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Vermehrt illegale Müllkippen im Harrl durch Corona

Umweltsündern auf der Spur – können Briefkästen Täter überführen?

BÜCKEBURG. Ermittler der Polizei fahnden seit Tagen nach Unbekannten, die illegal Abfall am Waldrand des Harrl abgeladen haben. Nun haben die Kriminalisten eine heiße Spur – ein entsorgtes Gestell mit drei Briefkästen könnte die Beamten zu den Tätern führen.

veröffentlicht am 22.07.2020 um 13:17 Uhr

Leonhard Behmann

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Auf den Kästen sind Aufkleber angebracht. „Wir hoffen, dass jemand die auffälligen Briefkästen wiedererkennt und weiß, wo sie einmal gestanden haben“, sagt Hauptkommissar Matthias Auer auf Nachfrage unserer Zeitung. Auch Revierförster Alfred Matthaei hofft, dass die Täter gefunden werden. In der Corona-Zeit habe das Abladen von Müll im Harrl und im Schaumburger Wald deutlich zugenommen, berichtet der Förster. „Viele haben Zeit gehabt, ihren Dachboden aufzuräumen oder ihr Haus zu renovieren. Den Abfall haben sie dann einfach im Wald entsorgt“, sagt Matthaei.

Spaziergänger hatten am vergangenen Donnerstagnachmittag zunächst im Bergdorfer Waldgebiet oberhalb der Tiefen Straße eine illegale Müllkippe entdeckt und die Polizei informiert. Dort war jede Menge Sperrmüll, darunter alte Möbelteile, sowie Matratzen, und leere Kartons abgeladen worden. Rund 500 Meter davon entfernt, hätten die Beamten eine weitere illegale Müllkippe im Wald gefunden. Hier waren neben einem alten Bürosessel und den Briefkästen auch gefährlicher Müll, wie etwa alte Farbeimer und ein Fernseher, gefunden worden. Die Polizei ermittelt wegen unerlaubtem Umgang mit Abfällen – das ist eine Straftat. „Solche Taten können mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft werden“, sagt Auer.

Förster Alfred Matthaei hat sich nach den jüngsten Fällen einmal mehr auch selbst auf die Suche nach den Tätern gemacht, Anwohner befragt und den Müll nach Adressen durchsucht. „Eine Anwohnerin will zur Tatzeit am Harrl einen Lastwagen mit einer klappbaren Hebebühne gesehen haben“, berichtet Matthaei. Möglicherweise sei damit der Müll in den Wald transportiert worden. Nach Informationen unserer Zeitung geht die Polizei derzeit einem weiteren Hinweis auf den möglichen Verursacher nach. „Das ist schon sehr dreist, am helllichten Tag seinen Müll im Wald abzuladen“, sagt der Revierförster. Schließlich sei die Gefahr entdeckt zu werden groß. Immer wieder findet der Förster auch Sondermüll wie Astbestplatten oder volle Ölfässer im Wald. „Einmal habe ich sogar benutzte Einwegspritzen gefunden. Man weiß nicht, was damit mal gespritzt wurde“, sagt Matthaei. Er glaubt, dass diesmal die Chance groß sei, die Täter zu fassen.

Wer kennt diese Briefkästen? Gemeinsam mit anderem Müll wurden sie im Harrl abgeladen – die Polizei hat eine Spur. Foto: Foto: Polizei

Probleme bereiten den Förstern aber nicht nur abgeladener Sperr- und Sondermüll. Sie haben auch mit sogenannten invasiven Neophyten, also gebietsfremde Pflanzen, zu kämpfen. Durch illegal abgeladenen Grünschnitt gelangen sie aus den Gärten in den Wald. „Dort verdrängen sie heimische Arten, wie Waldmeister oder junge Bäume. Besonders Pflanzen, wie das Indische Springkraut oder die Kanadische Goldrute wuchern flächendeckend und verdrängen andere Arten. Ein Problem – denn die Artenlandschaft im Wald und damit auch das Ökosystem verändern sich dadurch. Viele, die ihren Grünabfall illegal in den Wald kippen, seien „unbelehrbar“, meint Revierförster Matthaei. „Ihnen ist gar nicht klar, was sie damit anrichten.“

Die Polizei bittet im jüngsten Fall die Bevölkerung um Mithilfe. Wer weiß, wem die Briefkästen einmal gehört haben – oder wer verdächtige Beobachtungen gemacht hat, wir gebeten sich bei der Polizei Bückeburg unter der Telefonnummer (05722) 95930 zu melden.




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