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Mit Niedersachsens modernster Ölwehr unterwegs im Auetal

AUETAL. Es brummt und ruckelt, als Andreas Schmidt mit der Hand den schwarzen Joystick auf dem Bedienerpult neben seinem Fahrersitz nach vorne drückt. Lautlos senkt sich die Reinigungshaube seines 180 PS starken Spezialfahrzeuges bis auf wenige Millimeter über dem bunt schillernden Asphalt der Landstraße 443 ab.

veröffentlicht am 10.05.2019 um 18:24 Uhr

Die Ölwehr von Andreas Schmidt (vorne) ist die mordernste in ganz Niedersachsen, wie der Chef sagt. Zu dem Fuhrpark gehören zahlreiche Spezialfahrzeuge. Fotos: leo
Leonhard Behmann

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Kurz darauf drückt Schmidt einen schwarzen Knopf. Sehr langsam setzt sich der tonnenschwere Lastwagen wie von Geisterhand in Bewegung. Hinten im Fahrzeug heult eine Absaugturbine auf. Sie ist ohrenbetäubend laut. Experte Schmidt will eine kilometerlange Ölspur zwischen Bernsen und Rehren auf dem sogenannten „Auetal-Highway“ bekämpfen. Wir sind unterwegs mit Schaumburgs Ölwehr. „Der mordernsten in ganz Niedersachsen“, sagt Schmidt, Chef des Umwelt-Kommunal-Services aus Lauenau.

Mitarbeiter der Straßenmeisterei sichern die glitschige Spur ab, warnen Autofahrer. Sie haben den Spezialisten angefordert. Schmidt weiß: „Eine Ölspur ist nicht nur eine Gefahr für die Umwelt, auch für Auto- und Kradfahrer kann sie zur Falle werden – vor allem dann, wenn Fahrzeuge auf dem glitschigen Belag ins Rutschen kommen.“ Was früher zahlreiche Feuerwehrleute mühsam stundenlang mit einem Bindemittel-Pulver bestreut haben, übernimmt heute ein Reinigungsfahrzeug. „Mit der Spezialmaschine kann die Ölspur sicherer beseitigt werden, als das Einsatzkräfte mit Bindemittel können“, erklärt Markus Brockmann, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln.

An der Bernser Landwehr hat Schmidt mit der Reinigung der Straße begonnen. Mit Gelblicht warnt er den Verkehr, fährt mit einer Fernbedienung eine Leittafel hoch. Ein orangefarbenes „X“ signalisiert, dass die Fahrspur gesperrt ist.

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Andreas Schmidt schaltet die Maschine ein. Am Bedienerpult kann er die Reinigung überwachen. Foto: leo

Auch wenn es draußen ohrenbetäubend laut ist – im Führerhaus ist es leise. In der sogenannten Reinigungshaube, ein Anbau vor dem Fahrzeug, sind sechs Hochdruckdüsen verbaut. Die Haube muss genau über der Ölspur ausgerichtet werden. Für die breite Ölspur auf dem „Auetal-Highway“ muss Schmidt die Reinigungshaube etwas verbreitern. Das geschieht per Knopfdruck. Maximal kann die Maschine Öl oder Kraftstoffe auf einer Breite von 1,80 Metern beseitigen. „Ist die Spur breiter, müssen wir die Strecke mehrere Male abfahren“, erklärt Andreas Schmidt. Der Spezialist hat das Bedienerpult neben sich, mit einem Display, das an einen Tablet-Computer erinnert, immer im Blick.

Schmidt hat zuvor einen schwarzen Knopf gedrückt. Seitdem fährt die Maschine autonom. „Der Wagen fährt jetzt hydraulisch“, sagt er und lächelt. Die Funktion sei wichtig, weil die Straße bei einer Geschwindigkeit zwischen 0,5 und drei Stundenkilometern gereinigt wird. „Diese Geschwindigkeit kann ein Mensch gar nicht halten, sonst geht die Kupplung kaputt“, sagt Schmidt, während er die Straße im Auge behält. Ab und zu muss er die Reinigungshaube verstellen und sie der Ölspur anpassen.

Hinten im Wagen befinden sich 2000 Liter Frischwasser in einem Tank. Sie werden erhitzt und durch Rohre nach vorne zu den Düsen der Reinigungshaube gepumpt. Gleichzeitig wird dem Wasser noch ein Reinigungsmittel hinzugefügt. „Das Tensid löst das Öl besser vom Asphalt“, sagt Schmidt. Bei ganz hartnäckigen Verschmutzungen kann die Maschine vor der Reinigung auch noch eine Chemikalie auf den Asphalt sprühen. „Das ist zum Beispiel bei Bio- und Synthetikölen hilfreich, weil das Mittel die Oberflächenspannung des Öls bricht. So lässt es sich leichter entfernen“, sagt Schmidt. Mit einem Druck von mehr als 200 bar spritzt das Wasser auf die Fahrbahn. Es spült das Öl aus den Poren des Asphaltes an die Oberfläche. Die Absaugturbine erzeugt gleichzeitig einen Unterdruck. Dadurch wird das Öl über Rohre in einen Abwassertank gesaugt. In den Tank passen 2400 Liter Wasser-Öl-Gemisch. Als der Tank voll ist, bringt Schmidt die Flüssigkeit zu seinem Betriebshof. Dort wird das Gemisch in einem Großtank gesammelt. Es wird später abgeholt und entsorgt.

Kaum hat Schmidt den Tank geleert, klingelt sein Telefon. Ihm wird eine neue Ölspur gemeldet. Schmidt setzt sich wieder hinter das Steuer seines Speziallastwagens. Er und seine fünf Mitarbeiter sind rund um die Uhr im Einsatz – und das in mehr als fünf Landkreisen.




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