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Alarm für Gefahrgut- und ABC-Einheiten / Paketwagen sichergestellt / Fahrer vorsorglich in Klinik

Chemikalie läuft aus – Großeinsatz

EISBERGEN. Mit einem Großaufgebot an Kräften sind Spezialeinheiten der Stadt Porta Westfalica am Dienstagnachmittag gegen 14.30 Uhr zur Raiffeisenstraße in Eisbergen gefahren. Auch Experten des ABC-Dienstes und Notfallsanitäter der Berufsfeuerwehr Minden rückten aus. Zuvor hatte ein Paketzusteller Alarm geschlagen. In seinem Transporter war aus einem 10-Liter-Kanister Kalilauge ausgetreten.

veröffentlicht am 19.06.2018 um 21:13 Uhr
aktualisiert am 19.06.2018 um 22:20 Uhr

Gefahrgut-Einsatz in Eisbergen: Unter Vollschutz bergen Spezialisten die Chemikalie. Foto: leo
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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Die ätzende Flüssigkeit verteilte sich auf dem Gang des Fahrzeuges. Der 28 Jahre alte Mann wurde von Notfallsanitätern untersucht und in ein Krankenhaus gebracht. Feuerwehrleute sperrten den Bereich rund um den Wagen ab. „Zur Sicherheit sollte der Patient in der Klinik durchgecheckt werden. Vielleicht hat er etwas von der Chemikalie eingeatmet“, sagte Feuerwehrsprecher Lutz Altenhöner. Männer, die sich mit schwerem Atemschutz ausgerüstet hatten und Chemikalien-Schutzanzüge trugen, erkundeten die Lage. Im Paketwagen konnten sie den Kanister bergen – der offenbar undichte Behälter wurde in einer Sicherungstonne luftdicht verstaut. „Im Wagen hatte sich bereits eine große Pfütze gebildet“, erklärt Altenhöner. Die ausgelaufene Flüssigkeit wurde mit einem speziellen Chemikalien-Bindemittel abgebunden. „Die Kalilauge kann Metalle angreifen. Zum Glück hat die Chemikalie aber nicht mit dem Metall im Wagen reagiert“, sagt Altenhöner. Eine Kaliumhydroxid-Lösung kann ätzende und reizende Dämpfe entwickeln. Auch deshalb führten Spezialisten ständig Messungen durch. Man habe jedoch keine Wohnhäuser evakuieren müssen, hieß es. „Der Lieferwagen stand glücklicherweise weit genug von den Gebäuden weg, erklärt Aktenhöner. Gefahrgut-Experten bauten einen sogenannten Dekontaminationspunkt auf. Feuerwehrleute, die unter schwerem Atemschutz und mit Chemikalien-Schutzanzügen im Gefahrenbereich gearbeitet hatten, wurden in einer Wanne mit Wasser gereinigt. Anschließend entkleideten die Spezialisten die Einsatzkräfte und verstauten die Schutzanzüge in Plastiksäcken. Ein Entsorgungsunternehmen aus Bad Oeynhausen holte am frühen Abend das geborgene Gebinde mit einem Spezialfahrzeug ab. Der Paketwagen wurde sichergestellt; er musste von einem Bergungsunternehmen abgeschleppt werden. „Fahren kann den Wagen erst einmal niemand – das ist zu gefährlich“, begründete Altenhöner die Sicherheitsmaßnahme. Warum die Lauge austreten konnte, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt. Auch ist unklar, warum der Kanister im Fahrzeug befand. „Anzunehmen, dass er ausgeliefert werden sollte. Man darf eine gewisse Menge an Chemikalien ohne spezielle Kennzeichnung in einem Fahrzeug transportieren“, erklärt Altenhöner. Die Menge im Paketwagen würde geringfügig unter dem Grenzwert liegen.

Der Gefahrgut-Alarm hatte einen Großeinsatz ausgelöst. Zahlreiche Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und der Polizei waren angerückt. Die Feuerwehren aus Eisbergen, Veltheim, Holzhausen, Lerbeck und Hausberge waren im Einsatz. Die Raiffeisenstraße und die Eisberger Straße mussten mehrere Stunden voll gesperrt werden. Erst am frühen Abend wurde der Bereich wieder für den Verkehr freigegeben.

Nachdem die Spezialisten, die Vollschutzanzüge trugen, Kontakt mit der Chemikalie gehabt hatten, wurden sie von Mitgliedern des ABC-Dienstes dekontaminiert. Foto: leo
  • Nachdem die Spezialisten, die Vollschutzanzüge trugen, Kontakt mit der Chemikalie gehabt hatten, wurden sie von Mitgliedern des ABC-Dienstes dekontaminiert. Foto: leo
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