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Erst nach einem Tag Polizei gerufen

Gefährlicher Fund: Rintelner Landwirt findet amerikanische Granate

Ein ungewöhnlicher Gegenstand auf dem Sortiertisch für die Kartoffeln weckte am Montag das Interesse des Rintelner Landwirts Christian Beißner. Als er das seltsame, längliche Metallobjekt über den Sortiertisch laufen sah, "war mir zuerst auch nicht klar, was das genau gewesen ist", erklärt er.  Es war eine amerikanische Mörsergranate aus dem zweiten Weltkrieg. Der Kampfmittelräumdienst musste ausrücken, und die gefährliche Kriegswaffe entfernen.

veröffentlicht am 29.01.2020 um 12:29 Uhr
aktualisiert am 29.01.2020 um 13:56 Uhr

Von Maurice Mühlenmeier

Immerhin so viel war aber klar: In den Kartoffeln hat es bei Leibe nichts zu suchen. „Wir haben sie dann raus auf den Hof gebracht und erstmal weitergearbeitet.“

Ein bisschen komisch sei ihm schon zumute gewesen: „Der Zünder war auch noch intakt, wie der Kampfmittelräumdienst uns mitteilte.“ Da die Granate jedoch Erntemaschinen und Transporte überstand ohne zu detonieren, machte man sich nicht allzu große Sorgen. Am nächsten Morgen rief man dann die Polizei. „Die war sehr schnell vor Ort und empfahl uns, einen 30 Meter Sicherheitsabstand einzuhalten.“ Weiter wurde der Kampfmittelräumdienst informiert. „Der kam dann gegen 11 Uhr“, berichtet Beißner weiter. Die setzten den Landwirt ins Bild: „Bei der Granate handelte es sich um eine amerikanische Mörsergranate im Kaliber 60mm.“

Die genaue Bezeichnung der Granate lautet „M49A2 Spreng“. Abgefeuert wurden solche Granaten vom Infanteriemörser „M2“, die stets in Dreiergruppen einer Infanteriekompanie eingesetzt wurden. Ein Mörser zeichnet sich durch einen steilen Feuerwinkel und Aufschlagszünder aus, detonieren also für gewöhnlich beim Aufprall.

In diesem Fall ist dies ausgeblieben, sodass der Kampfmittelräumdienst die Granate in einem Spezialkoffer abtransportierte, um sie dann zu vernichten.

Schon vor einigen Jahren fand Beißner eine Handgranate in der Kartoffelernte, was eine deutliche größere Gefahr darstellt – Handgranaten können deutlich spontaner explodieren, wenn der Sicherungsstift gezogen wurde. „Oft springen dann die Sicherungshebel spontan aus der Halterung, was die Explosion nach sich zieht.“

Eine Überraschung ist es indes nicht, dass sich im Rintelner Umland immer wieder Weltkriegsmunition finden lässt. Die Nordstadt von Rinteln sowie die umliegenden Ortsteile, wie Steinbergen, Westendorf und Deckbergen lag seit dem 6. April 1945 unter starken Artilleriebeschuss. Deutsche Wehrmachts- und Volkssturmtruppen haben sich im Wesergebirge verschanzt und hielten den Vormarsch der Amerikaner auf – obgleich die Weser schon überschritten wurde und schon am 10. April Hannover besetzt wurde.

Vom 8. bis zum 11. April lagen Deckbergen und Schaumburg unter schwerem Feuer – Spuren dieser Gefechte findet man noch heute in den Einschussspuren des Bergfrieds an der Schaumburg.

Wo genau die Granate ausgegraben wurde, kann Beißner nicht mehr mit Gewissheit sagen: „Aber von irgendwo aus einem Umkreis von 10 Kilometern.“




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