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Bad Münderaner dringt gewaltsam in Haus ein

Mann (49) will sich vor seiner Ex anzünden – schwer verletzt

SCHAUMBURG. Der Eingangsbereich des Backsteinhauses an der Rosenthaler Straße ist rußgeschwärzt. An manchen Stellen sind die Steine zerplatzt – offenbar war es dort besonders heiß. Zwischen Eingangstür und Fenster liegen ein paar bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Gegenstände. Eine Jalousie ist geschmolzen – die Überreste liegen auf einer Fensterbank.

veröffentlicht am 20.06.2018 um 10:24 Uhr
aktualisiert am 20.06.2018 um 17:10 Uhr

Ermittlungen in Schaumburg - eine Kriminalistin sichert Spuren am Tatort. Foto: leo
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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SCHAUMBURG. Der Eingangsbereich des Backsteinhauses an der Rosenthaler Straße ist rußgeschwärzt. An manchen Stellen sind die Steine zerplatzt – offenbar war es dort besonders heiß. Zwischen Eingangstür und Fenster liegen ein paar bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Gegenstände. Reste einer Sitzbank sind zu erkennen. Eine Jalousie ist geschmolzen – die Überreste liegen auf einer Fensterbank. Eine Ermittlerin der Tatort-Gruppe sucht nach Spuren, macht Fotos. Wie ihr Kollege trägt sie Overall, Mundschutz und Handschuhe. In dem beschaulichen Rintelner Ortsteil Schaumburg hat sich am frühen Mittwochmorgen offenbar ein Drama abgespielt. Noch sind nur ein paar Details bekannt, doch die Kriminalisten arbeiten fieberhaft daran, die Hintergründe aufzuklären. Es geht um die Fragen: War es ein versuchtes Tötungsdelikt? Oder ein Suizid? Geht es um Stalking und schwere Brandstiftung? Die Bewohnerin und die Nachbarin seien von einem lauten Knall aus dem Schlaf gerissen worden, heißt es. Eine Ersthelferin schnappte sich einen Feuerlöscher, bekämpfte die Flammen und verhinderte Schlimmeres. Im Haus hatte bereits der Teppich angefangen.

So viel wissen die für Mord-, Totschlag und Körperverletzungsdelikte zuständigen Ermittler: Gegen 5.30 Uhr hat eine Frau aus dem Ort Schaumburg die Polizei in Rinteln angerufen. Sie teilte einem Kommissar mit, dass ihr Wohnhaus brennen würde. Als Polizei und Feuerwehr eintreffen, stehen Gegenstände vor dem Haus in Flammen. Zeugen weisen die Helfer darauf hin, dass sich noch weitere Personen im Haus aufhalten würden – „unter anderem der Täter“, wie es die Polizei später formuliert. In einer Wohnung habe man einen 49 Jahre alten Mann entdeckt, der erhebliche Brandverletzungen im Gesicht und am Oberkörper auswies. Er sei vorläufig festgenommen genommen worden, hieß es. Und auch das teilt die Polizei in einer ersten Aussendung mit: „Die Hinweisgeberin, in deren Wohnung der Tatverdächtige zuvor eingebrochen war, konnte, nachdem der Eindringling sie ebenfalls mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen hatte, in eine Nachbarwohnung flüchten.“ Sie blieb zum Glück unverletzt. Laut Polizei benutzte der Mann Benzin. Er wurde mit einem Rettungshubschrauber zu einer Spezialklinik gebracht. Zurzeit gehen die Ermittler von einer Beziehungstat aus.

Die Mutter der attackierten Frau sagte im Gespräch mit der SZ/LZ, bei dem Tatverdächtigen handele es sich um den ehemaligen Lebensgefährten ihrer Tochter. Das Paar habe sich bereits vor zwei Jahren getrennt. Der Mann, der in einem kleinen Dorf bei Bad Münder wohnen soll, habe ihre Tochter aber seitdem „verfolgt“. In der Vergangenheit hat es nach Angaben von Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig schon Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt gegeben. Die Ex-Lebensgefährtin hat, nachdem sie sich von dem Schock erholt hatte, zu Protokoll gegeben, sie sei davon überzeugt, dass der Mann sich vor ihren Augen selbst verbrennen wollte. Möglich, dass sie – als er sich mit Benzin übergoss – nur Spitzer abbekam. In diesem Fall würde die Polizei nicht wegen eines vorsätzlichen versuchten Tötungsdelikts ermitteln. Der 49-Jährige, der laut Staatsanwaltschaft nicht vorbestraft ist, konnte noch nicht vernommen werden. „Er ist erheblich verletzt“, sagte Staatsanwalt Dreißig im Gespräch mit der SZ/LZ. Man haben Ermittlungen wegen schwerer Brandstiftung und Körperverletzung aufgenommen.

Beamte untersuchen das Auto des Verdächtigen. Foto: leo
  • Beamte untersuchen das Auto des Verdächtigen. Foto: leo

Am Tatort geht derweil die Spurensuche weiter. Vor dem Haus steht ein roter VW Golf. Es deutet alles darauf hin, dass auch der Wagen mit Benzin übergossen wurde. Ein weiteres Fahrzeug erweckt die Aufmerksamkeit der Polizisten. Mit dem Auto soll der Tatverdächtige gekommen sein.

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