brandrauch zog auch in das 1. Obergeschoss. Bei dem Brand hat sich ein ätzendes und giftiges Gas gebildet. Zahlreiche Mitarbeiter und Feuerwehrleute kamen mit dem Gefahrstoff in Kontakt und mussten ärztlich behandelt werden. Vier Menschen wurden ins Krankenhaus gebracht.

veröffentlicht am 08.11.2018 um 17:27 Uhr

Großeinsatz bei Bornemann: Spezialisten der Umwelteinheit führten Messungen durch und konnten ein giftiges und ätzendes Gas nachweisen. Foto: leo
DSC_4666

Autor

Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Feuerwehr und Rettungsdienst sind am Mittwochabend zur Industriestraße in Gelldorf gerufen worden. Feuerwehrleute rüsteten sich mit schwerem Atemschutz aus und erkundeten in einem Server-Raum der Firma Bornemann die unklare Lage. Eine Platine habe geschmort. Dadurch hätten sich giftige Dämpfe gebildet, hieß es. Mitarbeiter seinen mit dem Gefahrstoff Phosphin in Kontakt gekommen – sie wurden von Rettungsteams behandelt.

Kurz nach 18 Uhr hatte die automatische Brandmeldeanlage des Pumpenherstellers ausgelöst. Die Feuerwehren Gelldorf und Obernkirchen rückten aus. „Alles sah nach einem Routineeinsatz aus“, sagt Obernkirchens Bürgermeister Oliver Schäfer, der sich vor Ort selbst ein Bild von der Situation machte.

Der Server-Raum war stark verqualmt. Brandrauch zog auch in das 1. Obergeschoss. Glücklicherweise hielt sich zu dieser Zeit in den Büroräumen niemand auf. Ausgerüstet mit schwerem Atemschutz wurde zunächst erkundet, danach sei der Raum mit Kohlendioxid geflutet worden. „Das Feuer erstickt dadurch“, erklärt Frank Messerschmidt von der Feuerwehr Obernkirchen. Ein Atemschutztrupp trug wenig später die verbrannte Batterie nach draußen. Feuerwehrleute brachten einen Hochdrucklüfter in Stellung. Mit Überdruck wurden die giftigen Brandgase aus dem Raum gedrückt.

Als bereits erste Einsatzkräfte aus Obernkirchen wieder eingerückt waren, bemerkten Feuerwehrleute einen unangenehmen Geruch. „Da wir nicht genau wussten, was für Dämpfe bei dem Brand der Batterie freigesetzt wurden, haben wir vorsichtshalber die Umwelteinheit des Landkreises Schaumburg alarmiert“, sagt Messerschmidt. Messfahrzeuge fuhren nach Gelldorf. Unter Atemschutz führten Experten Messungen in dem Werksgebäude durch. Die Spezialisten konnten das giftige und ätzende Gas Phosphin nachweisen. „Es muss sich bei dem Brand gebildet haben“, meint Messerschmidt. Die Konzentration habe über einem bestimmten Grenzwert gelegen, sagt Schäfer. Phosphin sei sowohl beim Einatmen, als auch beim Kontakt mit der Haut giftig, erklärt ein Gefahrgut-Experte.

Die Leitstelle alarmierte daraufhin gegen 21.40 Uhr das Stichwort „Masseanfall von Verletzten“. Zahlreiche Rettungswagen und der Leitende Notarzt eilten nach Gelldorf. „Alle Mitarbeiter und Feuerwehrleute, die ohne Schutz mit dem Gefahrstoff in Kontakt gekommen waren, mussten ärztlich untersucht werden“, sagt Messerschmidt. Mehr als zehn Personen konnten noch vor Ort von einem Notarzt untersucht werden. Mitarbeiter, die bereits nach Hause gegangen waren, seien telefonisch kontaktiert worden. „Vier Menschen mussten mit Rettungswagen ins Krankenhaus in Vehlen gebracht werden“, sagt Messerschmidt, stellvertretender Leiter der Umwelteinheit. Wie es ihnen geht, ist unbekannt.

Stadtbrandmeister Volker Schramm wies Freiwillige der Feuerwehr Vehlen an, ein Spezialgerät zur Einsatzstelle zu bringen. Mit einem sogenannten Be- und Entlüftungsgerät konnten die giftigen Gase aus dem Raum abgesaugt werden. „In meiner Amtszeit habe ich noch nie so eine Gefahrensituation in Obernkirchen erlebt“, sagt Bürgermeister Schäfer.

Spezialisten führten bis spät in die Nacht Messungen durch. Für die Umwelt habe keine Gefahr bestanden, berichtet Messerschmidt.




Weiterführende Artikel
    Kommentare