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Ermittler verzeichnen 36 Anrufe

Erneut falsche Polizisten am Telefon

HESSISCH OLDENDORF. Mehrere Hessisch Oldendorfer haben am Wochenende die Polizei zurate gezogen. Sie gingen davon, dass Gauner sie aufs Kreuz legen wollten. Deren Masche:Täter geben sich am Telefon als Polizisten aus und wollen mit geschickten Gesprächsführungen an fremdes Geld gelangen – vor allem an das von Senioren.

veröffentlicht am 28.08.2018 um 17:34 Uhr

Die Polizei warnt vor falschen „Kollegen“, die vorzugsweise ältere Menschen anrufen um diese um ihr Erspartes bringen wollen. Foto: dpa Sebastian Gollnow
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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In Fuhlen klingelte das Telefon am Sonntagabend, zur Sendezeit des Tatort-Krimis. Am Apparat: ein Kriminalbeamter. Als solcher gab sich der Anrufer jedenfalls aus. Der Mann schilderte einer Frau , dass die Polizei zwei Einbrecher festgenommen habe. Bei den Tätern fanden Ermittler eine Liste mit Adressen potenzieller Opfer, so der „Kommissar“. Und ihr Name sei darauf vermerkt, versuchte der Anrufer, die 67-Jährige einzuschüchtern.

Der Mann fragte sie nach Bargeld und Wertgeständen. Als der falsche Kripobeamte den Ehemann sprechen wollte, bot sie ihm an, den Lautsprecher anzustellen. Da legte der Kriminelle auf. An die im Display angezeigte Telefonnummer konnte sich die Frau nicht erinnern.

Auch in Höfingen und Pötzen versuchten Betrüger mit dem selben Trick, Senioren um ihr Gespartes zu bringen. Erfolg sollen die Verbrecher nicht gehabt , hieß es von der „echten“ Polizei. Die Angerufenen gingen ihnen nicht auf den Leim und legten meist auf. „Seit Sonntag gab insgesamt 36 solcher Anrufe, allein 14 in Hessisch Oldendorf“, teilte Polizeisprecher Jörn Schedlitzki auf Anfrage mit.

Eine Auswertung durch das Landeskriminalamt Niedersachsen ergab für das Jahr 2017 zirka 110 vollendete Taten, bei denen ein Schaden von etwa 2,5 Millionen Euro entstanden sei, sagte Marius Schmidt vom Landeskriminalamt Niedersachsen. In diesem Jahr seien die Fallzahlen rückläufig, so der LKA-Sprecher. Allerdings schnellte die Schadenshöhe nach obenund lag im ersten Halbjahr 2018 bei zwei Millionen Euro.

Im Mai dieses Jahres verlor ein Ehepaar aus Afferde (87 und 92 Jahre) 130 000 Euro. Betrüger brachten sie dazu, ihr Konto aufzulösen und sich das Geld in Goldbarren auszahlen zu lassen. Das 87 Jahre alte Opfer brachte das Gold selbst zu einem Spielplatz, wo sie es auf Anordnung der Täter in einem Mülleimer steckte. Nach einem weiteren Anruf warf die Frau einen Tag später einen weiteren großen Geldbetrag in den Abfallbehälter.

Vor drei Wochen gelang skrupellosen Gaunern ein älteres Ehepaar (81, 85) um ihre Ersparnisse zu bringen . Auch sie tischten den Senioren aus Unsen eine freie erfundene Einbrecher-Geschichte auf und baten um Mithilfe. Das Ehepaar wurde gebeten, sämtliches Bargeld und auch Schmuck in einen Beutel zu legen und in der Nähe ihres Hauses zu deponieren. Die Senioren sollen fast 50 000 Euro verloren haben.

Mitte dieses Monats brachten Betrüger einen Senior dazu, Bargeld und Sammlermünzen im Wert von mehreren Zehntausend Euro zu einem Parkplatz eines Baumarkts in Hameln zu bringen. Dort entriss ein Räuber dem Mann die Beute.

Die Kripo betont erneut, dass die „richtige“ Polizei niemals dazu auffordert, Bargeld von der Bank abzuheben und es zu Ermittlungszwecken zu übergeben. Zudem sollen Angerufene am Telefon generell keine Auskunft über persönliche Daten und Vermögensverhältnisse geben.

Gibt sich ein Anrufer als Polizeibeamter aus, sollen sich Betroffene den Namen geben lassen und die örtliche Polizeidienststelle unter der bekannten Telefonnummer zurückrufen. Eine Rückruftaste sollte nicht genutzt werden. Übrigens: Die Polizei ruft nie unter der Notrufnummer „110“ an.




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