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Neun Menschen in Kliniken gebracht / Polizeibeamte retten Bewohner / Feuerwehr: „Heldenhafter Einsatz“

UPDATE: Zwei Schwerverletzte bei Großfeuer in Vehlen

VEHLEN. Noch vor Eintreffen der Feuerwehr haben zwei mutige Polizeibeamte am frühen Freitagmorgen gegen 1.30 Uhr in einem Mehrfamilienhaus an der Vehlener Straße in Vehlen sieben Bewohner aus einem verqualmten und brennenden Haus gerettet.

veröffentlicht am 03.05.2019 um 06:49 Uhr
aktualisiert am 20.05.2019 um 19:59 Uhr

Bis zu drei Meter hohe Flammen schlagen aus dem Dachstuhl. Feuerwehrleute bekämpfen von einer Drehleiter das Feuer. Neun Menschen werden verletzt. Fotos: fh
Leonhard Behmann

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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite

Bewohner und Polizisten seien der starken Rauchentwicklung ungeschützt ausgesetzt gewesen, erklärt Hauptkommissar Matthias Auer. Rettungskräfte versorgten die Verletzten. Die Bewohner (1, 8, 16, 19, 19, 25 und 48) zogen sich offiziellen Angaben zufolge Rauchgasvergiftungen zu. Die 48 Jahre alte Betreuerin und eines der Kinder seien bei dem Feuer schwer verletzt worden, erklärte die Polizei auf Nachfrage der SZ/LZ. Die Frau habe neben einer Rauchgasvergiftung auch Verbrennungen erlitten, hieß es. Auch die Polizistin (26) und ihr Kollege (33) wurden durch Rauchgasvergiftungen verletzt. „Sie sind nicht mehr dienstfähig und werden mehrere Tage ausfallen“, sagt Auer. Stadtbrandmeister Volker Schramm lobte den „heldenhaften Einsatz“ der Beamten. „Das ist eine tolle Leistung. Ich ziehe meinen Hut vor den Polizisten“, sagte er dieser Zeitung.


Großbrand Obernkirchen

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Quelle: Fabian Hahn

Nach Angaben der Feuerwehr war das Feuer im ersten Obergeschoss des Wohnhauses, in dem Jugendliche und Heranwachsende des Wohnprojektes „Husky“ untergebracht sind, ausgebrochen. Nach Informationen der SZ/LZ soll das Feuer an einem Sofa ausgebrochen sein. „Die Flammen haben sich rasend schnell auf den Dachboden ausgebreitet und in den Dachstuhl gefressen“, erzählt Schramm. Zeitweise schlugen zwei bis drei Meter hohe Flammen aus dem Dach.

Die Leitstelle löste die höchste Alarmstufe für die Feuerwehr aus. Neben den Feuerwehren, Vehlen, Obernkirchen, Gelldorf, Krainhagen und Röhrkasten machten sich auch Freiwillige aus Bückeburg und Stadthagen mit einer Drehleiter, einer Hubrettungsbühne sowie mit zwei Tanklöschfahrzeugen auf den Weg nach Vehlen. Feuerwehrleute, die sich mit schwerem Atemschutz ausgerüstet hatten, konnten zwei Hunde und zwei Papageien aus dem brennenden Haus retten. Zwei herbeigeeilte Veterinäre kümmerten sich um die Tiere. Sowohl von innen als auch von den Körben der Drehleiter und der Hubrettungsbühne aus bekämpften Feuerwehrleute die Flammen.


Vom Korb der Drehleiter aus Bückeburg sei sofort das Dach geöffnet worden. „Hitze und Rauch konnten so entweichen und eine Rauchgasdurchzündung vermieden werden“, erklärt Schramm. Während des Löscheinsatzes seien Teile des Dachbodens eingestürzt. Der Löscheinsatz zog sich über neun Stunden hin.

Die Rettungsleitstelle löste mit dem Stichwort „Massenanfall von Verletzten und Kranken“ einen Großalarm für den Rettungsdienst aus. Zahlreiche Rettungswagen und Notärzte rückten aus. Notarztteams behandelten die Verletzten im Feuerwehrgerätehaus in Vehlen und brachten sie danach in Krankenhäuser in Vehlen und Minden. Sieben der neun Verletzten hätten am Freitag bereits die Kliniken verlassen können, hieß es. Die Schwerverletzten müssen weiter in der Klinik behandelt werden.

Die Polizei hat unterdessen Untersuchungen zur Brandursache aufgenommen. Brandursachen-Ermittler nahmen am Freitag ihre Arbeit auf. Die Polizei hat den Brandort beschlagnahmt - sie geht von fahrlässiger Brandstiftung aus. „Ein erster Tatverdacht richtet sich gegen einen Bewohner“, sagt Auer. Das Haus sei unbewohnbar und einsturzgefährdet, erklärt der Hauptkommissar.


In dem Brandhaus waren zwei junge Leute (16 und 19) vom Jugendamt untergebracht worden.  „ Jugendliche und Heranwachsenden, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr zuhause wohnen können, werden  in Familien untergebracht. Dort werden sie von pädagogisch geschulten Familienmitgliedern betreut“, sagt die Leiterin des Projektes „Husky“, Eva Felka. Die Jugendlichen, die bei dem Brand obdachlos geworden sind, seinen in einer Einrichtung des Projektes in Obernkirchen und in einer Aufnahmestelle für Notfälle in Kleinenbremen untergebracht worden.

Felka lobte das umsichtige Handeln eines 19-Jährigen. „Er ist in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv und hat sofort mit einem Feuerlöscher erste Löschversuche unternommen“, erzählt Felka im Gespräch mit dieser Zeitung.




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