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Dritter Blackout in nur zehn Wochen in Hameln hat Auswirkungen auf Teile von Rinteln

Notstrom für Gut Neelhof

RINTELN/HAMELN. Zu massiven Störungen im Stromnetz ist es am Sonntag auch im Westfalen-Weser-Netz gekommen. Vielerorts gingen die Lichter aus. Durch einen großflächigen Blackout im Netz der Stadtwerke Hameln sei es gegen 6 Uhr zu mehreren Folgefehlern an zwei großen Mittelspannungsleitungen (30 000 Volt) gekommen, sagte Angelika Schomberg, Sprecherin des Energieversorgers, am Abend auf Anfrage der SZ/LZ. Der Notdienst hätte sich umgehend auf Fehlersuche begeben – und sei an gleich fünf Stellen fündig geworden.

veröffentlicht am 01.09.2019 um 07:24 Uhr
aktualisiert am 01.09.2019 um 18:33 Uhr

Leonhard Behmann

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Eine solche Häufung komme selten vor, sagte Schomberg. Ohne Strom waren Teile von Rinteln, Ahe, Kohlenstädt und Westendorf, aber auch Rohden, Fischbeck, Höfingen und Fuhlen und Hessisch Oldendorf im Nachbarkreis Hameln-Pyrmont. Während der Umschaltungen bei Westfalen-Weser seien den Stadtwerken Hameln noch kurzfristige Störungen aus Wehrbergen und Hemeringen bekannt geworden, sagte Prokurist Helmut Feldkötter. Nach Informationen unserer Zeitung musste das Gut Neelhof zwischen Ahe und Engern von Westfalen-Weser mit Notstrom versorgt werden. Das Aggregat bleibt voraussichtlich bis Montag in Betrieb. Das Problem: Ein Erdkabel ist kaputt, unklar ist jedoch, ob auch eine Transformatorenstation defekt ist. „Deshalb kann dort der Strom noch nicht wieder angeschaltet werden“, sagte die Sprecherin. Vier weitere Fehlerstellen wurden in Ahe, Westendorf, Rohden und Höfingen aufgespürt.

Zum dritten Mal innerhalb von nur zehn Wochen hatte die Stadt Hameln am Sonntagvormittag wegen eines großflächigen Stromausfalls einen Krisenstab einberufen. Nach Angaben der Stadtwerke war es gegen 5.30 Uhr wegen eines sogenannten „Erdschlusses“ an einer Leitung, die vom Umspannwerk Afferde über Unsen und Hessisch Oldendorf in Richtung Westendorf führt, zu einem Blackout gekommen. Das sagte Prokurist Helmut Feldkötter. Der Notdienst der Stadtwerke habe mit Hochdruck daran gearbeitet, die Störungen zu beheben. „Wir haben zwei Fehlerstellen aufgespürt und diverse Schaltungen durchgeführt“, sagte Feldkötter. Gegen 12 Uhr seien alle Haushalte wieder am Netz gewesen.

Schnell stand fest – es handelt sich um einen sehr großen Stromausfall. Betroffen waren Hastenbeck, Halvestorf-Hope, Holtensen, Welliehausen und in Teile der Ortschaft Tündern. Nach Angaben des Rathauses sind auch außerhalb des Stadtgebiets die Lichter ausgegangen – in Völkerhausen, in Voremberg und in Hagenohsen (Gemeinde Emmerthal) sowie im Stadtgebiet von Hessisch Oldendorf. Die Stadtwerke Hameln sprachen von Texas/Höfingen und Rohden. Die Gesamtanzahl der betroffenen Haushalte war am frühen Nachmittag noch unbekannt. Allein im Bereich Hameln hatten 7000 Menschen keinen Strom.

In der Stadt kam der um 8.37 Uhr einberufene Stab für außergewöhnliche Ereignisse in der Rettungs- und Feuerwache in Hameln zusammen, um mit Hilfsorganisationen mögliche Notfall-Maßnahmen zu koordinieren. Es ging um die Frage, wer benötigt dringend Notstrom?

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Feuerwehrmann Tobias Krüger informiert mit Lautsprecher-Durchsagen die Bevölkerung. Foto: leo

In Bedrängnis könnten Kranke, die an Heimbeatmungsgeräten angeschlossen sind, und Landwirte, die Vieh halten, kommen. In Holtensen trat ein solcher Notfall ein. Milchbauer Burkhard Krüger war gerade mit seinem Sohn Tobias dabei, seine 30 Kühe zu melken, als plötzlich der Strom im Dorf ausfiel. „Wir haben zunächst zweieinhalb Stunden gewartet und gehofft, dass der Strom wiederkommt“, erzählt Tobias Krüger, der auch ehrenamtlicher Feuerwehrmann ist. Er fuhr schließlich zu Ortsbrandmeister Jürgen Scharbatke und klopfte an dessen Tür. „Anrufen konnte ich ihn ja nicht – und die Klingel ging auch nicht“, erzählt Krüger. Auch das Mobilfunknetz sei stellenweise zusammengebrochen. Kurz nach 8 Uhr holten Feuerwehrleute ein Notstromaggregat des Katastrophenschutzes aus dem Feuerwehr-Gerätehaus. Mit einem Trecker transportierte Krüger das Gerät zum Bauernhof. Feuerwehrleute schlossen es dort an. „Das Dieselaggregat erzeugt 7,5 Kilovoltampere“, erklärt Scharbatke. Das habe ausgereicht, um die Melkanlage betreiben zu können. Nach rund anderthalb Stunden seien alle Kühe gemolken gewesen. Es war allerhöchste Zeit, denn: „Sonst hätten die Milchkühe eine Euterentzündung bekommen.“ Zum Glück sei wenig später der Strom wieder da gewesen. „Deshalb konnten wir die Milch kühlen. Wir hätten sie sonst wegkippen müssen“, sagt Krüger.

Um 10 Uhr teilten die Stadtwerke mit, der Notdienst habe in Hastenbeck zwischen zwei Ortsnetz-Stationen im 30 000-Volt-Netz einen Kabelfehler geortet. Um 11.40 Uhr hatten Entstörungstrupps den zweiten Erdkabel-Fehler an einer unterirdisch verlegten 30 000-Volt-Leitung in Holtensen aufgespürt. Fünf Minuten später konnten Techniker in der Netzleitstelle eine Umschaltung vornehmen, war auch Holtensen wieder am Stromnetz.

Der Krisenstab hatte zuvor Durchsagen via Rundfunk und Lautsprecher veranlasst. „Im Notfall kann man zur Feuerwehr gehen oder fahren und dort Hilfe erhalten“, sagte der Leiter des Bereichs „Recht und Sicherheit“ bei der Stadt Hameln, Christian Campe, der den Krisenstab leitete. Auch in Hastenbeck, Tündern, Unsen und Welliehausen waren die Ortswehren alarmiert worden. Ihr Auftrag: sofort die Feuerwehrhäuser besetzen, Notrufe persönlich entgegennehmen und über Funk weiterleiten.




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