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3 Tatverdächtige festgenommen / Pkws im Wert von 1 Million Euro auseinandergenommen

Update: Luxusautos in Minden zerlegt: Polizei nimmt litauische Bande fest

MINDEN/PADERBORN. Ein litauische Bande hat in Minden offenbar in großem Stil gestohlene Luxuskarossen zerlegt und weiterverkauft. Wie die Paderborner Polizei, die die internationalen Ermittlungen leitete, mitteilt, wurden in der vergangenen Woche drei Tatverdächtige festgenommen. Sie sollen in einer Halle in Minden unter anderem 5er und 6er BMW im Wert von insgesamt einer Million Euro auseinander genommen haben. Bisher können sie für mindestens 20 Autodiebstähle verantwortlich gemacht werden.

veröffentlicht am 04.12.2019 um 15:41 Uhr

Die Verdächtigen, die mittlerweile in Untersuchungshaft sitzen, sollen sich dabei auf so genannte "keyless-go-Systeme" spezialisiert haben. Dabei öffnet sich ein Auto schon, wenn der Fahrer mit der Schlüsselkarte sich nur nähert. Mittels eines Funkstreckenverlängerers fingen die Kriminellen das Funksignal der im Haus deponierten Autoschlüssel ab. So konnten sie die Wagen ohne weitere Werkzeuge öffnen und starten, teilt die Polizei mit. Bei einer ihrer Taten im Juli 2018 in Paderborn blieb der aufgebrochene BMW 330E allerdings kurz nach dem Diebstahl liegen, die Täter mussten fliehen. Im Auto konnte die Kripo damals Spuren sichern, die zur Identifizierung eines ersten Tatverdächtigen führten. Der Litauer war bereits wegen schweren Diebstahls vorbestraft. Das brachte die Polizei auch auf die Spur eines mutmaßlichen Komplizen. Die Staatsanwaltschaft beantragte Gerichtsbeschlüsse für umfangreiche verdeckte Ermittlungen, die sich über viele Wochen hinzogen.

Drähte laufen in Minden zusammen

Die Drähte der Bande liefen schließlich in Minden zusammen, wo ein weiteres Mitglied wohnt und eine Lagerhalle angemietet hatte. In der Nacht auf Mittwoch, 27. November, observierte eine Spezialeinheit die mutmaßlichen Autodiebe, während sie einen BMW X6 in Löhne stahlen. Das Auto ließen sie kurz darauf in der Halle in Minden verschwinden. Als die beiden Diebe anschließend zu ihren Komplizen fuhren, nahmen die Ermittler das Trio früh morgens fest.

 Fahrzeuge im Gesamtwert von etwa 100.000.000 Euro entwendet

Die Lagerhalle in Minden, deren Standort die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht näher nennt, wurde anschließend mit Unterstützung von Mindener Kriminalbeamten durchsucht. Sie fanden dort sowohl den gestohlenen 6er BMW sowie ein 5er BMW, der zwei Tage zuvor in Löhne verschwunden und bereits teilweise zerlegt war. Die drei Tatverdächtigen im Alter von 19, 41 und 44 Jahren wurden zunächst ins Polizeigewahrsam nach Paderborn gebracht, seit letzten Donnerstag sitzen sie in Untersuchungshaft.

In der Lagerhalle hatten die Täter schon mit dem Auseinanderbauen eines gestohlenen BMW X5 begonnen. Die Spurensicherung in und um die Halle in Minden dauerte mehrere Tage.  Foto: Polizei Paderborn

Die weitere Spurensicherung in der Mindener Halle dauerte mehrere Tage. In der "Zerlegehalle" wurden Fahrzeugteile und persönliche Gegenstände von Geschädigten gefunden, die mindestens 20 Autodiebstählen in Ostwestfalen und dem benachbarten Niedersachsen zugeordnet werden können. Offensichtlich wurden die gestohlenen Autos in der Halle zerlegt und in Einzelteilen ins östliche Ausland transportiert. Die entwendeten Fahrzeuge haben einen Gesamtwert von etwa 1.000.000 Euro.

Neben der jetzt festgesetzten Bande sind offenbar auch noch andere, bislang unbekannte Täter parallel aktiv, so die Ermittler. Auch nach den Festnahmen seien noch BMW-Modelle in Paderborn und Nachbarkreisen entwendet worden. 

Update:

Täter arbeiten über Ländergrenzen hinaus

Kriminaloberkommissar Phil Clark, der die aktuellen Ermittlungen bei der Paderborner Kripo leitete, sagt: "Die internationale Kfz-Verschiebung wird nach wie vor von polnischen und litauischen Gruppierungen dominiert. Die Täter arbeiten arbeitsteilig, hochprofessionell und über Ländergrenzen hinaus. Sie sind dabei mobil und verwenden modernste Technik." Die Ermittlungen gestalteten sich entsprechend aufwendig. Immer wichtiger werde hierbei auch die Zusammenarbeit mit den europäischen Kollegen. Dass es den Tätern durch die Fahrzeugtechnik manchmal so einfach gemacht wird ärgert den Kommissar: "Es ist super bequem, den Autoschlüssel nicht mehr einsetzen zu müssen, um das Auto aufzuschließen und zu starten. Aber wenn es gestohlen wurde, ist die Bequemlichkeit erst mal ganz vorbei." Er rät Autobesitzern, ihre Schlüssel nie direkt am Haus- oder an der Wohnungstür abzulegen und das Funksignal abzuschirmen - zum Beispiel mit einer Aluminiumhülle. mt




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