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Anfang der 1950er Jahre ist der Motorsport im Hamelner Raum populär und erfolgreich

10 000 beim Rennen am Bückeberg

In Hameln bildete sich einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ein Automobil- und Motorradclub als Ortsgruppe des ADAC. Er entfaltete schon bald spannende Aktivitäten. Anfang 1950 veranstaltete der Club ein Bergrennen für Motorräder und Autos auf dem Bückeberg. Die Zuschauer kamen in Massen.

veröffentlicht am 25.08.2018 um 09:30 Uhr

Rasant in der Kurve: Das Rennen für Motorräder und Autos am Bückeberg bei Hagenohsen war ein großes Ereignis. 10 000 Zuschauer standen und saßen an der Strecke, darunter Gäste von weit her. Foto: Archiv

Autor:

Cord Hölscher
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Unter Leitung des Sportreferenten Ernst Hoske, versierter Motorradrennfahrer sowie Eigentümer einer Auto- und Motorradwerkstatt in Hameln wurden die Planungen für das Bückeberger Rennen vorangetrieben. Die Veranstaltung sollte der erste Teil einer Clubmeisterschaft für Motorräder und Kraftwagen werden. Sie würde unter anderem aus einem Rundstreckenrennen, einer Geländefahrt und einer Orientierungs- und Geschicklichkeitsfahrt bestehen. Teilnahmeberechtigt waren alle Vereinsmitglieder; zum Teilnehmerfeld gehörten denn auch neben den Cracks „ganz normale“ motorsportbegeisterte Amateure.

Bei dem Bergrennen am 26. März 1950 musste die knapp drei Kilometer lange Strecke, die bis zu neun Prozent Steigung aufweist, zweimal durchfahren werden. Die Motorradenthusiasten starteten in den Klassen für Tourenmotorräder bis 100 Kubikzentimeter (ccm), bis 125, bis 250, bis 350 und bis 500 ccm. Für Sportmaschinen gab es die Klassen bis 350, bis 500 und über 500 ccm. Schon nach kurzer Zeit lagen mehr als 40 Anmeldungen vor, darunter neben der des bereits bundesweit in der Rennszene bekannten Ernst Hoske aus Groß Hilligsfeld auch die von Peter von Löwis aus Fischbeck; er verunglückte wenig später bei einem Renntraining tödlich. Die Anmeldungen Auswärtiger waren zahlreich, etwa aus Hannover und Sarstedt. Sofern sie nicht dem Verein angehörten, wurden sie nicht für die Clubmeisterschaften gewertet. Bis zum Rennen wuchs das Teilnehmerfeld auf 63 Fahrer, von denen einige sowohl mit dem Motorrad als auch mit dem Pkw an den Start gingen.

Im Teilnehmerfeld war auch Hermann Müller vom Zweirad-Geschäft für Triumph, Rabeneick und Horex in Hamelns Bahnhofstraße. Die ausführliche Berichterstattung auf den Sportseiten der Dewezet bildete das perfekte werbliche Umfeld für örtliche Fahrzeughändler, für Borowy (NSU) in Kirchohsen, Ernst Hoske (Maico) in Groß Hilligsfeld und Hameln, Hans Leukert (DKW), Ernst Hinze (Tempo Matador), Hild & Co. (VW), Werner Taubert (Opel) und A. & W. Moersch (Ford).

Die Deister- und Weserzeitung berichtet am 27. März 1950 bereits auf der Titelseite und mit mehreren Fotos – damals durchaus ungewöhnlich – über das Rennen am Bückeberg. Es ist ein Hinweis auf die Bedeutung des Wettkampfes.
  • Die Deister- und Weserzeitung berichtet am 27. März 1950 bereits auf der Titelseite und mit mehreren Fotos – damals durchaus ungewöhnlich – über das Rennen am Bückeberg. Es ist ein Hinweis auf die Bedeutung des Wettkampfes.

