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„Das Sterben wird grüner“

Öko-Urne und lackfreier Sarg

Umweltbewusst auch auf dem letzten Weg: Angehörige entscheiden sich zunehmend für „grüne“ Särge und Urnen – ohne schädliche Lacke und Kunststoff. Der letzte Fußabdruck auf dieser Erde soll sauber sein – leider ist die Leiche selbst das meistens nicht.

veröffentlicht am 21.11.2018 um 16:20 Uhr
aktualisiert am 21.11.2018 um 21:10 Uhr

Beliebt: Urne aus Korkeichenholz. Foto: dpa

Autor:

Rolf Schraa
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Schuhe tun wir nicht mehr mit rein in den Sarg“, sagt Michael Biesemann, „die braucht im Himmel keiner“ – und sie belasten auf Erden den Boden, weil sie sich auch nach Jahrzehnten kaum auflösen. Der erfahrene Bestatter aus Wesel am Niederrhein spürt seit Jahren einen zunehmenden Trend, auch auf dem letzten Weg Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen. „Leute fragen nach Särgen ohne schädlichen Lack.“ Das Bestattungsunternehmen kann den Bedarf befriedigen – mit geöltem Holz und Knochenleim statt Kunstkleber. „Ein Drittel unserer Särge sind schon bio“, sagt er.

Urnen aus Kartoffelstärke, kunststofffreie Totenkleider und Särge ohne schädliche Lackierung liegen bundesweit im Trend. „Der Tod wird grüner“, sagt der Chef des Bundesverbandes Bestattungsbedarf, Jürgen Stahl der Deutschen Presse-Agentur. „Gefühlt verkaufe ich fast nur noch Bio-Urnen.“ Angehörige wollten einen ökologischen sauberen letzten Fußabdruck ihres Familienmitgliedes. Der Verband vertritt rund 60 Firmen bundesweit, die das gesamte Bestattungsgewerbe mit den nötigen Produkten von Särgen über Bestattungswäsche bis zur Friedhofstechnik beliefern.

Der neue Trend lässt sich etwa an Urnen für die Feuerbestattung belegen: Sie würden zunehmend aus natürlichen Rohstoffen wie Pflanzenextrakten, Zucker, Bienenwachs oder Kartoffelstärke hergestellt, die sich in der Erde oder bei einer Seebestattung im Meer vollständig auflösten, sagt Stahl. Der Marktanteil der Bio-Urnen sei von zehn Prozent vor fünf Jahren auf aktuell 50 Prozent hochgeschnellt. Auch Bestatter Biesemann bietet fast nur noch Urnen an, die sich komplett auflösen. Das geht sogar mit Keramik-Urnen, wenn sie nur halb gebrannt werden, sagt er.

Der Trend geht zu naturbelassenen Materialien, die biologisch abbaubar sind. Foto: dpa
  • Der Trend geht zu naturbelassenen Materialien, die biologisch abbaubar sind. Foto: dpa

Bei Vollholz-Eichensärgen mit natürlich geölter Oberfläche wuchs der Marktanteil nach einer aktuellen Marktumfrage des Verbandes bundesweit von 25 Prozent 2016 auf aktuell etwa 40 Prozent.

Anzüge für den Toten mit hohem Kunstfaseranteil sind nach Beobachtungen des Verbandes zunehmend tabu – es gebe inzwischen zahlreiche Firmen, die biologisch abbaubare und dennoch würdevolle Kleidung für Verstorbene anböten. Dafür gäben Angehörige – je nach Produkt – auch mehr Geld aus: Bio-Produkte müssen nicht in jedem Fall teurer sein, manche kosteten aber im Schnitt bis zu einem Fünftel mehr, sagt Stahl.

In Deutschland gibt es nach den Zahlen des Verbandes jährlich rund 930 000 Todesfälle. Etwa zwei Drittel der Toten werden verbrannt. In knapp einem Drittel der Fälle entscheiden sich die Angehörigen für eine Erdbestattung. Daneben gebe es aber zunehmend individuelle Bestattungswege wie Seebestattungen, das Verstreuen der Asche oder Bestattungen in Friedwäldern, berichtet Stahl. Diese zunehmende Nähe des Totenkultes zur Natur sei wohl ein wichtiger Auslöser für das wachsende Umweltbewusstsein der Angehörigen, sagt Biesemann.

An einem Punkt könnten allerdings auch umweltbewusste Bestatter nichts ändern, sagen die Fachleute: Der tote menschliche Körper selbst ist alles andere als „bio“: Leichen enthielten vielfach Medikamentenrückstände, Zahn- und Organprothesen. Bei der Erdbestattung gelangten diese Stoffe irgendwann in den Boden, bei der Verbrennung trotz moderner Filter und strenger Grenzwerte in die Luft.




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