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Nicht das erste Mal / "Nichte" fordert 30000 Euro

Taxifahrer verhindert Enkeltrick

RINTELN. Dem aufmerksamen Rintelner Taxifahrer Reiner Sumpmann ist es zu verdanken, dass eine 85-jährige Rintelnerin nicht Opfer eines sogenannten "Enkeltricks" wurde. Statt zur Bank fuhr er sie zur Polizei und ersparte ihr damit den Verlust eines fünfstelligen Geldbetrages.

veröffentlicht am 02.12.2020 um 09:33 Uhr
aktualisiert am 02.12.2020 um 10:31 Uhr

Am Dienstag erhielt die 85-jährige Rintelnerin in der Mittagszeit einen Anruf von ihrer angeblichen Nichte. Die gab vor, einen Verkehrsunfall gehabt zu haben und dringend sofort einen größeren Geldbetrag zu brauchen. Zwar wunderte sich die 85-Jährige, dass ihre "Nichte" eine veränderte Sprache hatte, Verdacht schöpfte sie aber nicht.

Sie bestellte sich ein Taxi, um damit zur Bank zu fahren und einen fünfstelligen Betrag vom Konto zu holen. Dem 54-jährigen Reiner Sumpmann, Taxifahrer aus Rinteln, erzählte sie die Geschichte und bei ihm gingen sofort alle Alarmglocken an. Was hatte ihn darauf gebracht? "Das fing schon faul an, die Dame hatte zuerst ihr Portemonnaie vergessen, also mussten wir in einer Stunde darauf erneut zur Bank fahren". Eine Nichte habe sie angerufen, "die muss dann ja auch schon um die 60 sein", überlegte er. Die Seniorin sei nervös gewesen und habe gesagt "hoffentlich geht das gut mit den Verträgen". Nachdem sie dann Sumpmann auch noch verraten hatte, dass die sogenannte Nichte von ihr für ein vollkaskoversichertes Auto 30.000 Euro benötige, um den Schaden zu bezahlen, handelte er sofort. "Wir fahren jetzt nicht zur Bank, sondern zur Polizei". Er informierte die Kundin über die Möglichkeit, dass sie Opfer des "Enkeltricks" werden könnte. "Da muss man mal ein bisschen auf die Sprünge helfen", findet Sumpmann, "auch wenn man kein Vormund ist". Auf der Wache setzten die Rintelner Beamten sofort alle Hebel in Bewegung, um die angekündigte Geldabholerin bei der geplanten Geldübergabe festzunehmen.

Die 85-jährige, die jetzt auch überzeugt war, dass es sich bei der Anruferin nicht um ihre "Enkelin" handelte, spielte mit. In ihrer Wohnung erhielt sie in Begleitung einer Beamtin auch tatsächlich wieder einen Anruf von der weiblichen Person, die sich als ihre Enkelin ausgegeben hatte und diese kündigte an, in wenigen Minuten das Geld zu holen. Daraus wurde dann jedoch nichts und nach einigen Stunden eines operativen Einsatzes der Polizei wurde die Observation der Wohnung der 85-jährigen abgebrochen. Die Täterin holte weder das "Geld", noch meldete sie sich erneut. Dem Taxifahrer ist die 85-Jährige jetzt sehr dankbar, dass er sie vor der Straftat durch die Betrügerin bewahrte.

"Das ist nicht das erste Mal", erklärt Reiner Sumpmann. Er habe schon einmal eine ältere Dame gefahren, von der man 80.000 Euro gefordert hatte. Die habe er auch schon nicht zur Bank gefahren, sondern einem Kollegen übergeben, der sie dann zur Polizei brachte. Es habe schon seine Vorteile, dass im Taxi viel geredet würde, ist Sumpmann überzeugt.

Von Ortrud Büthe




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