Nach zwei Trainingstagen war es soweit. Zunächst war die Zuverlässigkeitsfahrt zu meistern. Sie führte von Hameln über Diedersen, Bisperode und Bessinghausen zum Startpunkt des Bergrennens nach Latferde. Es galt, die Strecke zügig zu meistern – unter Beachtung der Straßenverkehrsordnung und ohne Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten. Die Einhaltung wurde durch Helfer an einer Reihe von Kontrollpunkten überwacht. Meisterfahrer Hoske leistete sich bei diesem „gebremsten“ Wettbewerb mit 31 Strafpunkten den letzten Platz. Beim Bergrennen, wo nach eigenem Können und Gusto auf die Tube gedrückt werden konnte, reüssierte er jedoch und gewann vor 10 000 Zuschauern die Klasse F (Kräder über 500 ccm). Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 113,5 km/h stellte er zudem den Tagesrekord auf.

Ein zweites Rennen am Bückeberg kam nicht mehr zustande – wegen des finanziellen Risikos

Johann-Heinrich von der Schulenburg, der legendäre „Graf Jonny“, wurde bei dem knapp acht Wochen später folgenden dritten Lauf, der Geländefahrt, auf einer Triumph Sieger in der Klasse bis 350 ccm. In der Zuverlässigkeitsprüfung im Juli des Jahres kam er in der 250- ccm-Klasse auf den zweiten Platz. Ernst Hoske siegte derweil mit seiner BMW in der 500-ccm-Klasse an einem ganz anderen Ort, beim „Dieburger Dreiecksrennen“.

Die Hamelner Club-Meisterschaften nahmen ihren weiteren Verlauf Ende August mit einer „Fuchsjagd“, also dem Verfolgen durch schweres Gelände auf der Ottensteiner Hochebene. Nach diesem vierten Lauf stand „Graf Jonny“ in der Gesamtwertung auf Platz vier. Angeführt wurde die Tabelle von Karl Matthias (Weibeck), Hans Danger und Walter Eggers (beide Hameln).

Als sich das Motorsportjahr 1950 dem Ende zuneigte, hatten einige der Hamelner Clubmitglieder auch noch einmal überregional ihr Können bewiesen. Bei der Geländefahrt des hannoverschen ADAC über 250 Kilometer nichtasphaltierter Straßen errang Hoske Gold; Danger, Gutjahr, Nesselrodt und Krings sicherten sich Silber; von der Schulenburg, Seiffert, und Warzecha holten sich Bronze.

1951 fanden als große Veranstaltungen die Fahrt „Quer durch das Weserbergland“ und das Rundstreckenrennen am Fuße des Bückeberges statt. Die Tour „Quer durch das Weserbergland“ war mitnichten eine Kaffeefahrt, sondern hatte bei widrigem Wetter viele schwere Geländeprüfungen. Gleich nach dem Start ging es die aufgeweichte Rodelbahn auf den Klüt hinauf, in Amelgatzen war die Emmer zweimal zu durchqueren, und auf der Abfahrt von Glesse nach Bevörde kam es zu mehreren schweren Stürzen. So erreichten nur 34 von 46 Fahrern das Ziel. Drei Hamelner Fahrer und wiederum Graf von der Schulenburg, der im Krieg als Kradmelder gedient hatte und sich somit im Gelände quasi auf gewohntem Terrain befand, errangen je eine von zwölf vergebenen goldenen Medaillen.

Auf nationaler und internationaler Ebene brachten die Rennjahre bis 1953 für die Hamelner Vereinsvertreter bemerkenswerte Erfolge: 1951 siegte Hoske auf der Avus in Berlin; bei der internationalen Alpenfahrt war Schulenburg einer von sieben Fahrern, die überhaupt ankamen. Im Jahr darauf siegte dort Hans Danger, auch Westphal und von der Schulenburg brachten weitere Medaillen heim. Westphal, der in diesem Jahr zwölf- mal bei Rennen in der Region startete, errang dabei elf Medaillen, davon neun goldene. Erfolgreich waren die Hamelner auch bei der ADAC-Deutschlandfahrt 1953.

Das Bückebergrennen blieb allerdings eine einmalige Sache. Für September 1951 war zwar ein weiteres Rennen geplant, aber wegen des finanziellen Risikos dann doch abgesagt worden. Planungen für ein Rundstreckenrennen im Jahre 1952 um den Bückeberg verliefen ebenfalls im Sande. In den nächsten Jahren wurde es um den Hamelner Motorsport ruhiger.




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