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Polizei: Schiff prallte gegen Kanalböschung / Spezialtaucher verschließen mehrere Lecks im Bug / Peilschiff im Einsatz

„Unachtsamkeit“ löst Havarie aus

BÜCKEBURG. Nach der Havarie auf dem Mittellandkanal in der Nähe von Rusbend (wir berichteten) hat die Wasserschutzpolizei Hannover das 80 Meter lange mit Kunstdünger beladene Frachtschiff „St. Michael“ mit Heimathafen Papenburg vorübergehend an die Kette gelegt. „Dem Schiffsführer wurde die Weiterfahrt untersagt, bis feststeht, dass von dem beschädigten Motorschiff keine Gefahr mehr ausgeht“, erklärt der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Minden, Henning Buchholz. Das WSA ist die in solchen Fällen zuständige sogenannte Strompolizei.

veröffentlicht am 30.11.2018 um 13:24 Uhr
aktualisiert am 30.11.2018 um 14:50 Uhr

Die „St. Michael“ ist an die Kette gelegt und darf erst weiter fahren, wenn die Schäden beseitigt sind. Am Freitagmittag konnten die Ölschlängel entfernt werden, die „Alpe“ hatte zuvor den Kanal auf Schäden am Deckwerk kontrolliert. Foto: leo
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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Unterdessen gehen die Untersuchungen der Wasserschutzpolizei weiter. Die Beamten gehen davon aus, dass der Schiffsführer „aus Unachtsamkeit“ gegen die mit Wasserbausteinen abgedeckte Kanalböschung gefahren ist. Was den Mann derart abgelenkt hat, dass er so stark vom Kurs abkam, ist noch unbekannt. „Wir ermitteln gegen den 64 Jahre alten Kapitän aus Papenburg wegen Verstoßes gegen die Binnenschiffahrts Straßenverkehrsordnung. Das ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit 35 Euro geahndet wird, erklärt Oberkommissar Mirco Nowak.

Weitaus teurer wird die Reparatur des Schiffes. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei sind bei dem Unfall „mehrere Löcher“ in der Bordwand entstanden. Durch die Lecks liefen zeitweise 800 Liter Wasser in eine Matrosen-Kajüte. Der Binnenfrachter drohte zu sinken. Der Kapitän steuerte umgehend den Hafen von Rusbend an und forderte Hilfe an. Mehrere Feuerwehren rückten aus – mit starken Pumpen gelang es den Freiwilligen, das eingedrungene Wasser zu lenzen. Mit Ölsperren, die zum Teil mithilfe des Bootes der Feuerwehr Evesen verlegt wurden, verhinderten die 45 Helfer die Ausbreitung eines Ölfilms. Zum Glück war kein Motoröl ausgetreten. „Wir wissen inzwischen, dass nur eine geringe Menge Heizöl aus einem Ofen entwichen ist“, sagt Uwe Mädje von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Schaumburg.

Das Öl musste nicht abgesaugt werden. Eine spezielle Technik macht es möglich. Die Sperre besteht aus sogenannten Schlängeln, die Öl nicht nur stoppen, sondern auch aufsaugen können. Spezialisten einer Taucher-Gruppe der Feuerwehr Petershagen waren noch am Donnerstagnachmittag in die Fluten gestiegen und hatten die Lecks mit Holzpfropfen und Dichtmasse provisorisch abgedichtet, sodass danach nur noch zehn Liter pro Minute in das Schiff liefen. Der Einsatz hatte sich zunächst verzögert, weil der Kanal noch nicht für den Schiffsverkehr gesperrt worden war. Der Sog vorbeifahrender Schiffe hätte die Taucher gefährdet.

Am Freitagfrüh fuhren Spezialtaucher aus Duisburg nach Rusbend. Die Experten hatten den Auftrag, die Lecks komplett zu verschließen.

Ermittler der Wasserschutzpolizei waren erneut an Bord, um zu klären, wo genau der Frachter aufgelaufen ist. „Die Kollegen haben Daten gesichert und den Fahrtenschreiber ausgewertet“, erklärt Oberkommissar Nowak. Das Arbeits- und Peilschiff „Alpe“ des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes steuerte am Morgen ebenfalls den Havaristen an. Die Besatzung hatte nach Angaben des WSA-Leiters den Auftrag, per Echolot zu prüfen, ob durch die Havarie Schäden am Deckwerk des Mittellandkanals entstanden sind.

Gegen Mittag begannen Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes und Helfer der Feuerwehr damit, die Ölschlängel von Bord der „Alpe“ und von der Hafenkante aus zu entfernen. WSA-Mitarbeiter lobten die Freiwilligen: „Das war kein alltäglicher Einsatz für die Feuerwehr. Die Frauen und Männer haben das dennoch sehr gut gemacht.“




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